Den Kranken Freude bereiten

Wir sind mitten im nasskalten Winter, es wird früh dunkel und die Motivation ist bei vielen Menschen nicht gerade sehr hoch. Welch ein Glück, wenn man einigermaßen frei von Erkältung, Fieber und Husten durch diese Jahreszeit kommt. Denn nichts ist beschwerlicher als in diesen Tagen auch noch körperlich eingeschränkt zu sein.

Wen es dann doch erwischt hat bleibt dann nur noch der Weg der Schonung und Genesung. Oft verbringt man dann diese Zeit zuhause. Man möchte ja schließlich nicht andere Mitmenschen anstecken. Jeder, der das durchmacht, weiß, dass so ein Tag sehr lang sein kann. Man würde vielleicht lieber gerne mit Freunden zusammen sein oder etwas mit der Familie unternehmen. Jedoch verlangt der eigene Körper zu Recht seine Zeit und Ruhe, um wieder gesund zu werden. Nicht selten begleitet einen auch noch eine trübe Stimmung, die durchaus etwas Aufhellung gebrauchen könnte.

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Schimpfe nicht auf die Launen der Zeit

Die Menschen neigen heute sehr leichtfertig dazu, sich über die Entwicklungen auf der Welt zu empören. Man vermisst die vermeintlich gute alte Zeit, und sieht nur Krisen und Konflikte. Zweifellos gibt es die überall auf der Welt. Gerade in den sozialen Medien ist eine zunehmende Frustration und Negativität zu beobachten. Auch wir Muslime bleiben davon nicht unberührt. Auch wir Muslime liken, teilen und kommentieren in den sozialen Medien, aber auch in den Gesprächen unter uns, die Ungerechtigkeiten, die in verschiedenen Regionen der Welt den Muslimen angetan werden. Insbesondere ideologische Akteure unter uns Muslimen nutzen Videos und Bilder, um gezielt junge Muslime durch eine emotionale Ansprache in eine bestimmte Richtung zu lenken.

Sowohl bei diesen ideologischen Akteuren als auch bei den Gesprächen unter Freunden geht es fast nie darum, wie man die Situation ändern kann, oder wie man zumindest die Aufmerksamkeit der Menschen auf wahre Ungerechtigkeit lenken kann. Es geht im Grunde genommen nur darum, sich abzureagieren. Das Ergebnis mit dieser Art und Weise des Umgangs mit tatsächlichem – aber auch imaginiertem – Unrecht ist am Ende Frustration und indirekt auch der Verlust des Vertrauens auf Allah, unserem Schöpfer.

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Vom Haben zum Sein

Das fünfmal tägliche rituelle Gebet (as-salat, namaz) gehört zu den religiösen Pflichten jedes gläubigen Muslims und jeder gläubigen Muslima. Es gilt, neben dem Fasten, dem Zahlen der Armensteuer und der großen Pilgerfahrt nach Mekka, als die Bestätigung und praktische Entfaltung des muslimischen Glaubensbekenntnisses, der schahada. Die Inhalte des Glaubensbekenntnisses – der Glaube an die Einheit Gottes, der Gesandtschaft des Propheten Muhammad a.s. und an die Wahrheit der vorislamischen Offenbarungen – werden dadurch mit Leben gefüllt. Der Glaube wird somit durch die Ausführung der rituellen Pflichten praktisch gelebt.

Von allen rituellen Pflichten fällt die Einhaltung des Gebets den meisten Musliminnen und Muslimen schwer. Was erschwert aber vielen Gläubigen, das Gebet jeden Tag pünktlich zu vollziehen? Ist es der Rhythmus, weil das Gebet jeden Tag, fünf Mal zu bestimmten Tageszeiten verrichtet werden muss? Ist es die Dichte unserer kostbaren Lebenszeit, die wir Gott schenken sollen?

Wer schon einmal vor und nach dem Gebet auf die Uhr geschaut hat, wird bemerkt haben, dass es in Wirklichkeit nur wenige Minuten unseres Tages in Anspruch nimmt. Wenn wir es schaffen, fünf Mal täglich für ein paar Minuten unsere E-Mails und unsere Social-Media-Accounts zu checken, dann sollte es doch ohne Weiteres auch möglich sein, fünf Mal täglich Gott rituell zu gedenken. Was macht also dann die Einhaltung des Gebets so schwierig?

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Pride

Dieses Freitagswort ist notwendig. Vielleicht notwendiger als viele Freitagsworte davor. Denn dieses Freitagswort spricht ein Thema an, das wir in unserer muslimischen Gemeinschaft tabuisieren. Wir schweigen hartnäckig zu diesem Thema. Denn das, was wir in den meisten Fällen dazu zu sagen haben, besteht aus Ablehnung und Ächtung. Und das ist noch vorsichtig formuliert.

Unser gemeinschaftlicher Umgang mit dem Thema Homosexualität und unser Umgang mit Menschen aus der LGBT-Community offenbart mit seinen verkrampften Abwehrreflexen, wie gestört wir uns von diesem Thema, ja von queeren Menschen selbst, fühlen. Ihre Anwesenheit, ihre Nähe verstört uns. Über dieses Thema zu reden, ist uns unangenehm.

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Nostalgie als Opium für das Volk

Die Beschäftigung mit der Geschichte der islamischen Gelehrsamkeit ist für uns Muslime heute von großer Bedeutung. Die Reflektion über die Werke und die Persönlichkeiten, die diese Wissenstradition über die Jahrhunderte entwickelt haben, ist wichtig, um sich mit den Herausforderungen der Gegenwart auseinanderzusetzen und eigene, auf das Heute bezogene Lösungen oder Denkanstöße zu finden.

Nicht selten dominieren bei uns Muslimen aber zwei extreme Formen, wie man sich mit der eigenen Geschichte beschäftigt und sich dieser annähert. Das eine Extrem ist die Romantisierung der Vergangenheit. Man neigt ganz schnell zu einer nostalgischen Haltung, klagt dabei die eigene gegenwärtige Lage an. Man denkt, dass man durch die unreflektierte und von der Gegenwart losgelöste Nachahmung des vergangenen Erbes zur alten Blüte wiedererlangt. Dabei ist dieses Erbe jedoch nur konstruiert.

Das andere Extrem ist die totale Verdammung der eigenen Wissenstradition. Dabei wird verzweifelt versucht, ohne jegliches Fundament etwas Neues zu konstruieren. Das führt letztendlich zu einer Beliebigkeit und dem Verlust von Wissen. Beide Herangehensweisen sind am Ende oberflächlich und fern der historischen Realitäten, die über die Jahrhunderte herrschten.

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Der liebevolle Umgang mit Tieren

Im Internet kursieren schreckliche Bilder von Tieren, die gejagt, misshandelt oder ausgehungert ihrem Schicksal überlassen werden. Die Mode- und Lederindustrie lässt Tiere gewaltsam für ihre Habgier leiden. Sogenannte Trophäenjäger, die aus Mordlust töten, posieren mit ihrer Beute, sexuell gestörte Menschen vergewaltigen Tiere, um sich zu befriedigen. Angebliche Tierliebhaber und –halter sind mit der Pflege ihrer Tiere überfordert und setzten sie einfach aus und lassen sie verhungern und verdursten. Der gewaltsame Umgang mit Tieren darf keinen Platz in unserer Gemeinschaft haben, denn Tiere sind auch Lebewesen und haben ein Daseinsrecht, das nicht gewaltsam geraubt werden darf.

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Von beiden Seiten

Wir reden in den letzten Tagen häufig über unsere Erfahrungen von Rassismus, von Ausgrenzung und den willkürlichen Entzug oder das Vorenthalten von Zugehörigkeit.

Wir beklagen zu Recht die vielen Erlebnisse von Ungleichbehandlung, von Ungerechtigkeit und das, was diese Erlebnisse, diese Gefühle mit uns machen, in uns verändern.

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Die Götzendiener

Das, was wir Gott nennen, ist ein Konstrukt und eine Imagination von uns. Damit ist allerdings nicht gemeint, dass Gott nicht existiert, sondern vielmehr, dass egal, was wir Menschen uns unter dem Begriff „Gott“ oder „Schöpfer“ vorstellen, diese Vorstellung stets ein Produkt des eigenen Selbst bleibt. Sie sagt eher mehr über uns selbst als über Gott aus. Zu Ende gedacht bedeutet das, dass unser Lobpreis nichts anderes als ein unbewusstes Eigenlob ist und dass die eigene „Gottesvorstellung“ eine Skizze von uns ist. Aber natürlich gibt keiner dies zu. Unser Verhalten gegenüber anderen Gottesvorstellungen verrät uns allerdings. Dass die Menschen die Glaubensvorstellungen anderer ablehnen oder kritisieren, ist ein Hinweis darauf, dass wir unser Selbst als Maßstab nehmen. Weiterlesen “Die Götzendiener”

Goldgewinnung

Islam- und Muslimfeindlichkeit ist etwas, was uns Muslime immer mehr Sorge bereitet. Es gibt in unserer Gesellschaft Akteure, die immer massiver Ressentiments gegen Muslime befeuern und Hysterie verbreiten. Der gesellschaftliche Frieden leidet darunter. Positiv zu beobachten ist allerdings auch, dass immer mehr Organisationen und Initiativen auf dieses Phänomen aufmerksam machen. Zivilgesellschaftliche Akteure sensibilisieren sowohl die Öffentlichkeit für dieses Thema, aber sie bieten auch Betroffenen Hilfe an. Aber was bedeutet dieses Phänomen der zunehmenden feindlichen Haltung gegenüber Muslimen für uns als Gläubige? Weiterlesen “Goldgewinnung”

Alter Sprengstoff

Das Unrecht schlägt uns nicht wie ein nasses Handtuch ins Gesicht. Es fällt nicht über uns her. Es überwältigt uns nicht. Das Unrecht kommt nicht als Feind, nicht als zwielichtige Gestalt, vor denen wir uns fürchten. Das Unrecht stößt uns nicht ab, es erzeugt keinen Widerwillen in uns.

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