Der Wert des Lebens

Gewohnheiten bestimmen unser Leben. Sie gestalten unseren Alltag, prägen unsere Entscheidungen und verfestigen unsere Handlungsmuster. Über Gewohnheiten denken wir selten intensiv nach. Mit vielen wachsen wir auf und erleben sie als ganz selbstverständlich.

Unsere Gewohnheiten sind so mächtig, dass wir Verhaltensweisen einüben und nie wieder anzweifeln, selbst wenn sie unseren inneren ethischen Überzeugungen widersprechen – eben weil wir uns an sie gewöhnt haben, weil sie uns normal erscheinen. Wir müssen diese Gewohnheiten in ihrer alltäglichen Praxis nicht vor uns oder anderen rechtfertigen. Sie gelten nicht als verwerflich. Niemand hält sie uns als Übel oder grausames Verhalten vor.

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Das Wesen unseres Glaubens

Wenn wir im Alltag danach gefragt werden, was der Islam ist, antworten viele von uns mit der Aufzählung der fünf Säulen des Islam – das Glaubensbekenntnis, das Ritualgebet, das Fasten, die Pflichtabgabe und die Pilgerfahrt.

Wir neigen häufig zu einer solchen Aussage, weil diese Elemente der Glaubenspraxis uns vertraut und durch häufige Wiederholungen eingeübt sind. Wir machen uns dabei aber selten bewusst, dass diese Aufzählung nur wiedergibt, in welcher Art und Weise wir unseren Glauben in ritualisierter Form leben. Es sind Elemente des „Wie“ unserer Glaubenspraxis. Sie geben aber kaum und nur mittelbar Auskunft über das „Was“ unserer Glaubens, also über die Grundsätze und Prinzipien des Islam.

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Danken und Gedenken – der wahre Pfad zur Freiheit der Seele!

Ein Gastbeitrag von Fatih Seyfi

Grenzschließungen, Reiseeinschränkungen, Schließungen von kleinen wie großen Arbeitsstätten, Einschränkungen des persönlichen Treffens im Familien- und Freundeskreis, Quarantäne-Auflagen – es ist jetzt schon gewiss, dass die weltweite Ausbreitung der COVID-19-Pandemie eine einschneidende Zäsur für die Welt darstellen wird. Diese bisweilen für die Menschheit schwierige Phase lässt bei vielen Menschen gleichermaßen Verständnis wie auch Verzweiflung aufkommen. Nicht zuletzt in der postindustriellen, westlichen Welt hat dieser Einschnitt lange als sicher geglaubte Idealbilder ins Wanken gebracht: Vorstellungen uneingeschränkten Konsums, ungebremsten Wirtschaftswachstums und unerschöpflicher Reisebewegungen sind nicht primär durch politische Entscheidungen, sondern letztlich durch epidemiologische Vorkehrungen zusammengebrochen.

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Tue Gutes, so wie Allah dir Gutes tat

Religiosität und Gläubigkeit findet für Muslime nicht in einem begrenzten sakralen Raum statt. Vielmehr spiegelt sich der Glaube in der Haltung und der Handlung der Gläubigen wieder. Der Gottesdienst beschränkt sich nicht auf das Gebet in der Moschee oder das Fasten im Ramadan, es durchzieht das ganze Leben. Religiosität ist auch nicht einzelnen Individuen zugewiesen worden: weder Priester gibt es im Islam, noch Mönche, die eine herausgehobene Stellung unter den Gläubigen einnehmen. “Das Mönchstum wurde uns nicht geboten” (Ahmad b. Hanbal, Musnad), sagte der Prophet zu seinen Gefährten.

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Menschen sehen dich an

Theodor W. Adorno schreibt in seinem Werk „Minima Moralia“ unter der Überschrift „Menschen sehen dich an“ Folgendes:

„Die Entrüstung über begangene Grausamkeiten wird um so geringer, je unähnlicher die Betroffenen den normalen Lesern sind, je brunetter, »schmutziger«, dagohafter. Das besagt über die Greuel selbst nicht weniger als über die Betrachter. Vielleicht ist der gesellschaftliche Schematismus der Wahrnehmung bei den Antisemiten so geartet, daß sie die Juden überhaupt nicht als Menschen sehen.

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WER GEWALT IN DIE WELT TRÄGT, KANN NICHT AUF FRIEDEN IM JENSEITS HOFFEN

Islamismus. Islamischer Extremismus. Radikaler Islam. Die Gewalttaten, die in den letzten Jahren von Tätern begangen wurden, die sich auf den Islam berufen, haben unserer Religion eine schwere Hypothek auferlegt. Viele Muslime, die aus einer zutiefst religiösen Überzeugung heraus, aus ihrem fest verankerten Islamverständnis heraus diese Gewalt- und Mordtaten ablehnen, sehen sich zur Rechtfertigung ihres Glaubens gezwungen.

Dieser menschenverachtende Terror hat dazu geführt, dass der Islam gemeinhin als aggressive, intolerante und todessehnsüchtige Religion wahrgenommen wird. Er führt zu Aussagen von Tätern, die sinnbildlich für die vermeintliche Natur des Islam geworden sind: „Ihr liebt das Leben, wir aber lieben den Tod.“ Keine Aussage könnte falscher sein, um den Islam zu beschreiben.

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Mein Privileg gegen Deinen Islam

Die Lebensgeschichte des Propheten Mohammed (as) weist viele Höhen und Tiefen auf. Erfolge stehen neben Rückschlägen, Menschen, die an ihn glaubten neben anderen, die ihn abgrundtief hassten. Als Jugendlichen überraschte mich an diesen Erzählungen die Vehemenz derjenigen, die seine Botschaft ablehnten. Mir wurde nicht klar, warum diese Menschen dermaßen gefesselt waren von ihren Götzen, wie ihre Ohren so taub sein konnten für die Botschaft des Propheten, die ich als klar und einfach empfand.

In der jugendlichen „Klarheit“ war mir nicht bewusst, dass es weder um die banale Anbetung von in Stein gehauenen Göttern ging, noch dass die Botschaft des Propheten und des Korans weitergehender war als die Predigt einiger neuer Rituale und etwas Mildtätigkeit.

Die Mekkaner verstanden sehr wohl, was der Islam von ihnen verlangte. Es ging nicht einfach um den Wechsel von einer Gottheit zur Anderen oder um die Ersetzung veralteter Rituale. Ihr Widerstand galt nicht dem Beten zu bestimmten Tageszeiten oder dem Fasten an abgezählten Tagen. Der Islam forderte sie heraus, ihren Blick auf ihre Mitmenschen, ihre Wertvorstellungen, ihren Maßstab von Gut und Böse. Er hinterfragte die Rollenverteilung in der Gesellschaft, stellte ihre Wertzuschreibungen für unterschiedliche Gruppen von Menschen infrage, zweifelte ihre Privilegien und ihr Selbstverständnis an.

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Der Entschluss zum moralischen Leben

Gott fordert uns im Koran immer wieder auf, gemäß bestimmter moralischer Ideale zu handeln, etwa Wahrhaftigkeit (Sidq), Gerechtigkeit (Adl) und Barmherzigkeit (Marhamah). So etwa in Surah 16, Vers 90:

„Siehe, Gott gebietet Gerechtigkeit (Adl) und dass man Gutes tut und dem Verwandten spendet. Und Er verbietet Laster, Verwerfliches und Freveltat. Er ermahnt euch, auf dass ihr euch besinnt!“

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Wie du wirklich um Vergebung bittest und deine Taten bereust

Ein Gastbeitrag von Akif Sahin

Wir saßen damals in einem Shisha-Café und der junge Mann erzählte schließlich, wieso er sich von seiner Freundin, die eigentlich in ein paar Wochen seine Frau werden sollte, getrennt hat. Er wurde betrogen. Seine Freundin hatte etwas mit einem Anderen und gleichzeitig war er der “Dumme”, der ihren Lebensstil die ganzen Jahre über finanziert hatte. Sie dankte es ihm, in dem sie mit einem Typen ins Bett stieg. Die Trennung war endgültig, zu retten gab es da nichts.

Jahre später rief er mich an und bat mich um einen Termin. Er brachte seine Ehefrau mit und der Termin wurde zu einer Paarberatung. Er hatte den Schmerz und den Vertrauensverlust von damals immer noch nicht überwunden. Seine Frau litt darunter, weil er einfach eifersüchtig und süchtig nach Kontrolle war. Immer wieder begab er sich in Therapie und fiel letztlich wieder in alte Verhaltensmuster zurück. Seine letzte Hoffnung: “Akif abi, kannst du nicht irgendwas aus dem Quran lesen, damit es mir besser geht?”

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Das Gebet – Weder Hobby noch Last

Im Quran heißt es: „Trage vor, was dir von dem Buche geoffenbart wird und verrichte das Gebet. Siehe, das Gebet bewahrt vor Schandbarem und Verbotenem. Doch das (ständige) Gedenken an Allah ist fürwahr das Größte. Und Allah weiß, was ihr tut.“ [29:45]

Das rituelle Gebet ist eine der fünf Säulen unserer Religion und viele lernen es bereits im frühen Kindesalter kennen: Wenn etwa die Eltern beten und wir nach Aufmerksamkeit lechzen, schreien, aber keine Reaktion folgt. Das Gebet wird zu einem Teil des Alltags; als Kind versucht man die Bewegungen nachzumachen, ohne zu wissen, was genau es damit auf sich hat. Man wartet gespannt auf das Alter, in dem man selbst bewusst beten kann, zählt – wenn es dann endlich soweit ist – die Stunden, um das nächste Gebet verrichten zu können. Es fühlt sich an, wie ein Schritt zum Erwachsenwerden und erst im Laufe der Pubertät lernt man immer mehr über den Sinn und Zweck dieses Rituals kennen. Die Faszination gegenüber dem Gebet schwindet allerdings oft mit den Jahren und den zunehmenden Verpflichtungen, die mit dem Alter einhergehen. Besonders das Morgengebet wird oft zu einem schwierigen Pflichtprogramm, im Winter womöglich mehr als im Sommer.

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