Dem Menschenhass entgegentreten

Die Menschen sind unterschiedlich. Das ist ein Gemeinplatz, würde man meinen. Wenn wir allerdings einmal um uns schauen, dann werden wir schnell eines Besseren belehrt. Viele – ja, mitunter auch wir selbst – tun sich nämlich nach wie vor sehr schwer mit dieser scheinbaren Selbstverständlichkeit. Menschen, die in irgendeiner Weise anders sind als wir, werden stereotypisiert, sie werden in Schubladen gesteckt, mit Klischees und Vorurteilen belegt. Immer häufiger begegnet man ihnen mit Argwohn, Ablehnung und sogar Hass.

Ob Ethnie, Religion, sexuelle Orientierung oder kulturelle Herkunft, anhand irgendeines beliebigen Merkmals werden Menschen als anders, unnormal oder fremd gebrandmarkt und daher angefeindet. Heute ist menschenfeindliche Hetze gegen Juden, Muslime, Roma, Homosexuelle, Asylsuchende oder allgemein Fremde nicht nur in unserem Land, sondern europa-, ja, weltweit leider Alltag geworden. Sie begegnet uns auf der Straße ebenso wie in der politischen Öffentlichkeit und ganz massiv im Internet. Hier werden komplexe Sachverhalte stark vereinfacht und in holzschnittartige Freund-Feind-Bilder übersetzt. Objektive Tatsachen spielen nur dann eine Rolle, wenn sie das eigene Weltbild bestätigen. Ansonsten werden sie schlicht ignoriert, wenn nicht verdreht.

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Das Gleichgewicht der Schöpfung

Ein Gastbeitrag von Hilal Sezgin-Just

Wir hören in diesen Tagen immer lauter die Schreie der Erde, die uns zu mahnen versuchen, doch wir lassen sie nicht zu uns durchdringen. Zu beschäftigt sind wir im Alltag, um uns mit Themen wie Umweltschutz und Konsumverhalten zu befassen, und als Einzelner können wir doch eh nichts bewirken, so denken wir. Wir schwimmen im Strom der Zeit, bevorzugen die Bequemlichkeit von Plastiktüten und waschen unsere Töpfe dreifach, bevor wir sie in den Geschirrspüler räumen. Gleiches gilt für die gesegneten Abende des Ramadan, in denen wir mit Familie und Bekanntschaft zusammenkommen, um zwanzig Minuten später mit unnötig vollgestopftem Bauch das Gebet zu verrichten. Dabei sind wir als Muslime dazu verpflichtet, isrāf, Verschwendung, zu meiden, das ökologische Gleichgewicht der Natur zu bewahren, Verantwortung für unser Tun und Handeln zu übernehmen und gute Taten zu vollbringen. In der Sure ar-Rahman heißt es:

“Allah erhob den Himmel und wahrte das Gleichgewicht. Dass ihr dieses Gleichgewicht nicht stört.” (55/7-8)

Diese Mahnung bleibt oft unerhört, bleibt in vielen Predigten und gelehrten Diskussionen unberücksichtigt. Wir beschäftigen uns fast ausschließlich mit praktischen Regeln und Ritualen, während ökologische Themen häufig auf der Strecke bleiben. Das simple Vermeiden von Plastiktüten beispielsweise, wird oft belächelt und als neumodische Marotte degradiert. Dabei sind gerade Plastiktüten ein so sinnfälliges Symptom unserer modernen Zeit, die nach dem trostlosen kapitalistischen Motto „Nutzen und Wegwerfen“ funktioniert; oder eben, anders ausgedrückt, Verschwendung.

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Der politische Islam

Wir sind gegenwärtig in derart oberflächlichen Diskussionen und Debatten verstrickt, dass die Fragwürdigkeit der Argumente, denen wir ausgesetzt sind, aber auch derer wir uns bedienen, uns von der Essenz unseres Glaubens, von dem Wesen unseres Bekenntnisses wegführen.

Wir verirren uns immer häufiger und immer tiefer in einen Missbrauch unseres Glaubens für politische und ideologische Motive. Wir lassen es zu oder befördern sogar die Politisierung des Islam für Zwecke und Ziele, die uns erstrebenswert vorkommen. Wir instrumentalisieren unseren Glauben als billiges Mittel der Manipulation oder gar als Rechtfertigung für die Abwertung anderer Menschen. Kein Aspekt unseres Glaubens bleibt von diesem Missbrauch verschont.

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Der Rassismus in den eigenen Reihen

Ein Gastbeitrag von Aaliyah Bah-Traoré

Allah der Erhabene sagt in seiner Schrift: “O ihr Menschen, Wir haben euch von einem männlichen und einem weiblichen Wesen erschaffen, und Wir haben euch zu Verbänden und Stämmen gemacht, damit ihr einander kennenlernt. Der Angesehenste von euch bei Gott, das ist der Gottesfürchtigste von euch.” (Sure 49:13)

Wir reden oft davon, dass wir Muslime eine Umma, eine Gemeinschaft sind. Wir loben uns, dass wir unser Handeln am Koran und der Sunna unseres Propheten Muhammed, Frieden und Segen Allahs seien auf ihm, ausrichten. Damit müsste auch der oben zitierte Vers Grundlage für muslimisches Denken und Handeln sein.

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Den Kranken Freude bereiten

Wir sind mitten im nasskalten Winter, es wird früh dunkel und die Motivation ist bei vielen Menschen nicht gerade sehr hoch. Welch ein Glück, wenn man einigermaßen frei von Erkältung, Fieber und Husten durch diese Jahreszeit kommt. Denn nichts ist beschwerlicher als in diesen Tagen auch noch körperlich eingeschränkt zu sein.

Wen es dann doch erwischt hat bleibt dann nur noch der Weg der Schonung und Genesung. Oft verbringt man dann diese Zeit zuhause. Man möchte ja schließlich nicht andere Mitmenschen anstecken. Jeder, der das durchmacht, weiß, dass so ein Tag sehr lang sein kann. Man würde vielleicht lieber gerne mit Freunden zusammen sein oder etwas mit der Familie unternehmen. Jedoch verlangt der eigene Körper zu Recht seine Zeit und Ruhe, um wieder gesund zu werden. Nicht selten begleitet einen auch noch eine trübe Stimmung, die durchaus etwas Aufhellung gebrauchen könnte.

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“Stolziere nicht eitel auf der Erde herum”

Es gibt Haltungen, Emotionen, die sind mindestens so alt wie die Schöpfung des Menschen. Vertrauen ist solch eine Emotion. Das Vertrauen Allahs gegenüber dem Menschen. Trotz aller Zweifel der Engeln gegenüber der Schöpfung des Menschen, ihrem Verweis auf seine Neigung zu Verderben und Blut vergießen, spricht der Schöpfer dem Menschen sein Vertrauen aus:

“Und als dein Herr zu den Engeln sprach: »Siehe, Ich will auf der Erde für Mich einen Sachwalter einsetzen«, da sagten sie: »Willst Du auf ihr einen einsetzen, der auf ihr Verderben anrichtet und Blut vergießt? Wir verkünden doch Dein Lob und rühmen Dich.« Er sprach: »Siehe, Ich weiß, was ihr nicht wisst.«” (2:30)

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Schimpfe nicht auf die Launen der Zeit

Die Menschen neigen heute sehr leichtfertig dazu, sich über die Entwicklungen auf der Welt zu empören. Man vermisst die vermeintlich gute alte Zeit, und sieht nur Krisen und Konflikte. Zweifellos gibt es die überall auf der Welt. Gerade in den sozialen Medien ist eine zunehmende Frustration und Negativität zu beobachten. Auch wir Muslime bleiben davon nicht unberührt. Auch wir Muslime liken, teilen und kommentieren in den sozialen Medien, aber auch in den Gesprächen unter uns, die Ungerechtigkeiten, die in verschiedenen Regionen der Welt den Muslimen angetan werden. Insbesondere ideologische Akteure unter uns Muslimen nutzen Videos und Bilder, um gezielt junge Muslime durch eine emotionale Ansprache in eine bestimmte Richtung zu lenken.

Sowohl bei diesen ideologischen Akteuren als auch bei den Gesprächen unter Freunden geht es fast nie darum, wie man die Situation ändern kann, oder wie man zumindest die Aufmerksamkeit der Menschen auf wahre Ungerechtigkeit lenken kann. Es geht im Grunde genommen nur darum, sich abzureagieren. Das Ergebnis mit dieser Art und Weise des Umgangs mit tatsächlichem – aber auch imaginiertem – Unrecht ist am Ende Frustration und indirekt auch der Verlust des Vertrauens auf Allah, unserem Schöpfer.

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Vom Haben zum Sein

Das fünfmal tägliche rituelle Gebet (as-salat, namaz) gehört zu den religiösen Pflichten jedes gläubigen Muslims und jeder gläubigen Muslima. Es gilt, neben dem Fasten, dem Zahlen der Armensteuer und der großen Pilgerfahrt nach Mekka, als die Bestätigung und praktische Entfaltung des muslimischen Glaubensbekenntnisses, der schahada. Die Inhalte des Glaubensbekenntnisses – der Glaube an die Einheit Gottes, der Gesandtschaft des Propheten Muhammad a.s. und an die Wahrheit der vorislamischen Offenbarungen – werden dadurch mit Leben gefüllt. Der Glaube wird somit durch die Ausführung der rituellen Pflichten praktisch gelebt.

Von allen rituellen Pflichten fällt die Einhaltung des Gebets den meisten Musliminnen und Muslimen schwer. Was erschwert aber vielen Gläubigen, das Gebet jeden Tag pünktlich zu vollziehen? Ist es der Rhythmus, weil das Gebet jeden Tag, fünf Mal zu bestimmten Tageszeiten verrichtet werden muss? Ist es die Dichte unserer kostbaren Lebenszeit, die wir Gott schenken sollen?

Wer schon einmal vor und nach dem Gebet auf die Uhr geschaut hat, wird bemerkt haben, dass es in Wirklichkeit nur wenige Minuten unseres Tages in Anspruch nimmt. Wenn wir es schaffen, fünf Mal täglich für ein paar Minuten unsere E-Mails und unsere Social-Media-Accounts zu checken, dann sollte es doch ohne Weiteres auch möglich sein, fünf Mal täglich Gott rituell zu gedenken. Was macht also dann die Einhaltung des Gebets so schwierig?

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Hauptsache Halal-Stempel?

Im edlen Koran teilt uns der Allmächtige mit: „So eßt von dem, womit Allah euch versorgt hat, welches erlaubt ist und gut. Und seid dankbar für das Wohlgefallen Allahs, wenn ihr Ihm allein dient!“ (Sure 16, 114) Ebenso wie es heißt „Die Erschaffung der Himmel und Erde ist größer als die Erschaffung der Menschheit, aber die meisten Menschen wissen es nicht“ (Sure 40, 57).

Für mich als ökologisch bewusst lebendem Gläubigen bedeuten unsere Speisegebote daher mehr, als nur auf Schweinefleisch und Alkohol zu verzichten, sondern meine Lebensweise in Einklang mit der Natur und den verfügbaren Ressourcen zu bringen.
Dazu gehört, unsere Erde zu schützen und alles was ihr schadet, möglichst zu vermeiden, weshalb für mich zu Erlaubtem und Gutem auch Verzicht auf Produkte bedeutet, die diesem Ziel widersprechen.

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Fest wie ein Knoten

In unserer Gesellschaft kommt es immer häufiger zu Trennungen und Scheidungen von Paaren. Menschen sind nicht in der Lage, intakte Beziehungen zu führen. Als Grund wird oft die Liebe erwähnt, die die Partner nicht mehr füreinander empfinden. Das, was viele Paare als Liebe bezeichnen,wird häufig mit sexuellem Verlangen verwechselt, welches nach einer gewissen Zeit seine anfängliche Attraktivität verliert und nicht mehr im Fokus des Zusammenlebens steht. Zum Zusammenleben gehört neben körperlicher Liebe auch die Fähigkeit und die Bereitschaft, sich zu einem Lebenspartner binden zu wollen. Wenn ein Partner jedoch Schwierigkeiten hat, sich zu binden, dann kann die Ursache dafür in der Kindheit liegen. Traumatisierungen in der frühkindlichen Phase durch Gewalt, Misshandlung und Vernachlässigung können im Erwachsenenalter zur Bindungsstörung führen.

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