Sommerferien

Es sind Sommerferien. Als Familie freut man sich auf die gemeinsame Zeit. Endlich kann man zusammen Urlaub machen, sich von den Pflichten des Alltags befreien und die Seele baumeln lassen. Das klingt für die meisten von uns nach einem Werbeslogan für eine Reiseagentur. Denn in der Realität sind die meisten Eltern in den Ferien mit der Gestaltung des Alltags besonders herausgefordert. Viele Familien können sich einen All Inclusive Urlaub irgendwo am Strand wie in der Werbung nicht leisten und müssen ihre Ferien zu Hause verbringen. Der Stress scheint vorprogrammiert zu sein, wenn alle Familienmitglieder plötzlich so viel Zeit miteinander verbringen. Väter werden zum Streitschlichter ihrer Kinder und bei den Müttern liegen die Nerven blank, weil sie merken, dass sie gar keine Chance gegen die herrschende Unordnung haben.

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Die Religion eurer Väter

Ambivalenz gehört zu jeder Religion. Zerrissenheit gehört dazu, wenn das Göttliche auf das Endliche, dass Transzendente auf unser irdisches Leben treffen. Ambivalent ist zumeist auch das Verhältnis der Entstehung zur darauffolgenden Tradierung einer Religion. Während die neue Botschaft Vorhandenes umstößt, verwirft, die Perspektive revolutioniert, fällt den nachfolgenden Generationen die Aufgabe zu, diese Botschaft aufrechtzuerhalten und weiterzugeben.

Diese Ambivalenz, diese Zerrissenheit zwischen Aufbruch und Tradition ist die Herausforderung, die sich jeder Generation auf ein Neues stellt. Jeder Generation fällt einerseits die Aufgabe zu, die Botschaft in all ihrer Authentizität zu empfangen, sie unverfälscht in das eigene Leben aufzunehmen, sie an die nächste Generation weiterzugeben. Andererseits erhält sie jedoch jedes Mal, als wäre es wieder das erste Mal, die Aufforderung zu hinterfragen und damit eigene Verantwortung zu übernehmen.

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FAQ

Häufig stellen wir uns Fragen, wie wir bessere Muslime werden können. Wir fragen danach, was wir als Muslime dürfen oder nicht dürfen. Was wir essen oder trinken sollen oder was wir gerade nicht essen oder trinken sollen. Wir fragen danach, ob dieses oder jenes Verhalten besser ist für uns als Muslime. Und wir glauben häufig daran, dass andere Menschen, die tatsächlich oder vermeintlich viel über den Islam wissen, die richtige Antwort auf unsere Fragen haben. Zahllose Internet-Imame verkünden im Brustton des heiligen Ernstes, was sich für einen Muslim schickt oder nicht schickt, wie man sich als Muslim zu verhalten habe. Was viele nicht wahrnehmen: Auf nahezu jede Frage des religionspraktischen Lebens findet sich in den Schriften muslimischer Autoren über all die Jahrhunderte der muslimischen Gelehrsamkeit hinweg eine Antwort – und gleichzeitig eine davon abweichende Gegenmeinung. Welche Antwort soll nun die einzig richtige Antwort sein?

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Blut spenden – ein Akt der Nächstenliebe

Ein Gastbeitrag von Akif Şahin

Aufgrund der weiterhin angespannten Situation wegen der Pandemie leiden vielerorts immer wieder Krankenhäuser und andere medizinische Versorgungsbereiche unter mangelnden Blutkonserven. Vermehrt gibt es auch mediale Aufrufe für Blutspenden. Angesichts dieser Situation sollten auch Muslim:innen darüber nachdenken, ob sie Blut spenden möchten und können.

Wer Blut spenden geht, der unterstützt eine der wichtigsten Säulen unserer medizinischen Versorgung – sowohl im Notfall als auch bei geplanten Operationen. Mit einer einfachen Blutspende leistet man so einen Beitrag für die Allgemeinheit, rettet Leben und unterstützt mit einer selbstlosen einfachen Tat das Überleben der Menschheit.

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Pride

Dieses Freitagswort ist notwendig. Vielleicht notwendiger als viele Freitagsworte davor. Denn dieses Freitagswort spricht ein Thema an, das wir in unserer muslimischen Gemeinschaft tabuisieren. Wir schweigen hartnäckig zu diesem Thema. Denn das, was wir in den meisten Fällen dazu zu sagen haben, besteht aus Ablehnung und Ächtung. Und das ist noch vorsichtig formuliert.

Unser gemeinschaftlicher Umgang mit dem Thema Homosexualität und unser Umgang mit Menschen aus der LGBT-Community offenbart mit seinen verkrampften Abwehrreflexen, wie gestört wir uns von diesem Thema, ja von queeren Menschen selbst, fühlen. Ihre Anwesenheit, ihre Nähe verstört uns. Über dieses Thema zu reden, ist uns unangenehm.

Wir wollen weder über dieses Thema reden, noch wollen wir die Nähe zu queeren Menschen. Diese Abwehrhaltung und peinlich berührte Ignoranz weisen auf ein Problem hin, das in unseren Reihen präsent ist. Darauf muss sich unser Blick konzentrieren.

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Gewissensfragen

Gewöhnlich findet sich freitags an dieser Stelle ein Text, mit dem das Thema Spiritualität im Islam angesprochen wird. Oder die Autoren versuchen, eben jene Spiritualität durch ihre Texte spürbar zu machen. Aber zuweilen hat man das Gefühl, dass die äußeren Bedingungen unserer Existenz unsere Gedankenwelt derart überlagern, dass kein Platz mehr für Spiritualität bleibt, dass die Kakophonie menschlicher Verfehlungen so laut wird, dass man seine innere Stimme nicht mehr hören kann. Dieser Lärm übertönt jeden Versuch der inneren Einkehr und hindert uns daran, uns auf das Wesentliche zu besinnen.

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Nur unser Innerstes wird unsere Welt verändern

Anlässlich jedes Freitagsgebetes erleben wir Woche für Woche eine ganz wichtige, weil prägende Dimension unserer Religion. Im Gemeindegebet werden wir jede Woche mit der kollektiven Dimension unseres Glaubens konfrontiert. Unsere tägliche Erfahrung, dass Religion Privatsache ist, wird der Erfahrung, manchmal dem berührenden Moment, manchmal der schwierigen Zumutung ausgesetzt, dass Religion auch eine gemeinsame, eine gesellschaftliche, über die individuelle Erfahrung hinausgehende Wirkungsebene hat.

Wir sind dabei den Unterschieden ausgesetzt, die jede Muslimin und jeder Muslim durch ihre und seine ganz persönliche Aneignung des Glaubens zurück in die Gemeinschaft trägt. Wir erleben in Details unterschiedliche Gepflogenheiten des rituellen Gebets, der lauten oder leisen Rezitation, des Verhaltens während der Predigt oder auch unterschiedliche Gewohnheiten und Rituale der Gemeinschaft nachdem das Freitagsgebet verrichtet wurde.

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Ende des Ramadan

Wieder neigt sich der jährliche Fastenmonat seinem Ende zu. Und wieder lässt er uns erleben, wie die Herausforderungen, die er mit sich bringt, uns fast zur Gewohnheit werden. Wie scheinbar Unmögliches sich in ein alltägliches Ritual verwandelt und uns vor Augen führt, wie trügerisch unsere Gedanken und Vorstellungen über uns selbst sein können. Kaum sind wir in der Lage, hinter diesen Vorhang unserer Selbstwahrnehmung zu blicken, endet der Ramadan in Tagen der Freude, der familiären Verbundenheit und in vielfachen freundschaftlichen Begegnungen. Und wir fallen zurück in unser eingeübtes Verhalten und der Ramadan verblasst wieder für 11 Monate zu einer fernen Erinnerung der Überwindung von Hunger und Durst.

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Die ruhende Seele im Ramadan

Der Ramadan ist anders. Er riecht anders, er schmeckt anders, er fühlt sich anders an. Das Fasten in diesem Monat zügelt zwar den Verzehr, schärft aber dafür die Sinne. Schon nach zwei oder drei Fastentagen ändert sich die Wahrnehmung der Umwelt. Sie wird bewusster gesehen, gerochen, gefühlt, geschmeckt.

Es ändert sich der Tagesablauf. Dabei ist es nicht einmal der Wegfall von Mahlzeiten über den Tag, der die Veränderung bringt. Es ist das Aufrechterhalten eines Bewusstseins, eines andauernden gottesdienstlichen Rituals, einer Ibadah. Im Prinzip sind die Muslime während des Fastens in einem anhaltenden spirituellen Zustand. Stetig ist die Erinnerung, das Gedenken an ihren Schöpfer präsent.

Die stetige Erinnerung und das Gedenken an Allah lässt den Menschen bewusster werden. Bewusster gegenüber seinen Mitmenschen, seiner Umwelt. Das Fasten ist mehr als der Verzicht auf Speise und Trank. Es geht einher mit dem Verzicht auf üble Nachrede, auf Beleidigungen, auf die bereits verbale Verletzung anderer. Alles Handlungen, die auch außerhalb des Ramadans verpönt sind. Schnell merkt der Fastende, dass das Fasten die Einhaltung dieser Gebote wesentlich erleichtert. Das Zügeln von Bedürfnissen wirkt sich auch auf den Umgang mit anderen Menschen aus.

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Regelmäßig und wenig, statt zu viel und überfordernd

Ein Gastbeitrag von Akif Sahin

In jedem Ramadan trifft man auf Menschen, die sich quasi in einen Wettbewerb mit anderen begeben, darüber wer welche gottesdienstlichen Handlungen ausgeführt und wer welche Herausforderungen auf einer Liste erfüllt hat. Dieser „Optimierungswahn“ ist längst zu einem kommerziellen Geschäft geworden, in denen „Coaches“, natürlich nur gegen Geld, Muslim:innen erklären, wie sie sich bestimmte Ziele setzen und erreichen sollen, damit sie ins Paradies kommen. 

Der ganze Schwachsinn ist von Beginn an falsch konzipiert und wird leider in unserer „Leistungsgesellschaft“ nicht als schädlich für eine positive Persönlichkeitsentwicklung erkannt. Es ist fatal, sich in Glaubensfragen „Ziele“ zu setzen. Nehmen wir einen einfachen Fall. Man möchte im Monat Ramadan den Koran rezitieren und setzt sich als Ziel am Ende des Monats Ramadan den gesamten Koran zu lesen. Was passiert, wenn man dieses Ziel nicht erreicht hat? Welche Auswirkungen hat ein nicht erreichtes Ziel auf meine eigene Psyche? Und wird man dieses Ziel noch einmal in Angriff nehmen, wenn man dieses Jahr gescheitert ist?

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