Und geheiligt sei nicht die Nation

Muslime mit einem Migrationshintergrund aus Ländern mit mehrheitlich muslimischer Bevölkerung sind diesem Phänomen sicherlich schon begegnet. Ein religiös unterlegter Nationalismus, der das Islamverständnis in den Ländern eng umschlungen hat. Der Islam scheint gemäß dem nationalistischen Verständnis ohne Nation nicht zu funktionieren, das Dasein als authentischer Muslim nur in einer türkischen, arabischen, marrokanischen oder bosnischen Prägung möglich zu sein.

Und selbst hier in Deutschland treffen wir auf identitäre Vertreter dieser Haltung: Ein guter Muslim kann nur der sein, der sich seines Türken-, Araber- oder Bosniertums bewusst ist und dies bewahren kann. Die Religion wird zu einer nationalen Sache, die unbedingt mit der Herkunftsnation verknüpft werden muss.

Kann man dann überhaupt hier in Deutschland Muslim sein? Kann es den Islam ohne eine nationale Einfärbung geben? Gibt es den Islam immer nur in Kombination mit einem nationalistischen Bewusstsein, mit einem übersteigerten Bewusstsein vom Wert und der Bedeutung der Nation?

Als Begründung für diese “notwendige Verknüpfung” wird zumeist auf die Tradition verwiesen, auf ein überliefertes Verständnis von Religion, zu dem die Nation ohne wenn und aber dazu gehört. In dieser Form hat man die Religion von den Vorausgegangen gelernt, so muss sie auch weitergelebt und -gegeben werden. Weiterlesen „Und geheiligt sei nicht die Nation“

Die Umweltkrise ist auch eine spirituelle Krise

In der islamischen Welt ist das Bewusstsein für Umweltthemen nicht sehr ausgeprägt oder besser gesagt gar nicht vorhanden. Ob man nun in Kairo, Istanbul oder Islamabad ist, das Thema Umweltschutz ist oft unbekannt, obwohl die daraus resultierenden Probleme immer gravierender werden. Dies umfasst nicht nur die mangelhafte Umweltpolitik vieler muslimischer Staaten, sondern auch den Alltag der Menschen.

Wenn wir uns aber die islamischen Quellen anschauen und uns mit ihnen ernsthaft auseinandersetzen, dann können wir ohne weiteres daraus Handlungsanweisungen für ökologische Nachhaltigkeit ableiten. Weiterlesen „Die Umweltkrise ist auch eine spirituelle Krise“

Gefäß ohne Inhalt?

Der muslimische Gelehrte Muhammad Iqbal hat im Zusammenhang mit den Zuständen in islamisch geprägten Gesellschaften ausgeführt: Wenn wir andere Menschen davon überzeugen wollen, dass der Islam ein heilbringendes, ein segensreiches Wertesystem ist, müssen wir ihnen zunächst versichern, dass wir keine Muslime sind.

Das ist eine gleichermaßen deprimierende wie zutreffende Bestandsaufnahme. Und sie hat seit dem Tod Iqbals im Jahr 1938 leider nichts an Aktualität verloren.

Als Muslime verfallen wir seit Jahrzehnten, vielleicht sogar seit Jahrhunderten den immer gleichen Denkfehlern, denen wir auch heute noch allzu leicht zu folgen bereit sind.

Wir sind uns als Muslime gewiss, dass wir mit dem Koran das offenbarte Wort Gottes in Händen halten. Wir verfügen also über eine Textquelle von unermesslichem Wert. Da das Wort Gottes allen Menschen über alle Grenzen von Zeit und Ort hinweg offenbart ist und sie einlädt, dieser Offenbarung zu folgen, kann unsere Gegenwart nur unvollkommen sein, da nicht alle Menschen diese Einladung annehmen. Weiterlesen „Gefäß ohne Inhalt?“

Allahs Nähe spüren…

Wir reden oft über den Islam und über Allah, diskutieren über Auslegungen des Koran und debattieren über verschiedene islamische Strömungen. Jeder von uns versucht ein guter Muslim oder sogar der bessere Muslim zu sein. Wir verteidigen aufs Äußerste „unseren“ Islam und missachten alles andere was nicht dieser Vorstellung entspricht und merken dabei nicht, dass wir kleine Stammeskriege führen…

Wie eingeschränkt unsere Denkmuster sind wird bei Sure 2, Vers 115 klar: „Und Allah gehört der Osten und der Westen; wo immer ihr euch also hinwendet, dort ist Allahs Angesicht. Wahrlich, Allah ist Allumfassend, Allwissend.“ Dieser Vers zeigt uns, dass unsere Religiosität nicht territorial begrenzen dürfen, auch haben wir nicht das Recht, den Islam als eine Nation für uns zu beanspruchen. Der Osten und der Westen stehen nicht nur für das Abend- und Morgenland, man kann diese Dualität auf viele Bereiche übertragen: deutsch – türkisch, Mann – Frau, Diesseits- Jenseits usw. Es geht vielmehr darum, diese Dualität zu überwinden, um dann Allah begegnen zu können, der eben allumfassend ist. Weiterlesen „Allahs Nähe spüren…“

Moses lieben und Juden hassen?

Als muslimische Gemeinschaft sprechen wir gern über unsere religiösen Tugenden, über den Islam als Rechtleitung für unser Leben. Selten sprechen wir aber über die Verirrungen, denen wir erliegen. Solche Verirrungen sind menschlich. Sie sind Ausdruck unserer Unvollkommenheit.

Aber wir dürfen sie nicht hinnehmen, wir dürfen sie nicht leugnen oder verharmlosen. Denn dann laufen wir Gefahr, dass Verirrungen nicht mehr als solche erkannt werden, ja sogar als ihr Gegenteil, nämlich als authentische muslimische Haltung missverstanden und über Generationen hinweg aufrechterhalten werden. Weiterlesen „Moses lieben und Juden hassen?“

Selfie-Islam

Die Hadsch-Saison ist fast vorüber. Viele unserer Glaubensgeschwister haben auch dieses Jahr wieder Mühe und Strapazen auf sich genommen, um die heiligen Stätten des Islams zu besuchen. Diejenigen von uns hingegen, die zu Hause geblieben sind, haben mit freudiger Anteilnahme und tiefer Wertschätzung die Pilger auf ihre Reise verabschiedet, und womöglich hat der eine oder andere von uns ihnen sogar den Wunsch mitgegeben, dass sie uns in ihre dortigen Gebete einschließen mögen.

Nach der Verabschiedung der angehenden Hadschis kommt gewöhnlich das große, neugierige Warten auf ihre Rückkehr. Zumindest war dies in der Vergangenheit der Fall. Denn seit einigen Jahren nun haben wir dank der sogenannten sozialen Medien die Möglichkeit, ihnen auf Schritt und Tritt zu folgen. Von der Ankunft in Saudi-Arabien über das Ausharren in Muzdalifa und den Gang zwischen Safa und Marwa bis hin zu dem ersten Erblicken der Kaaba, sämtliche Stationen der Reise werden heute anhand von Selfies dokumentiert und fleißig auf Instagram, Facebook und Twitter geteilt.

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Das Opferfest

Auch dieses Jahr feiern wir wieder das islamische Opferfest. Wir sind in Gedanken bei unseren Glaubensgeschwistern in Mekka, die ihre Pilgerreise mit dem Ritus der Schlachtung eines Opfertieres beenden. So wie sie sind auch wir hier in Deutschland dazu berufen, dieses hohe Fest unseres Glaubens mit der Schlachtung eines Opfertieres zu begehen.

Alljährlich ist dieses Opferritual aber auch Anlass zu mannigfaltigen Diskussionen und Kontroversen. Und damit einmal mehr ein Hinweis für uns Muslime, dass wir unseren Glauben nicht in der richtigen und verständlichen Weise zu vermitteln in der Lage sind. Dabei ist gerade das Opferfest wie kein anderer Anlass dazu geeignet, die Essenz des Islam, die Kernaussagen des Islam verständlich zu machen.

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Nicht zum Sterben, zum Leben sind wir erschaffen

Der Tod ist für den Menschen der verstörendste “Lebensabschnitt”. Er ist endgültig und sein Kommen ist sicher. Dennoch überrascht uns jeder Todesfall, je näher uns der oder die Verstorbene stand, umso mehr. Natürlich schmerzt der Verlust, die irdisch-endgültige Trennung von einer geliebten Person. Jeder Todesfall erinnert uns aber auch an unsere eigene Sterblichkeit, unsere Vergänglichkeit, an ein abruptes Ende, das all unsere Planungen und Vorsätze beendet.

Ein Entrinnen vor dem Tod, eine Möglichkeit ihn zu überwinden bietet der Islam nicht an. Vielmehr hält er den Menschen dazu an, sich an diesen Gedanken zu gewöhnen, das Natürliche darin zu erkennen:

“Dann wird der Todesrausch die Wahrheit bringen: Das ist es (Mensch), dem du zu entkommen suchtest.“ (Sure Qaf (50), 19)

Für der Islam ist der Tod jedoch kein Ende, nein, er ist ein Übergang, eine Rückkehr zum Schöpfer. Von ihm geht der Tod aus, als ein Ende unserer irdischen Prüfung: Weiterlesen „Nicht zum Sterben, zum Leben sind wir erschaffen“

Allahu akbar!

„Er ist Allah, der Schöpfer, der Erschaffer, der Gestalter. Sein sind die schönsten Namen. Ihn preist alles, was in den Himmeln und auf der Erde ist. Und Er ist der Allmächtige und Allweise.“ In diesem 24. Vers der Sure 59 werden einige der schönen Namen Gottes hervorgehoben. Im arabischen Original heißt es „Huvallahul halikul bariul musavviru lehul esmaul husna“. Zu diesen zitierten „esmaul husna“, zu den schönen Namen, gehören „Haalik“, der Schöpfer, „Bari“, der aus dem Nichts Erschaffende, „Musavvir“, der Bildende, der Gestaltende.

„Musavvir“ ist ein Name Gottes, in welchem sich das menschliche Bedürfnis widerspiegelt, seinem Innersten, seiner Suche nach Gott, seiner Sehnsucht nach einem besseren Verständnis seiner menschlichen Beziehung zu Gott, Ausdruck verleihen, Gestalt geben zu wollen.

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Aufrichtigkeit ist keine Teilzeitbeschäftigung

„Sprecht: Wir glauben an Gott und an das, was zu uns herabgesandt wurde, und an das, was herabgesandt wurde zu Abraham, Ismael, Isaak, Jakob und den Stämmen, und an das, was Mose und Jesus zugekommen ist, und an das, was den anderen Propheten von ihrem Herrn zugekommen ist. Wir machen bei keinem von ihnen einen Unterschied. Und wir sind Ihm ergeben.“ So steht es in Sure 2, Vers 136 des Koran.

Der letzte Satz dieses Verses lautet im arabischen Original „ve nahmu lehu muslimune“. Das heißt, die aufrichtige Haltung, Gott gegenüber ergeben zu sein, sich mit seinem Antlitz Gott zugewandt zu haben, wird als „muslimune“, also als „muslimische“ Eigenschaft beschrieben. Muslimische Frömmigkeit wird somit als eine authentische, eine aufrichtige und wahrhaftig empfundene Ergebenheit beschrieben, die sich in der Haltung des Menschen, in seinem Wesen und seinem Verhalten, manifestiert.

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