Mit jeder Schwierigkeit kommt Erleichterung

Diskriminierung, Ausgrenzung, schwierige Lebensbedingungen – es gibt viele Gründe und Anlässe, um als Mensch die Hoffnung zu verlieren oder zu verzweifeln. Berufliche oder gesundheitliche Rückschläge, familiäre Probleme, niemand hat eine Sicherheit dafür, von solchen Schicksalsschlägen verschont zu bleiben. Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, mit solchen Schwierigkeiten umzugehen. Jeder Mensch wird sicherlich unterschiedlich reagieren. Hoffnungslosigkeit ist dabei eine Reaktionsform, die für den Betroffenen besonders zerstörerisch sein kann.

Sowohl die Propheten von denen der Koran berichtet, als auch unser Prophet Mohammed (Allahs Friede sei mit ihm) waren nur zu gut vertraut mit Schwierigkeiten, Angriffen und Rückschlägen. Der Verlust der Hoffnung war jedoch keine Alternative für sie. Ihre Botschaft war es vielmehr, Hoffnung aufrecht zu erhalten, selbst in den schwierigsten Momenten ihrer Gemeinschaft Stärke zu vermitteln.

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Meinungsvielfalt nur wenn es uns passt?

Die nicht enden wollenden Debatten über die islamische Glaubenspraxis und Muslime geht nicht spurlos an uns Muslimen vorbei. Wie sollte dies auch, denn natürlich berührt uns Muslime die Infragestellung unserer Glaubensgrundlagen. Im sogenannten Islamdiskurs haben wir es nicht selten mit Panikmachern zu tun, die unsere Glaubenspraxis und Glaubensinhalte als feindliche Ideologie darstellen wollen. Wir Muslime weisen dann aus Reflex auf Andalusien, den indischen Subkontinent oder andere wichtige historische Kapitel hin, in denen Muslime Hochkulturen geschaffen haben, die einen wichtigen Beitrag für Wissenschaft, Philosophie und Kunst geleistet haben.

Ambiguitätstoleranz ist dabei ein gern verwendeter Begriff von uns Muslimen, um darauf hinzuweisen, dass Muslime in ihrer Geschichte andersdenkende Menschen und Andersgläubige respektiert und ihnen Freiheiten garantiert haben. So berechtigt die Zurückweisung der Panikmacher, die aus dem Islam eine Ideologie machen wollen, sein mag, müssen wir Muslime auch aufrichtig sein. Inwiefern spiegelt der inflationäre Gebrauch des Begriffs Ambiguitätstoleranz unseren Zustand im Hier und Heute wieder? Man kann aus der Geschichte der Muslime in Andalusien oder anderen wichtigen Zentren der islamischen Gelehrsamkeit sehr viel lernen und Lehren für unsere Gegenwart ziehen, ohne Zweifel.

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Ein Gastbeitrag von Katrin Visse

Gläubige, die in einer religiösen Tradition stehen, haben ihren Glauben als etwas gefunden – oftmals wiedergefunden – was ihnen lieb und kostbar geworden ist. Dieser Glaube ist nicht wie etwas Statisches oder Logisches immer schon da; und schon gar nicht ist er immer gleich groß und stark. Glaube kann klein sein wie ein Senfkorn und so groß, dass er Berge versetzen kann, und manchmal ist er auch einfach gar nicht da. Manchmal vermissen wir Gott, und vielleicht sind wir ihm im Vermissen sogar besonders nah.

Wer Kinder oder Enkel hat – oder einfach nur: wer andere Menschen liebt! – möchte, dass jene diesen Glauben auch haben, ihn finden und heben. Deswegen bringen wir unsere Kinder zur religiösen Unterweisung, wir versuchen ihnen Vorbild zu sein und gestalten die Feste zu unvergesslichen Erlebnissen, auf dass sie ebenso in unserer Tradition beheimatet sind, wie wir es gerne immer wären. Damit eben jene Tradition den Rahmen bildet, in dem ihr Glaube wachsen kann.

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Mittendrin statt nur dabei!

Ein Gastbeitrag von Mersad Rekić

Im Gespräch stellt man bei vielen Muslimen sehr schnell fest, dass sie äußerst unzufrieden mit der Darstellung und Wahrnehmung des Islam in Deutschland sind. Während Muslime mit Islam positive Begriffe wie Frieden oder Freiheit assoziieren, sind es bei nichtmuslimischen Mitbürgern nicht selten Begriffe wie Bedrohung oder Fremdheit.

Sicherlich ist es kein richtiger Weg, wenn diese vorherrschende Unzufriedenheit in eine Frustration und Entfremdung zwischen Muslimen und auch ihrem Deutschland führt. Das stellt nämlich ein Hindernis auf dem Weg zu einer Selbstverständlichkeit dar: von „deutsch oder muslimisch“ hin zu „deutsch und muslimisch“. Daran aber entscheidet sich wieviel Teilhabe wir als Muslime am Zusammenleben in diesem schönen Land erreichen können.

Es ist zwar nicht von der Hand zu weisen, dass das Verhältnis zwischen den berichtenden Journalisten und ihrem Objekt der Beschäftigung, dem Islam, zumindest ein schwieriges ist. Falsch wäre es aber eine Verschwörung zu vermuten. Es liegt vor allem daran, dass der Alltag dieser Menschen kaum oder sehr wenig Begegnung mit Muslimen ermöglicht. Aus dieser Entfernung heraus entsteht eine Berichterstattung, die Muslime dann als verzerrt wahrnehmen.

Die Motivation zum Engagement ist höher, wenn eine Aussicht auf Erfolg gegeben ist. Erfolg aber bedeutet in einen Austausch mit seinen Mitbürgern zu gehen. Auch wenn sie im ersten Moment auf Widerstand und Ablehnung stoßen, haben Worte die Macht die Welt zu verändern. In vielen Überlieferungen lesen wir heute noch, dass sich Menschen auf den Weg machten, um unseren geliebten Propheten Muhammed (saws) zu ermorden, aber durch an sie gerichtete Worte, wurden diese Feinde zu Freunden und wichtigsten Unterstützern des Propheten (saws). Wie sieht da unsere persönliche Bilanz aus im Umgang sowohl mit wohlwollenden als auch nicht wohlgesonnenen Mitmenschen?

Konkret bedeutet es, dass Muslime raus müssen – raus unter die Mitmenschen. Durch die persönliche Begegnung innerhalb der Nachbarschaft, in dem man sich gegenseitig grüßt und aufeinander zugeht, durch aktive Elternarbeit in der Klassengemeinschaft und einen offenen Umgang mit Arbeitskollegen kann man vielfältige positive Eindrücke jenseits des medialen Diskurses hinterlassen. Dieses Engagement hat den Nebeneffekt, dass sich ein Wohlfühlen einstellt und Heimat tatsächlich nicht mehr ein Ort ist, an dem man vielleicht lediglich geboren wurde, sondern vielmehr ein Gefühl wird, welches es gilt, sich selbst zu vermitteln. Niemand sonst kann es einem abnehmen. 

Man kann es sich einfach machen, und sich ständig über mediale Debatten aufregen und empören. Oder aber man folgt dem zentralen islamischen Prinzip, und kümmert sich um das direkte Umfeld. Dieses Prinzip wohnt auch der Zakat inne, die Abgabe an arme und bedürftige Menschen und einer der 5 Säulen des Islam. Wir sind angehalten uns zunächst um die, die uns am nächsten stehen, zu kümmern. Sollten diese alle versorgt sein, dann schauen wir nach denen, die uns nicht nah sind und die wir nicht kennen. Und was ist wertvoller als Zeit, die uns gegeben ist. Kein Vermögenswert eines Menschen kommt an die Zeit, die ihm gegeben ist, heran. Daher bietet es sich doch an, dass wir dieses Vermögen und die Aufmerksamkeit, die daraus erwächst, ebenso nach dem Prinzip des Nächsten verteilen. 

Sofern Muslime sich bewegen Engagement zu zeigen, präsent in der Gesellschaft werden, neue und vielfältige Bekannten- und Freundeskreise sich erarbeiten, Allianzen schließen, Verständnis aufbringen wie sozialer Wandel von statten geht, desto mehr werden wir als Muslime Ressentiments durchbrechen und durch etwas Positives ersetzen.

Nach Christchurch

Eine Woche nach Christchurch. Schmerzen und Leid in einer Intensität und einem Ausmaß, die uns verstummen lassen, sprachlos machen. Die Frage nach dem „Warum?“ einer so sinnlosen Tat ist kaum zu beantworten. Und dennoch müssen wir eine Antwort auf das Erlebte, das Erlittene suchen. Unser Glaube hält uns dazu an, in Zeiten der Gewalt und der Not geduldig zu sein. Er erinnert uns daran, dass auch scheinbar sinnlose Augenblicke eine Bedeutung haben.

Schnell drängt sich durch die Trauer und die Verzweiflung die Frage in unser Bewusstsein, warum Gott solche Taten zulässt. Wie kann ein allmächtiger und allgütiger Gott es zulassen, dass ein dreijähriges Kind dem Hass eines Mörders zum Opfer fällt? Wenn er eine solche Tat nicht verhindern kann, ist er dann noch allmächtig? Wenn er sie nicht verhindern will, ist er dann noch allgütig?

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#Christchurch

Zum Freitagsgebet zu gehen, das hat für uns etwas von Frieden und Sicherheit. Wir treten ein in diesen Raum und schauen nach vorn. Höchstens zur Suche eines guten Freundes, eines anderen freundlichen Gesichts geht der Blick zurück zur Tür. Wir schauen nach vorn.

Manche lauschen der Predigt, andere sind in stiller Kontemplation in sich versunken. Die Ruhe ist es, die viele von uns anspricht, der Frieden, der Segen, der mit dem Frieden eng umschlungen kommt. Wir sitzen auf Teppichen, auf Steinböden, auf provisorischen Bet-Teppichen, und wir schauen nach vorn.

Ihm gedenken wir, seiner Gnade, seiner Liebe für uns, und wie wenig dieser Liebe wir ihm zurückgeben können. Das Freitagsgebet gehört zu den Zeiten, in der wir die Gegenseitigkeit am intensivsten spüren. Nebeneinander sitzen wir, schenken Almosen in Form von Lächeln nach links und rechts und wir schauen nach vorn.

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Die Frau ist kein Rippenklon des Mannes

Eine Gemeinschaft ist nur so stark und für die Herausforderungen der Zukunft nur dann gewappnet, wenn sie immer wieder aufs Neue dazu bereit ist, althergebrachte Ansichten, überlieferte Anschauungen und Wertungen zu hinterfragen. Wir müssen unser für richtig erachtetes Verhalten mit dem Licht der Offenbarung des Islam immer wieder neu beleuchten.

Denn wir Menschen sind fehlbar, irrend und unvollkommen. So sind auch unsere Ansichten stets der Gefahr ausgesetzt, in die Irre zu gehen, von der islamischen Offenbarung abzuweichen und den rechten Weg, den „siratel mustakim“ zu verlassen. Wenn wir täglich beim Verrichten unserer Ritualgebete wiederholt Gott darum bitten, uns auf diesen rechten Weg zu führen, kommt darin eben diese Überzeugung zum Ausdruck, dass unsere menschlichen Überzeugungen und tradierten Vorstellungen vom rechten Weg wegführen können. 

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Woher kommst Du?

Die Frage „Woher kommst Du?“ bewegt unser Land seit einigen Tagen. In dieser Frage und in den Diskussionen, die sie auslöst, spiegelt sich die Seele unserer Gesellschaft. In den lebendigen und teilweise scharfen Debatten, die wir miteinander und viel zu oft gegeneinander führen, verkörpert sich der Zustand unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens.

Wir leben und reden zunehmend mit dem Anspruch auf Widerspruchslosigkeit. Die Infragestellung unserer Argumente und Ansichten empfinden wir immer häufiger als Infragestellung unseres Selbst. Im Disput legen wir es immer intensiver nicht nur darauf an, die Meinung des Anderen zu widerlegen. Wir streben danach, den Anderen selbst zu widerlegen, ihm seine Berechtigung, anders zu sein, abzusprechen. 

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Junge Menschen verstehen

Die Jugend stellt eine besondere Phase unseres Lebens dar. Zwischen Kindheit und Erwachsenensein erlebt der junge Mensch große körperliche und seelische Veränderungen, was sowohl von den Eltern als auch von den Jugendlichen meistens als schwierig empfunden wird. Junge Menschen nabeln sich von den Eltern ab und begeben sich auf Identitätssuche. Die Erfahrungen, die sie dabei machen, decken sich meistens nicht mit den Vorstellungen der Eltern, was die Eltern-Kind Beziehung auf eine harte Bewährungsprobe stellt. Viele Eltern sind in dieser Zeit verzweifelt, weil sie den Zugang zu ihren Kindern verlieren. Die Kommunikation mit ihnen wird immer schwieriger, weil sie sich einer anderen Sprache bedienen. Nicht nur die Sprache verändert sich, auch der Kleidungsstil oder das Auftreten und all die anerzogenen „guten“ Verhaltensregeln scheinen verschwunden zu sein.

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Dem Menschenhass entgegentreten

Die Menschen sind unterschiedlich. Das ist ein Gemeinplatz, würde man meinen. Wenn wir allerdings einmal um uns schauen, dann werden wir schnell eines Besseren belehrt. Viele – ja, mitunter auch wir selbst – tun sich nämlich nach wie vor sehr schwer mit dieser scheinbaren Selbstverständlichkeit. Menschen, die in irgendeiner Weise anders sind als wir, werden stereotypisiert, sie werden in Schubladen gesteckt, mit Klischees und Vorurteilen belegt. Immer häufiger begegnet man ihnen mit Argwohn, Ablehnung und sogar Hass.

Ob Ethnie, Religion, sexuelle Orientierung oder kulturelle Herkunft, anhand irgendeines beliebigen Merkmals werden Menschen als anders, unnormal oder fremd gebrandmarkt und daher angefeindet. Heute ist menschenfeindliche Hetze gegen Juden, Muslime, Roma, Homosexuelle, Asylsuchende oder allgemein Fremde nicht nur in unserem Land, sondern europa-, ja, weltweit leider Alltag geworden. Sie begegnet uns auf der Straße ebenso wie in der politischen Öffentlichkeit und ganz massiv im Internet. Hier werden komplexe Sachverhalte stark vereinfacht und in holzschnittartige Freund-Feind-Bilder übersetzt. Objektive Tatsachen spielen nur dann eine Rolle, wenn sie das eigene Weltbild bestätigen. Ansonsten werden sie schlicht ignoriert, wenn nicht verdreht.

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