Hoffnung in der Not – Das Gleichnis des Propheten Yussuf (as)

Sieben bis zehn Jahre nach der ersten Herabsendung des Korans durchlebten die Muslime in Mekka ihre schwierigste Zeit. Die Mekkaner belegten den Stamm des Propheten mit einem Boykott, der es allen anderen Stämmen verbot, mit dem Stamm der Banu Haschim zu handeln. Auch Nahrung gehörte zu den Gütern, die die Verwandten des Propheten nicht erreichen durften, weil sie ihn nicht an seine Gegner auslieferten. Not und Qual wurden in diesen drei Jahren zur Regel für die Muslime. Entweder saßen sie innerhalb der Blockade fest, oder sie gehörten zwar nicht zum Stamm der Banu Haschim, verausgabten sich aber in dem Versuch, im Geheimen die hungernden und leidenden Menschen zu unterstützen.

Den Prophet traf das Jahr 10 besonders hart. Er verlor zwei für ihn wichtige Menschen auf dem Totenbett. Sein Onkel Abu Talip war ihm eine große Unterstützung, seit er mit dem neuen Glauben in die Öffentlichkeit gegangen war. Er hielt als Stammesführer seine schützende Hand über ihn und war nicht bereit, egal welchen Preis man ihm anbot, seinen Neffen an die feindlich gestimmten Mekkaner auszuliefern. Noch versuchte er, seinen Neffen von dessen Glauben abzubringen.

Wenige Tage nach dem Tod seines Onkels verlor der Prophet auch seine geliebte Frau Chadidscha bint Chuwailid. Sie war die erste Person gewesen, die an ihn, an den von ihm gepredigten Islam geglaubt hatte. Sie war es auch, die ihn gegen die Ablehnung und Anfeindung mancher mekkanischer Führer, bedingungslos unterstützte.

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Ende des Ramadan

Wieder neigt sich der jährliche Fastenmonat seinem Ende zu. Und wieder lässt er uns erleben, wie die Herausforderungen, die er mit sich bringt, uns fast zur Gewohnheit werden. Wie scheinbar Unmögliches sich in ein alltägliches Ritual verwandelt und uns vor Augen führt, wie trügerisch unsere Gedanken und Vorstellungen über uns selbst sein können. Kaum sind wir in der Lage, hinter diesen Vorhang unserer Selbstwahrnehmung zu blicken, endet der Ramadan in Tagen der Freude, der familiären Verbundenheit und in vielfachen freundschaftlichen Begegnungen. Und wir fallen zurück in unser eingeübtes Verhalten und der Ramadan verblasst wieder für 11 Monate zu einer fernen Erinnerung der Überwindung von Hunger und Durst.

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Die ruhende Seele im Ramadan

Der Ramadan ist anders. Er riecht anders, er schmeckt anders, er fühlt sich anders an. Das Fasten in diesem Monat zügelt zwar den Verzehr, er schärft dafür die Sinne. Schon nach zwei oder drei Fastentagen ändert sich die Wahrnehmung der Umwelt. Sie wird bewusster gesehen, gerochen, gefühlt, geschmeckt.

Es ändert sich der Tagesablauf. Dabei ist es nicht einmal der Wegfall von Mahlzeiten über den Tag, der die Veränderung bringt. Es ist das Aufrechterhalten eines Bewusstseins, eines andauerndes gottesdienstliches Rituals, einer Ibadah. Im Prinzip sind die Muslime während des Fastens in einem anhaltenden spirituellen Zustand. Stetig ist die Erinnerung, das Gedenken an ihren Schöpfer präsent.

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Ramadan: Erleichterungen ohne schlechtes Gewissen annehmen

Es ist 2021 und es ist bereits der zweite Ramadan unter Pandemiebedingungen. Während viele Gläubige in dieser Zeit tagsüber auf Essen und Trinken verzichten, sich von schlechten Dingen fernhalten und sich verstärkt dem eigenen Kontakt zu Allah widmen, kommen die Pandemieeinschränkungen im Alltag erschwerend dazu, die dazu führen, dass wir nicht wie gewohnt in größerem Kreis zum Fastenbrechen und Gebet zusammenkommen können.
Für viele von uns ist das mittlerweile so etwas wie Routine, schließlich ist die Gesundheit ein hohes Gut, auch im Glauben.

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Industrielle Fleischproduktion und Halal – ein Widerspruch?

Speisevorschriften gehören zur Religion des Islams. Nicht um den Gläubigen das Leben schwer zu machen. Sie sind die Folge eines ganzheitlichen Blicks auf das Leben. Ein Leben, in dem der Mensch in mehr Verbindungen und Abhängigkeiten verwoben ist, als er es sich selbst bewusst ist. Der Islam ist nach eigenem Anspruch eine Erinnerung, ein Weg des Menschen zu sich selbst.

Und richte nun dein Antlitz auf die Religion, im rechten Glauben,
gemäß der natürlichen Veranlagung, mit welcher Allah die Menschen schuf!
Keinen Ersatz gibt es für die Schöpfung Gottes.
Das ist die Religion, die Bestand hat.
Jedoch die meisten Menschen wissen nicht.
” (30:30)

Vom Menschen wird erwartet, dass er diesen Beziehungen Aufmerksamkeit schenkt, bewusster in sein Leben blickt. Seine Verantwortung geht über sein eigenes Handeln hinaus. Was löse ich mit meinem Tun aus, wie beeinflusse ich mit meinen Entscheidungen meine Umwelt? Das Entwickeln eines Bewusstseins für diese Beziehungen gehört zum Muslimsein dazu.

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Eine Gemeinschaft der Mitte

Ein Gastbeitrag von Dr. Patrick Isa Brooks

„Wir haben euch zu einer ummah wasaṭ, einer Gemeinschaft der Mitte, gemacht“ (2:143), heißt es im Koran. Das Wort richtet sich zunächst zwar an die Urgemeinde um den Propheten ﷺ in Medina, doch es ist auch für das Selbstverständnis von Musliminnen und Muslimen weltweit prägend geworden. Diese Bezeichnung auf uns zu beziehen ist aber nur möglich, wenn wir dabei anerkennen, dass sie keinen Ist-Zustand beschreibt, sondern stets ein Auftrag an uns bleibt: Es ist unsere Bestimmung, eine Gemeinschaft der Mitte zu werden!

Was aber bedeutet es konkret, eine ummah wasaṭ zu sein, sprich welche Aufgabe können wir daraus für uns ableiten? Der Koran bietet zur charakterlichen Haltung der wasaṭiyya, also der Ausgewogenheit oder „Mittigkeit“, mehrere Verständniszugänge an. Einige von diesen sind uns wohlvertraut, andere dagegen oft weniger geläufig. In jedem Fall aber lohnt es sich, sie hin und wieder ins Bewusstsein zu holen.

Die bekannteste Deutung zu wasaṭiyya dürfte das Maßhalten bzw. das Streben nach der „goldenen Mitte“ zwischen zwei Extremen, wie etwa zwischen Geiz und Verschwendung (17:29), sein. Im selben Zusammenhang wird zudem argumentiert, dass der Islam ein gesundes Gleichgewicht an religiösen Regeln und persönlicher Freiheit gewährleiste oder dass er die Mitte zwischen Askese und Genussstreben suche.
Mit Blick auf das gesellschaftliche Miteinander sollte das Ideal der wasaṭiyya aber auch stets als kategorisches Nein zu jeglicher Polarisierung sowie als Offenheit für den Kompromis gedacht werden. Ein Rückzug in ideologische „Schützengräben“ ist mit der Mitte nicht vereinbar. Sie sucht den Ausgleich und ist gegen jedwede Form eines „Wir gegen die Anderen“ zu verteidigen.

Hierzu passt auch, dass der Koran die mittlere Haltung mit Besonnenheit gleichsetzt (68:28): Sie ruft zur Vernunft, vermittelt und ermahnt zum Tun des Rechten. Außerdem lernen wir aus der Sunna, dass wasaṭ im koranischen Gebrauch ein anderes Wort für ʿadl, also „Gerechtigkeit“ oder „Geradheit“ sein kann (Buḫārī § 3339). Eine ummah wasaṭ wäre nach dieser Auslegung also eine Gemeinschaft, die in Streitfällen unparteiisch ist, die Gerechtigkeit liebt und Frieden stiftet (49:9-10). Sie steht in der Mitte, weil sie sich zu keiner der beiden Seiten neigt. Auf diese Weise kann sie Schiedsrichterin für die gute Sache werden.
An das Stichwort „Geradheit“ lässt sich wiederum ein weiteres Verständnis von wasaṭiyya anschließen, welches erneut aus dem Koran selbst ableitbar ist: Das Konzept der Mitte wird dort nämlich auch mit Gottes geradem Pfad, dem ṣirāṭ mustaqīm, in Verbindung gebracht (2:142). Ihn zu beschreiten und dabei weder nach rechts noch nach links abzuweichen, wäre demnach ein mittlerer Weg.

Doch was kennzeichnet diesen ṣirāṭ mustaqīm, welchen wir in unseren täglichen Gebeten erwähnen und auf den wir von Gott geleitet werden möchten? Auf den Glauben bezogen, ist der ṣirāṭ mustaqīm als direkter Pfad zu Gott – und damit als Heilsweg – verstehbar (4:175). Auf die Ethik bezogen, ist er dagegen etwas, das der Koran mit den Zehn Geboten in Verbindung bringt: Der ṣirāṭ mustaqīm stellt hierbei einen Weg dar, der über die gemeinsame Achtung elementarer Prinzipien zu gesellschaftlichem Zusammenhalt führen und Gräben der Feindschaft nachhaltig überwinden will (6:151-153). In diesem Sinne ist er ebenfalls ein Heilsweg, und zwar einer, der auf das Wohlergehen der Menschen auch im Hier und Jetzt abzielt!

Sich dies bewusst zu machen, ist wichtig, denn der Prophet ﷺ und seine Gemeinde schufen in Medina keine gesellschaftliche Nische von rechtgläubigen Menschen, die abgewandt von der Welt in Ruhe ihrer Gebete und Kulthandlungen nachgingen. Vielmehr entwarfen sie das Ideal einer gerechten, aufrichtigen und gütigen Solidargemeinschaft, welche der Willkür und Rechtlosigkeit der Stammesgesellschaft ein Ende setzen würde. Alle Menschen, die dieses Ideal teilten, sollten eingeladen werden, an dieser Gesellschaft mitzubauen und auf diesem Wege eine Wertegemeinschaft zu bilden, die über religiöse Grenzen hinwegreichen würde.

Natürlich sollte in Medina auch eine Glaubensgemeinschaft entstehen, jedoch keine exklusive, die sich selbstgerecht als ummah wasaṭ betrachten und alle übrigen Gruppen der Gesellschaft sich selbst überlassen würde, nein: Eine „Gemeinschaft der Mitte“ zu sein, war von Anfang an mit der besonderen Verantwortung verbunden, ein gutes Beispiel für andere abzugeben und so aktiv für das zu werben, was als maʿrūf – d.h. „allgemein anerkannt“ und „rechtmäßig“ – galt: Wer in der Mitte steht, dessen Tun bleibt bekanntlich nicht unbemerkt.

Zu dieser Verantwortung zählte außerdem der engagierte Einsatz für die Schwachen sowie das couragierte Aufbegehren gegen Unrecht und soziale Missstände. Eine ummah wasaṭ wäre demnach weder weltvergessen noch selbstgenügsam, sondern stets mitten im gesellschaftlichen Geschehen; eine Gemeinschaft, die der Menschen Nöte und Ängste ernstnimmt, sich einmischt und beherzt zupackt; eine Gemeinschaft, die unter Frömmigkeit sowohl Gottes- als auch Nächstenliebe begreift.

Als Musliminnen und Muslime im Deutschland von heute gehören wir natürlich nicht der Urgemeinde um den Propheten ﷺ an und können daher auch nicht wissen, ob wir den Ehrentitel „Gemeinschaft der Mitte“ überhaupt noch verdienen. Wir können uns aber immer wieder der vielfältigen Deutungsmöglichkeiten dieses Begriffs besinnen und täglich darum bemüht sein, eine solche Gemeinschaft zu werden. Lasst uns die vielen Denkanstöße, die in ummah wasaṭ stecken, weiterführen und stets aufs Neue in gesellschaftliches Handeln übersetzen!

Freitagsworte verbinden uns

Ein Gastbeitrag von Superintendent Michael Raddatz

Von Herzen danke ich der Alhambra Gesellschaft für die Gelegenheit, ein Freitagswort zu schreiben. Die Freitagsworte sind für mich jede Woche der Auftakt in die geistliche Reise vom Freitag, über den Sabbat bis zum Sonntag. Sie verbinden mich mit Ihnen, religiös Suchenden und leidenschaftlichen Theologinnen und Theologen, eine gute Mischung, die ich nicht mehr missen möchte. So danke ich allen Autorinnen und Autoren für diese alltagsdurchbrechende Power und allen Kommentaren von Lesenden.

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Vergebung

Morgen begehen wir Muslime die Nacht der Vergebung. In dieser Nacht beten wir darum, von unseren Sünden befreit zu werden. Wir beten um Läuterung.
Wir vertrauen auf die am häufigsten zitierten Attribute unseres Schöpfers, des Allbarmherzigen, des Allgnädigen.

Wir hoffen darauf, dass er uns selbst ein ganzes Leben voller Sünden vergeben mag, wegen einer guten Tat, die wir verrichten. Wir beten um Läuterung und Vergebung, damit wir trotz eines ganzen Lebens voller Tugenden seine Nähe nicht verspielen, wegen einer Sünde, die wir begangen haben.

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Mut zum Frieden

Religion ist Verantwortung. Religion macht verantwortlich. Der Islam in seiner religionspraktischen Ausprägung weist ein beständiges Gleichgewicht von Individualität und Kollektivität aus. Religiöse Praxis hat stets eine höchstpersönliche Dimension und gleichzeitig eine gemeinschaftliche Bedeutung.

Wir verrichten das Ritualgebet, um uns fünfmal am Tag in Demut und Ergebenheit vor unserem Schöpfer zu üben. Gleichzeitig vereint uns das Ritualgebet, wenn es in einer Moschee verrichtet wird, mit anderen Menschen zu einem gemeinschaftlichen Erlebnis.

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Lebbeyk

Was bedeutet es, zu glauben? Welchem Zweck dient unser Glaube? Was ändert sich durch unseren Glauben, durch unseren Zustand, an etwas zu glauben? Warum glauben wir? Worin äußert sich unser Glauben? Welchen Einfluss hat unser innerer Zustand, ein glaubender Mensch zu sein, auf unseren äußeren Zustand?

Das Nachdenken über diese Fragen ist in unseren Gemeinschaften keine regelmäßige Praxis. Viel häufiger denken wir darüber nach, wie wir unseren Glauben praktizieren. Die Fragen nach vermeintlich richtiger oder falscher Glaubensausübung verhindern immer mehr, dass das Nachdenken über die Bedeutung unseres Glaubens zu einer regelmäßigen Übung wird.

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