Menschen sehen dich an

Theodor W. Adorno schreibt in seinem Werk „Minima Moralia“ unter der Überschrift „Menschen sehen dich an“ Folgendes:

„Die Entrüstung über begangene Grausamkeiten wird um so geringer, je unähnlicher die Betroffenen den normalen Lesern sind, je brunetter, »schmutziger«, dagohafter. Das besagt über die Greuel selbst nicht weniger als über die Betrachter. Vielleicht ist der gesellschaftliche Schematismus der Wahrnehmung bei den Antisemiten so geartet, daß sie die Juden überhaupt nicht als Menschen sehen.

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WER GEWALT IN DIE WELT TRÄGT, KANN NICHT AUF FRIEDEN IM JENSEITS HOFFEN

Islamismus. Islamischer Extremismus. Radikaler Islam. Die Gewalttaten, die in den letzten Jahren von Tätern begangen wurden, die sich auf den Islam berufen, haben unserer Religion eine schwere Hypothek auferlegt. Viele Muslime, die aus einer zutiefst religiösen Überzeugung heraus, aus ihrem fest verankerten Islamverständnis heraus diese Gewalt- und Mordtaten ablehnen, sehen sich zur Rechtfertigung ihres Glaubens gezwungen.

Dieser menschenverachtende Terror hat dazu geführt, dass der Islam gemeinhin als aggressive, intolerante und todessehnsüchtige Religion wahrgenommen wird. Er führt zu Aussagen von Tätern, die sinnbildlich für die vermeintliche Natur des Islam geworden sind: „Ihr liebt das Leben, wir aber lieben den Tod.“ Keine Aussage könnte falscher sein, um den Islam zu beschreiben.

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Mein Privileg gegen Deinen Islam

Die Lebensgeschichte des Propheten Mohammed (as) weist viele Höhen und Tiefen auf. Erfolge stehen neben Rückschlägen, Menschen, die an ihn glaubten neben anderen, die ihn abgrundtief hassten. Als Jugendlichen überraschte mich an diesen Erzählungen die Vehemenz derjenigen, die seine Botschaft ablehnten. Mir wurde nicht klar, warum diese Menschen dermaßen gefesselt waren von ihren Götzen, wie ihre Ohren so taub sein konnten für die Botschaft des Propheten, die ich als klar und einfach empfand.

In der jugendlichen „Klarheit“ war mir nicht bewusst, dass es weder um die banale Anbetung von in Stein gehauenen Göttern ging, noch dass die Botschaft des Propheten und des Korans weitergehender war als die Predigt einiger neuer Rituale und etwas Mildtätigkeit.

Die Mekkaner verstanden sehr wohl, was der Islam von ihnen verlangte. Es ging nicht einfach um den Wechsel von einer Gottheit zur Anderen oder um die Ersetzung veralteter Rituale. Ihr Widerstand galt nicht dem Beten zu bestimmten Tageszeiten oder dem Fasten an abgezählten Tagen. Der Islam forderte sie heraus, ihren Blick auf ihre Mitmenschen, ihre Wertvorstellungen, ihren Maßstab von Gut und Böse. Er hinterfragte die Rollenverteilung in der Gesellschaft, stellte ihre Wertzuschreibungen für unterschiedliche Gruppen von Menschen infrage, zweifelte ihre Privilegien und ihr Selbstverständnis an.

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Der Entschluss zum moralischen Leben

Gott fordert uns im Koran immer wieder auf, gemäß bestimmter moralischer Ideale zu handeln, etwa Wahrhaftigkeit (Sidq), Gerechtigkeit (Adl) und Barmherzigkeit (Marhamah). So etwa in Surah 16, Vers 90:

„Siehe, Gott gebietet Gerechtigkeit (Adl) und dass man Gutes tut und dem Verwandten spendet. Und Er verbietet Laster, Verwerfliches und Freveltat. Er ermahnt euch, auf dass ihr euch besinnt!“

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Wie du wirklich um Vergebung bittest und deine Taten bereust

Ein Gastbeitrag von Akif Sahin

Wir saßen damals in einem Shisha-Café und der junge Mann erzählte schließlich, wieso er sich von seiner Freundin, die eigentlich in ein paar Wochen seine Frau werden sollte, getrennt hat. Er wurde betrogen. Seine Freundin hatte etwas mit einem Anderen und gleichzeitig war er der “Dumme”, der ihren Lebensstil die ganzen Jahre über finanziert hatte. Sie dankte es ihm, in dem sie mit einem Typen ins Bett stieg. Die Trennung war endgültig, zu retten gab es da nichts.

Jahre später rief er mich an und bat mich um einen Termin. Er brachte seine Ehefrau mit und der Termin wurde zu einer Paarberatung. Er hatte den Schmerz und den Vertrauensverlust von damals immer noch nicht überwunden. Seine Frau litt darunter, weil er einfach eifersüchtig und süchtig nach Kontrolle war. Immer wieder begab er sich in Therapie und fiel letztlich wieder in alte Verhaltensmuster zurück. Seine letzte Hoffnung: “Akif abi, kannst du nicht irgendwas aus dem Quran lesen, damit es mir besser geht?”

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Das Gebet – Weder Hobby noch Last

Im Quran heißt es: „Trage vor, was dir von dem Buche geoffenbart wird und verrichte das Gebet. Siehe, das Gebet bewahrt vor Schandbarem und Verbotenem. Doch das (ständige) Gedenken an Allah ist fürwahr das Größte. Und Allah weiß, was ihr tut.“ [29:45]

Das rituelle Gebet ist eine der fünf Säulen unserer Religion und viele lernen es bereits im frühen Kindesalter kennen: Wenn etwa die Eltern beten und wir nach Aufmerksamkeit lechzen, schreien, aber keine Reaktion folgt. Das Gebet wird zu einem Teil des Alltags; als Kind versucht man die Bewegungen nachzumachen, ohne zu wissen, was genau es damit auf sich hat. Man wartet gespannt auf das Alter, in dem man selbst bewusst beten kann, zählt – wenn es dann endlich soweit ist – die Stunden, um das nächste Gebet verrichten zu können. Es fühlt sich an, wie ein Schritt zum Erwachsenwerden und erst im Laufe der Pubertät lernt man immer mehr über den Sinn und Zweck dieses Rituals kennen. Die Faszination gegenüber dem Gebet schwindet allerdings oft mit den Jahren und den zunehmenden Verpflichtungen, die mit dem Alter einhergehen. Besonders das Morgengebet wird oft zu einem schwierigen Pflichtprogramm, im Winter womöglich mehr als im Sommer.

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Mono no aware

Sakura heißt die japanische Kirschblüte. Sie blüht in verschiedenen Gegenden Japans zwischen Ende März bis Anfang Mai und läutet mit ihrer Farbenpracht den Frühling ein. Der Kirschbaum trägt keine essbaren Früchte, hat dafür aber viele Blüten. Wenn man so will, erfüllt die japanische Kirsche ihren Lebenszweck nur für die Zeit ihres Erblühens, welches lediglich bis zu 10 Tage im Jahr anhält. In dem Moment, in dem die Blüte ihre prachtvollste Ausprägung erlangt, stirbt sie.

Die Japaner erkennen in diesem Zyklus der Sakura die Endlichkeit ihrer eigenen Existenz. Sie sind voller Trauer über die unabwendbare Vergänglichkeit dieser Schönheit. In den Schmerz und die Ergriffenheit über den Verlust nach so kurzer Freude mischt sich die Erkenntnis der Flüchtigkeit alles Irdischen. Wesentlich für die japanische Kultur ist diese Einsicht der Flüchtigkeit des Lebens und gleichzeitig die Empfindsamkeit, in dieser Flüchtigkeit eine verwundbare, zarte Schönheit zu entdecken.

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Das Fest der Nähe

Wie jedes Jahr feiern wir auch diesmal das Opferfest mit unseren gewohnten Ritualen. Dazu gehört die Schlachtung eines Opfertieres und das Verteilen eines Teils des Fleisches. 

Dieses Ritual ist buchstäblich so körperlich präsent und prägend, dass wir nahezu überwältigt von seiner physischen Kraft uns zunehmend von der ihm innewohnenden und in der Offenbarung beschriebenen Bedeutung entfernen. 

So heißt es (22, 37): „Weder ihr Fleisch, noch ihr Blut werden Allah erreichen, aber ihn erreicht die Gottesfurcht von euch. So hat Er sie euch dienstbar gemacht, damit ihr Allah als den Größten preist, dass Er euch rechtgeleitet hat. Und verkündet frohe Botschaft den Gutes Tuenden.“

Was mag diese Botschaft bedeuten? Im Koran erfahren wir auch, dass Gott uns näher ist als unsere Halsschlagader. Dass er stets mit uns ist, egal wohin wir gehen oder was wir auch tun. Weshalb brauchen wir dann noch einen Ritus, mit dem wir Allah erreichen sollen? 

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Nur Er leitet recht

Es ist nicht einfach, als gläubiger Muslim in einer mehrheitlich nichtmuslimischen, ja überhaupt nicht religiösen Umgebung zu leben. Sobald man die Moschee verlässt, in der für einen kurzen Moment die Welt „in Ordnung“ war, tritt einem die Umwelt sogleich wieder mit ihrem ganzen Irritationspotential entgegen. Wie kann man sich als Muslim erklären, dass in einem so wohlhabenden, fortschrittlichen und gebildeten Land wie Deutschland die allermeisten Menschen nichts mehr von Gott, geschweige denn von Allah wissen wollen?

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Allah ist überall

Der Moscheebau ist für uns Muslime ein wichtiges Zeichen der Sesshaftwerdung, des sich dauerhaft Niederlassens in einer neuen Heimat. Provisorische Gebetsräume werden immer mehr durch auf Dauer angelegte, entsprechend große und prunkvoll dekorierte Moscheen ersetzt. Bei der Planung wird nicht mehr nur an den Gebetssaal gedacht, sondern auch an Nebenräume für Gemeindearbeit, soziale Treffpunkte, Gastronomie.

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