Pride

Dieses Freitagswort ist notwendig. Vielleicht notwendiger als viele Freitagsworte davor. Denn dieses Freitagswort spricht ein Thema an, das wir in unserer muslimischen Gemeinschaft tabuisieren. Wir schweigen hartnäckig zu diesem Thema. Denn das, was wir in den meisten Fällen dazu zu sagen haben, besteht aus Ablehnung und Ächtung. Und das ist noch vorsichtig formuliert.

Unser gemeinschaftlicher Umgang mit dem Thema Homosexualität und unser Umgang mit Menschen aus der LGBT-Community offenbart mit seinen verkrampften Abwehrreflexen, wie gestört wir uns von diesem Thema, ja von queeren Menschen selbst, fühlen. Ihre Anwesenheit, ihre Nähe verstört uns. Über dieses Thema zu reden, ist uns unangenehm.

Wir wollen weder über dieses Thema reden, noch wollen wir die Nähe zu queeren Menschen. Diese Abwehrhaltung und peinlich berührte Ignoranz weisen auf ein Problem hin, das in unseren Reihen präsent ist. Darauf muss sich unser Blick konzentrieren.

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Gewissensfragen

Gewöhnlich findet sich freitags an dieser Stelle ein Text, mit dem das Thema Spiritualität im Islam angesprochen wird. Oder die Autoren versuchen, eben jene Spiritualität durch ihre Texte spürbar zu machen. Aber zuweilen hat man das Gefühl, dass die äußeren Bedingungen unserer Existenz unsere Gedankenwelt derart überlagern, dass kein Platz mehr für Spiritualität bleibt, dass die Kakophonie menschlicher Verfehlungen so laut wird, dass man seine innere Stimme nicht mehr hören kann. Dieser Lärm übertönt jeden Versuch der inneren Einkehr und hindert uns daran, uns auf das Wesentliche zu besinnen.

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Nur unser Innerstes wird unsere Welt verändern

Anlässlich jedes Freitagsgebetes erleben wir Woche für Woche eine ganz wichtige, weil prägende Dimension unserer Religion. Im Gemeindegebet werden wir jede Woche mit der kollektiven Dimension unseres Glaubens konfrontiert. Unsere tägliche Erfahrung, dass Religion Privatsache ist, wird der Erfahrung, manchmal dem berührenden Moment, manchmal der schwierigen Zumutung ausgesetzt, dass Religion auch eine gemeinsame, eine gesellschaftliche, über die individuelle Erfahrung hinausgehende Wirkungsebene hat.

Wir sind dabei den Unterschieden ausgesetzt, die jede Muslimin und jeder Muslim durch ihre und seine ganz persönliche Aneignung des Glaubens zurück in die Gemeinschaft trägt. Wir erleben in Details unterschiedliche Gepflogenheiten des rituellen Gebets, der lauten oder leisen Rezitation, des Verhaltens während der Predigt oder auch unterschiedliche Gewohnheiten und Rituale der Gemeinschaft nachdem das Freitagsgebet verrichtet wurde.

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Ende des Ramadan

Wieder neigt sich der jährliche Fastenmonat seinem Ende zu. Und wieder lässt er uns erleben, wie die Herausforderungen, die er mit sich bringt, uns fast zur Gewohnheit werden. Wie scheinbar Unmögliches sich in ein alltägliches Ritual verwandelt und uns vor Augen führt, wie trügerisch unsere Gedanken und Vorstellungen über uns selbst sein können. Kaum sind wir in der Lage, hinter diesen Vorhang unserer Selbstwahrnehmung zu blicken, endet der Ramadan in Tagen der Freude, der familiären Verbundenheit und in vielfachen freundschaftlichen Begegnungen. Und wir fallen zurück in unser eingeübtes Verhalten und der Ramadan verblasst wieder für 11 Monate zu einer fernen Erinnerung der Überwindung von Hunger und Durst.

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Die ruhende Seele im Ramadan

Der Ramadan ist anders. Er riecht anders, er schmeckt anders, er fühlt sich anders an. Das Fasten in diesem Monat zügelt zwar den Verzehr, schärft aber dafür die Sinne. Schon nach zwei oder drei Fastentagen ändert sich die Wahrnehmung der Umwelt. Sie wird bewusster gesehen, gerochen, gefühlt, geschmeckt.

Es ändert sich der Tagesablauf. Dabei ist es nicht einmal der Wegfall von Mahlzeiten über den Tag, der die Veränderung bringt. Es ist das Aufrechterhalten eines Bewusstseins, eines andauernden gottesdienstlichen Rituals, einer Ibadah. Im Prinzip sind die Muslime während des Fastens in einem anhaltenden spirituellen Zustand. Stetig ist die Erinnerung, das Gedenken an ihren Schöpfer präsent.

Die stetige Erinnerung und das Gedenken an Allah lässt den Menschen bewusster werden. Bewusster gegenüber seinen Mitmenschen, seiner Umwelt. Das Fasten ist mehr als der Verzicht auf Speise und Trank. Es geht einher mit dem Verzicht auf üble Nachrede, auf Beleidigungen, auf die bereits verbale Verletzung anderer. Alles Handlungen, die auch außerhalb des Ramadans verpönt sind. Schnell merkt der Fastende, dass das Fasten die Einhaltung dieser Gebote wesentlich erleichtert. Das Zügeln von Bedürfnissen wirkt sich auch auf den Umgang mit anderen Menschen aus.

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Regelmäßig und wenig, statt zu viel und überfordernd

Ein Gastbeitrag von Akif Sahin

In jedem Ramadan trifft man auf Menschen, die sich quasi in einen Wettbewerb mit anderen begeben, darüber wer welche gottesdienstlichen Handlungen ausgeführt und wer welche Herausforderungen auf einer Liste erfüllt hat. Dieser „Optimierungswahn“ ist längst zu einem kommerziellen Geschäft geworden, in denen „Coaches“, natürlich nur gegen Geld, Muslim:innen erklären, wie sie sich bestimmte Ziele setzen und erreichen sollen, damit sie ins Paradies kommen. 

Der ganze Schwachsinn ist von Beginn an falsch konzipiert und wird leider in unserer „Leistungsgesellschaft“ nicht als schädlich für eine positive Persönlichkeitsentwicklung erkannt. Es ist fatal, sich in Glaubensfragen „Ziele“ zu setzen. Nehmen wir einen einfachen Fall. Man möchte im Monat Ramadan den Koran rezitieren und setzt sich als Ziel am Ende des Monats Ramadan den gesamten Koran zu lesen. Was passiert, wenn man dieses Ziel nicht erreicht hat? Welche Auswirkungen hat ein nicht erreichtes Ziel auf meine eigene Psyche? Und wird man dieses Ziel noch einmal in Angriff nehmen, wenn man dieses Jahr gescheitert ist?

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Zeit der Erneuerung

Es ist wieder ein Jahr vergangen und der Ramadan steht uns bevor. Jedes Jahr verbinden wir diesen Monat mit positiven Erlebnissen und den Segnungen des Fastens. Was für Außenstehende häufig wie eine große Überwindung und irrationale Selbstgeißelung wirkt, erleben wir Tag für Tag als zunehmende Erleichterung, als Zeit der Beruhigung unserer körperlichen Funktionen und Schärfung unserer Sinne, die nicht von dauerhaftem Konsum und dem Verzehr viel zu großer Mengen von Allem übersättigt und abgestumpft sind. 

Wir entdecken immer wieder aufs Neue, was das Wort „brauchen“ wirklich bedeutet. Wir erfahren, was wir wirklich brauchen, um uns nicht mehr hungrig zu fühlen. Was und wieviel wir brauchen, um uns nicht mehr durstig zu fühlen. Wir entdecken – wie jedes Jahr – wie wenig wir brauchen, um zufrieden und dankbar zu sein. 

Wir beobachten – im restlichen Jahr getrieben von der Hektik des Alltages – in diesen wenigen Tagen des Ramadan, wieviel Zeit uns zur Verfügung steht, wenn wir uns nur auf eine wichtige Sache konzentrieren, wie lang ein Tag sein kann, in welchem wir uns nicht mit Nichtigkeiten von dem ablenken, was uns eigentlich wichtig sein sollte.

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Ramadan – An der Grenze zu neuen Anfängen

In der kommenden Woche beginnt der Monat Ramadan. Es ist der neunte Monat des islamischen Mondkalenders. Von Anfang April bis Anfang Mai werden wir einen Monat lang uns auf eine der fünf Säulen des Islam stützen – das Fasten. Verschiedene Koranverse verweisen auf das Fasten und auf den Monat Ramadan, unterstreichen den Segen, der diesem Monat und dem Fasten innewohnt und erinnern daran, dass die ersten Verse des Koran im Monat Ramadan offenbart wurden (vgl. 2, 185, 187; 97; 19, 26).

Der Offenbarungstext spricht von „sawm“, wenn er das Fasten meint. „Sawm“ beschreibt ein Innehalten, ein Ruhen, ein Stillstehen. Der Gedanke der Enthaltsamkeit, nicht nur von Nahrung und Wasser, sondern von allen weltlichen Dingen, prägt diese Zeit. Sie reißt uns heraus aus unserem gewohnten Alltag, stellt Selbstverständlichkeiten infrage, bricht mit Gewohnheiten und stellt uns vor Fragen, die sich um das Wesentliche drehen. Was ist unverzichtbar? Welchen Wert haben die Dinge, die uns umgeben? Von was fühlen wir uns abhängig? Und von was sind wir tatsächlich abhängig? Welche Kraft geht von der Geduld aus? Wozu sind wir selbst in der Lage? Und wem oder was sind wir letztlich vollkommen ausgeliefert?

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Opferneid

Immer häufiger stoße ich in meiner Bubble auf eine bestimmte Karikatur mit Flüchtlingen: Zwei Frauen stehen jeweils vor einem Weg nach Europa. Eine Frau mit Kopftuch und einem dunkelhaarigen Kind und eine blonde Frau mit einem blonden Kind. Die Frau mit Kopftuch soll an die Flucht syrischer Flüchtlinge erinnern. Sie steht vor einem sandigen Weg, der von einem Schlagbaum und viel Stacheldraht versperrt wird. Die Frau ohne Kopftuch soll ukrainische Flüchtlinge repräsentieren, die über einen roten Teppich nach Europa marschieren dürfen. Die Karikatur kritisiert die Ungleichbehandlung von Flüchtlingen unterschiedlicher Herkunft. Eine Kritik, die teilweise ihre Berechtigung hat und sicherlich einer Aufarbeitung bedarf. Aber, muss diese Diskussion gerade jetzt geführt werden?

Bei Einigen hat dieser Diskurs eine dermaßen zentrale Bedeutung eingenommen, dass sie Berichten über die Situation ukrainischer Flüchtlinge jedes Mal mit einem bestimmten Wiederspruch begegnen: Aber der Umgang mit den syrischen oder muslimischen Flüchtlingen war anders, es gibt doppelte Standards usw. Eine beschämende Art des Opferneids, der von einer fast schon narzisstischen Ich-Bezogenheit geprägt ist.

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Ich fühle es nicht.

Ein Gastbeitrag von Sumayya Ahmed

Stell dir vor, eine Person erzählt, sie hat Probleme, ihre Spiritualität zu fühlen. Sie betet jeden Tag, jeden Tag erledigt sie pflichtbewusst ihre Gebete, aber sie fühlt nichts. Sie fühlt sich einfach nicht erfüllt. Sie fühlt, als würde jedes Gebet nur ein weiteres To-Do auf ihrer Checkliste sein, welches sie am Ende des Tages mit einem Haken markiert. Aber dieses Gefühl, dieses tolle Gefühl der Erfüllung stellt sich nicht ein. Was also nun?

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