Das tägliche Opferfest

In der zurückliegenden Woche haben wir – wie jedes Jahr – das Opferfest gefeiert. Viele von uns haben Opfertiere geschlachtet. Viele haben das Fleisch mit verschiedenen Menschen geteilt. Viele haben Geld gespendet und damit die Schlachtung eines Opfertieres in unterschiedlichen Ländern der Erde ermöglicht, so dass die Bedürftigen vor Ort mit dem Fleisch versorgt werden konnten.

Jedes Jahr wiederholen wir dieses Ritual. Wir hinterfragen dabei selten, warum wir an einem Ritual festhalten, das zumindest in unserer unmittelbaren Nähe, in unserer Nachbarschaft nicht wirklich zur Linderung von Not sinnvoll ist. Wir leben in einem Land, in dem selbst Menschen, die wirtschaftliche Not leiden, nicht vollständig auf Fleisch verzichten müssen, weil es etwa zu teuer wäre.

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Das Wesen der Prüfung

In diesen Tagen erleben wir eine verheerende Flutkatastrophe im Westen unseres Landes. Besonders betroffen vom Hochwasser und den zerstörerischen Folgen des Starkregens sind unsere Nachbarn und Mitbürger in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Wir haben Tote und Verletzte zu beklagen. Viele Menschen vermissen immer noch ihre liebsten Angehörigen und leiden schwer an dieser Ungewissheit. Viele haben die eigene Wohnung, ihr Haus, Hab und Gut von materiellem und ideellem Wert verloren.

In diesen Stunden beten wir für ewigen Frieden für die Verstorbenen, für Kraft und Geduld für die vom Verlust betroffenen Angehörigen und Hinterbliebenen. Wir beten für den Beistand des Allmächtigen für all jene, die verzweifelt sind und voller Sorgen in die Zukunft blicken. Wir beten für die vielen Hilfskräfte, Feuerwehr, Polizei, Ärztinnen und Ärzte, für alle Rettungskräfte und für alle, die den Bedürftigen helfen und beistehen.

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Wer sind unsere Brüder und Schwestern?

In unserer gemeinschaftlichen Sprache gibt es die Besonderheit, die durch das gleiche Glaubensbekenntnis gestiftete Nähe zueinander auch in der persönlichen Ansprache wirksam werden zu lassen. Das innermuslimische Verständnis von einer weltumspannenden Umma, einer engen Gemeinschaft aller muslimischen Menschen, wird als Ideal so sehr herbeigesehnt, dass sie bereits sprachlich schon vorweggenommen wird.

Diese erstrebte, manchmal schon aufdringlich erzwungene Nähe und quasi verwandtschaftliche Verbundenheit trägt in letzter Konsequenz dann auch sehr merkwürdige Stilblüten. So habe ich es schon erlebt, dass der Heiratswunsch eines muslimischen Mannes mit den Worten „Bruder sucht Schwester zum Heiraten“ beschrieben wurde.

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Regenbogen

Das Symbol des Regenbogens hat in den vergangenen Tagen für öffentliche Aufregung gesorgt. Gerade auch im muslimischen Kontext ist der Umgang mit Diversität sehr schwierig. Wenn es gar um die Frage sexueller Diversität geht, geraten die Diskussionen schnell in schrille Tonlagen.

Als Muslime rühmen wir uns, dass wir jedes Leben um des Schöpfers Willen achten und lieben. Wenn es aber um Menschen mit einer von den üblichen Normen innerhalb unserer Gemeinschaften abweichenden sexuellen Identität geht, verirren sich unsere Blicke selten in Richtung unseres Schöpfers, wenn wir zornig und ablehnend auf andere herabblicken.

Die Worte des muslimischen Mystikers Rumi: „Komm! Wer immer du auch bist, komm!“ gelten uns als häufig zitierte Zusammenfassung muslimischer Ethik. Schnell nehmen wir beim Thema Diversität aber eine Haltung ein, die sich eher wie „Hau bloß ab!“ anhört.

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Frevler sind immer die anderen

Der Weg in die Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert. Dieser Sinnspruch ist in vielen Kulturen, in vielen unterschiedlichen Sprachen bekannt. Wir Muslime sind davon überzeugt, dass der Vorsatz, die Absicht, die unserem Handeln zu Grunde liegt, das Entscheidende ist. Wir nehmen häufig an, das Resultat unseres Handelns oder unserer Untätigkeit sei nicht so bedeutsam, wie die Absicht, die unserem Tun oder Unterlassen zu Grunde liegt. In diesem Denken liegt zugleich große Einsicht und tiefer Irrtum.

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Moses lieben und Juden hassen?

Als muslimische Gemeinschaft sprechen wir gern über unsere religiösen Tugenden, über den Islam als Rechtleitung für unser Leben. Selten sprechen wir aber über die Verirrungen, denen wir erliegen. Solche Verirrungen sind menschlich. Sie sind Ausdruck unserer Unvollkommenheit.

Aber wir dürfen sie nicht hinnehmen, wir dürfen sie nicht leugnen oder verharmlosen. Denn dann laufen wir Gefahr, dass Verirrungen nicht mehr als solche erkannt werden, ja sogar als ihr Gegenteil, nämlich als authentische muslimische Haltung missverstanden und über Generationen hinweg aufrechterhalten werden.

Zu den gravierendsten Verirrungen im Verständnis unseres Glaubens gehören zwei Phänomene, die wir als „Antisemitismus“ und „antichristliche Ressentiments“ beschreiben könnten. Aber eine solche Beschreibung wäre in sich bereits eine sprachliche Verharmlosung und damit ebenfalls eine Facette der Verirrung. Wir müssen ehrlich mit uns sein. Und wir müssen unsere Unvollkommenheiten schonungslos benennen. Nur so können wir ihnen ins Gesicht blicken und uns selbst zu Veränderungen bewegen.

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Ende des Ramadan

Wieder neigt sich der jährliche Fastenmonat seinem Ende zu. Und wieder lässt er uns erleben, wie die Herausforderungen, die er mit sich bringt, uns fast zur Gewohnheit werden. Wie scheinbar Unmögliches sich in ein alltägliches Ritual verwandelt und uns vor Augen führt, wie trügerisch unsere Gedanken und Vorstellungen über uns selbst sein können. Kaum sind wir in der Lage, hinter diesen Vorhang unserer Selbstwahrnehmung zu blicken, endet der Ramadan in Tagen der Freude, der familiären Verbundenheit und in vielfachen freundschaftlichen Begegnungen. Und wir fallen zurück in unser eingeübtes Verhalten und der Ramadan verblasst wieder für 11 Monate zu einer fernen Erinnerung der Überwindung von Hunger und Durst.

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Vergebung

Morgen begehen wir Muslime die Nacht der Vergebung. In dieser Nacht beten wir darum, von unseren Sünden befreit zu werden. Wir beten um Läuterung.
Wir vertrauen auf die am häufigsten zitierten Attribute unseres Schöpfers, des Allbarmherzigen, des Allgnädigen.

Wir hoffen darauf, dass er uns selbst ein ganzes Leben voller Sünden vergeben mag, wegen einer guten Tat, die wir verrichten. Wir beten um Läuterung und Vergebung, damit wir trotz eines ganzen Lebens voller Tugenden seine Nähe nicht verspielen, wegen einer Sünde, die wir begangen haben.

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Mut zum Frieden

Religion ist Verantwortung. Religion macht verantwortlich. Der Islam in seiner religionspraktischen Ausprägung weist ein beständiges Gleichgewicht von Individualität und Kollektivität aus. Religiöse Praxis hat stets eine höchstpersönliche Dimension und gleichzeitig eine gemeinschaftliche Bedeutung.

Wir verrichten das Ritualgebet, um uns fünfmal am Tag in Demut und Ergebenheit vor unserem Schöpfer zu üben. Gleichzeitig vereint uns das Ritualgebet, wenn es in einer Moschee verrichtet wird, mit anderen Menschen zu einem gemeinschaftlichen Erlebnis.

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Lebbeyk

Was bedeutet es, zu glauben? Welchem Zweck dient unser Glaube? Was ändert sich durch unseren Glauben, durch unseren Zustand, an etwas zu glauben? Warum glauben wir? Worin äußert sich unser Glauben? Welchen Einfluss hat unser innerer Zustand, ein glaubender Mensch zu sein, auf unseren äußeren Zustand?

Das Nachdenken über diese Fragen ist in unseren Gemeinschaften keine regelmäßige Praxis. Viel häufiger denken wir darüber nach, wie wir unseren Glauben praktizieren. Die Fragen nach vermeintlich richtiger oder falscher Glaubensausübung verhindern immer mehr, dass das Nachdenken über die Bedeutung unseres Glaubens zu einer regelmäßigen Übung wird.

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