Tue Gutes, so wie Allah dir Gutes tat

Religiosität und Gläubigkeit findet für Muslime nicht in einem begrenzten sakralen Raum statt. Vielmehr spiegelt sich der Glaube in der Haltung und der Handlung der Gläubigen wieder. Der Gottesdienst beschränkt sich nicht auf das Gebet in der Moschee oder das Fasten im Ramadan, es durchzieht das ganze Leben. Religiosität ist auch nicht einzelnen Individuen zugewiesen worden: weder Priester gibt es im Islam, noch Mönche, die eine herausgehobene Stellung unter den Gläubigen einnehmen. “Das Mönchstum wurde uns nicht geboten” (Ahmad b. Hanbal, Musnad), sagte der Prophet zu seinen Gefährten.

So gilt es gerade nicht als erstrebenswert, sich für die Religion aus der Welt zurückzuziehen. Weder um sich nur noch den rituellen Gebeten zu widmen, noch um das gesamte weitere Leben fastend zu verbringen. Es war gerade auch der Prophet, der mit seiner eigenen Lebensführung ein Beispiel dafür lieferte. Er zog sich nicht aus dem “normalen” Leben zurück, um sich allein dem ritualisierten Gottesdienst zu widmen. Er lebte unter seinen Gefährten und Gefährtinnen, er aß und trank mit ihnen, er scherzte mit ihnen, er handelte mit ihnen, er lehrte sie, aber er lernte auch von ihnen.

Als einige Gefährten für sich beschlossen, das gesamte Jahr ununterbrochen zu fasten, nicht zu heiraten oder die gesamte Nacht mit Gebeten zu verbringen, wies er sie darauf hin, dass er mehr als alle anderen Ehrfurcht vor Allah habe, aber dennoch außerhalb des Ramadans manchmal faste und manchmal nicht, nur einen Teil der Nacht mit Gebeten verbringe und geheiratet habe. Damit wollte er ihnen deutlich machen, dass er der Welt gerade nicht den Rücken gekehrt hat, und dass dies von den Muslimen auch nicht erwartet wird.

Kritisch wird dabei auch das Verständnis von Priester- und Mönchstum im Christentum bewertet. Im Koran werden diese Institutionen als menschliche Konstrukte beschrieben, nicht als göttliche Gebote: “… [das] Mönchtum – sie schufen es, wir schrieben es ihnen nicht vor – und zwar im Bestreben, Gottes Wohlgefallen zu erlangen. Aber sie bewahrten es nicht in der rechten Weise.” (57:27) Dabei wird gar nicht der gute Wille in der Absicht in Frage gestellt. Diese Institutionen entstanden, um gerade Gottes Wohlgefallen zu erlangen. Die Menschen schafften es jedoch nicht, das nötige Gleichgewicht zwischen Jenseits und Diesseits zu bewahren.

In der koranischen Offenbarung wird immer wieder auf das Jenseits verwiesen, auf den Tag des Jüngsten Gerichts, auf das Leben nach dem Tod. Jedoch soll dieses Bewusstsein für ein Leben nach dem Tode nicht das Leben vor dem Tod nachrangig werden lassen. “Trachte mit dem, was dir Allah gegeben hat, nach dem Jenseits, und vergiss nicht deinen Anteil an dieser Welt! Tue Gutes, so wie Allah dir Gutes tat!” (28:77) Die Gnade des Lebens soll den Menschen nicht zu einer Schockstarre der Dankbarkeit verführen. Sie soll ihn vielmehr dazu anleiten, das erhaltene Gute an andere Menschen weiterzugeben.

In der Weitergabe des erhaltenen Guten zeigt der Mensch seine aufrichtige Dankbarkeit Allah gegenüber. Nicht indem er sich aus der Welt, aus dem Alltag, aus seiner Umwelt verabschiedet. Weder die jenseitige Flucht im Diesseits noch das völlige Versinken in weltlichen, vergänglichen Bedürfnissen ist der Weg, der dem Menschen von Allah gezeigt wird. Dem Menschen wird das Gleichgewicht zwischen dem, was ist und dem, was kommen wird, als gottgefälliges Leben nahe gelegt. Seine Gebete gelten sowohl dem Diesseits als auch dem Jenseits. So heißt es im Koran: “Unser Herr, gib uns im Diesseits Gutes und auch im Jenseits Gutes.” (2:201) (ek)

Eine andere Form der ‘Islamisierung’

Wir Muslime leiden manchmal unter einem Komplex, alles Mögliche unbedingt ‚islamisieren‘ zu müssen. Manchmal betrifft diese Haltung relativ banale Dinge, nicht selten aber auch Bereiche, die weitreichendere Folgen haben. Es ist aber insgesamt ein Anzeichen für eine Haltung, die wir als Muslime problematisieren müssen. Es ist eine Geisteshaltung, mit der wir besonders mit dem Beginn der Moderne konfrontiert sind. Es ist ein Symptom für unsere intellektuelle und geistige Schwäche, zu relevanten Fragen unserer Zeit eigene Positionen und Lösungsmöglichkeiten zu formulieren.

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Männermoscheen

Es gibt Bereiche unseres religiösen Lebens, in denen wir die wechselseitige Beeinflussung von Tradition und Religion deutlicher spüren als sonst. Unterschiedliche historische, kulturelle und gesellschaftliche Prägungen wirken derart auf unser Glaubensverständnis und vielleicht noch deutlicher auf unsere Glaubenspraxis, dass es nach den vielen Jahrhunderten seit der Offenbarung des Koran schwieriger wird zu unterscheiden, was in unserem religiösen Alltag seinen Ursprung in Koran oder Sunna hat und was auf die Wirkmacht traditioneller Verhaltensmuster zurückzuführen ist.

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Mut zum Frieden

Religion ist Verantwortung. Religion macht verantwortlich. Der Islam in seiner religionspraktischen Ausprägung weist ein beständiges Gleichgewicht von Individualität und Kollektivität aus. Religiöse Praxis hat stets eine höchstpersönliche Dimension und gleichzeitig eine gemeinschaftliche Bedeutung.

Wir verrichten das Ritualgebet, um uns fünfmal am Tag in Demut und Ergebenheit vor unserem Schöpfer zu üben. Gleichzeitig vereint uns das Ritualgebet, wenn es in einer Moschee verrichtet wird, mit anderen Menschen zu einem gemeinschaftlichen Erlebnis.

Wir fasten und verspüren dabei eine sehr persönliche Veränderung. Wir erleben Verzicht, Genügsamkeit und Bescheidenheit. Wir spüren Dankbarkeit für Dinge, die uns im Alltag als selbstverständlich erscheinen. Gleichzeitig werden wir aufmerksamer für die Bedürftigkeit anderer Menschen und entdecken die Freude, die wir durch das Teilen materieller Dinge bei anderen und bei uns hervorrufen können. Wir werden uns dessen bewusst, dass uns Übermaß und Reichtum gleichzeitig auch eine Verantwortung für andere Menschen auferlegt.

Diese persönlichen und gemeinschaftlichen Bedingungen und Wirkungen unseres Lebens verstehen wir aus muslimischer Sicht als Prüfung. Dabei erinnert uns die Offenbarung Allahs daran, dass oftmals der Reichtum, die Kraft und Stärke, die wir uns zuschreiben, eine schwerere Prüfung sein können, als Not oder Schwäche. Und auch diese Prüfungen haben ganz persönliche und gemeinschaftliche Dimensionen.

In Zeiten von Krieg und Gewalt ermahnt uns der Koran zu Geduld und Zurückhaltung (vgl. Sure 2, Vers 177). Gerade kollektive Gewalt, der Krieg ganzer Völker und Länder, erzeugt durch die Entfesselung schier unbeherrschbarer Zerstörung eine unermessliche Gefahr für das Wohl des Einzelnen wie auch ganzer Gemeinschaften.

Der Koran lehrt uns, dass Gewalt unausweichlich sein kann, wenn man von existenziellem Unrecht, von unmittelbarer lebensbedrohender Gewalt betroffen ist. Gleichzeitig erinnert er uns daran, dass wer einen Menschen tötet, gleichsam die ganze Menschheit tötet (vgl. Sure 5, Vers 32). Also auch in Zeiten der Gewalt ermahnt uns die Offenbarung Allahs, nur in äußerster Not und existenzieller Gefahr zum Mittel der Gewalt zu greifen, wenn dies das einzige Mittel ist, um sich oder andere zu schützen. (vgl. Sure 22, Verse 39-40).

Der Koran ermahnt uns, selbst in solchen Zeiten Feinden keine Gewalt anzutun, wenn von ihnen keine lebensbedrohende Gewalt ausgeht. Unter uns Muslimen ist die Geschichte über Ali bekannt, dem Vetter des Propheten (s.a.s.). Dieser Ali verschont im Verlauf einer Schlacht seinen Feind, als dieser kurz vor dem Moment, in dem er von einem Hieb Alis erschlagen zu werden droht, Ali ins Gesicht spuckt. Nach der Schlacht befragt die Menge Ali, warum er denn den Feind verschont hat, zumal der ihn auch noch beleidigte. Ali erwidert, dass er ihn in jenem Augenblick aus Zorn über die erlittene tätliche Beleidigung erschlagen hätte und nicht, um sich oder andere Menschen zu schützen. Mit einem solchen Akt der Gewalt hätte er sich an der Schöpfung Allahs versündigt.

Wir Muslime sollten uns stets daran erinnern, dass das Leben eine Prüfung ist. Die vielen verheerenden Kriege der Vergangenheit und die auch heute weltweit unzählige Menschen in schlimmste Not und Verzweiflung stürzende Gewalt stehen uns als fortwährende und auch gegenwärtig präsente Mahnung vor Augen. Sie müssen uns daran erinnern, dass wir den Prüfungen des Lebens wohl nicht gerecht werden, wenn wir trotz dieser Erfahrungen wieder Krieg und Gewalt nicht verhindern können.

Wir dürfen deshalb Gewalt niemals als die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln legitimieren. Wenn wir uns genötigt sehen, Gewalt auszuüben, müssen wir uns vielmehr die Frage stellen, wo und warum wir dabei versagt haben, Konflikte gewaltlos zu lösen.

Wir müssen uns deshalb im Angesicht von Krieg und Gewalt jeden Pathos, jede Euphorie, jeden Überschwang verbieten. Wir dürfen uns nicht an Stärke und Macht berauschen. Denn damit hätten wir bewiesen, dass wir diese schwere Prüfung nicht nur nicht bestanden, sondern schon nicht als solche erkannt haben.

Unsere Gebete müssen all jenen gelten, für die wir Allah darum bitten, dass sie zu ihren Familien zurückkehren, ohne an ihrem Leib und an ihrer Seele Schaden zu nehmen. Dass sie weder ihr Leben verlieren, noch das Leben eines anderen nehmen müssen.

In unseren Gebeten müssen wir Allah darum bitten, dass er uns und allen anderen die Augen dafür öffnet, dass Krieg und Gewalt keine Lösung sind. Dass er uns die Einsicht gibt, zu erkennen, dass unsere Interessen und Probleme niemals bedeutsamer sein können als das Leben, mit dem er uns beschenkt hat.

Wir beten zu Allah, dass er uns die Geduld und Kraft gibt, den islamischen Gruß als Maxime unseres täglichen Handelns leben zu können – mit dem wir jedem wünschen, dass Frieden mit ihm sei. (mk)

Frevler sind immer die anderen

Der Weg in die Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert. Dieser Sinnspruch ist in vielen Kulturen, in vielen unterschiedlichen Sprachen bekannt. Wir Muslime sind davon überzeugt, dass der Vorsatz, die Absicht, die unserem Handeln zu Grunde liegt, das Entscheidende ist. Wir nehmen häufig an, das Resultat unseres Handelns oder unserer Untätigkeit sei nicht so bedeutsam, wie die Absicht, die unserem Tun oder Unterlassen zu Grunde liegt. In diesem Denken liegt zugleich große Einsicht und tiefer Irrtum.

Einsicht insoweit, dass wir natürlich in Allahs Hand sind und die Ereignisse um uns allein seinem Willen folgen.

Aber zugleich auch tiefer Irrtum, wenn wir annehmen, es käme nicht auf unser konkretes Verhalten, nicht auf unsere Mühe im alltäglichen Tun an und nur unsere innere Haltung, unsere Motive und stillen Absichten seien genug. Ein tiefer Irrtum auch dann, wenn wir annehmen, wir könnten unsere vermeintlich so gefestigten guten Absichten zum Maßstab für das Verhalten anderer Menschen machen.

Wie häufig passiert es, dass wir uns besser als andere, vielleicht tugendhafter als andere fühlen, weil wir unsere muslimischen Absichten dem konkreten Verhalten anderer Menschen gegenüberstellen – ohne dass wir uns aufrichtig selbst befragen, ob wir unsere Absichten auch in ein eigenes konkretes Handeln haben umsetzen können, das auch anderen als Vorbild taugt? Oder ohne dass wir uns Gedanken darüber machen, welche Motive, welche Gründe ein anderer Mensch für sein Verhalten haben mag?

Wie häufig passiert es, dass wir über Menschen urteilen, weil sie nicht so aussehen, sich nicht so verhalten, nicht so glauben, ihren Glauben nicht so praktizieren, nicht so aussehen oder nicht so reden, wie wir es uns als richtig vorstellen? Und schon sind wir auf einem Pfad, in dessen Verlauf wir uns immer mehr in der Rolle gefallen, über andere Menschen urteilen zu können.

Schon maßen wir uns im Alltäglichen, im Kleinen eine Rolle an, die nur Allah als „Herrscher, am Tag des Gerichts“ zusteht – so rezitieren wir diese Passage aus der Sure Fatiha täglich bei allen unseren Gebeten. Und doch übersehen wir, dass wir dazu neigen, unsere Vorstellungen von richtig und falsch, von Recht und Unrecht, von Tugend und Frevel zum Richtmaß für das Verhalten anderer Menschen zu machen.

Diese Anmaßung von Urteilskraft und die Überzeugung von der Unfehlbarkeit der eigenen Absichten sind bereits Schritte in Richtung jenes Verhaltens, von dem Allah uns im Koran wissen lässt, dass er es nicht vergeben wird. (vgl. Sure 4, Vers 116). Ein solches Verhalten bringt uns in die Nähe des Shirk – in die Gefahr der Beigesellung, der Verleugnung der Einzigkeit Allahs.

Nicht nur der Götzendienst, wie er in der Offenbarung am Beispiel der polytheistischen Stämme beschrieben wird, ist Shirk. Jedes Verhalten, das einen anderen außer Allah zum Ziel von Hoffnung und Gebeten werden lässt, jedes Verhalten, mit dem auch jemand anderem die Macht zugeschrieben wird, allein durch seinen Willen über Menschen richten zu können, jedes Verhalten mit dem wir über die Motive, die Beweggründe oder das Verhalten anderer Menschen als islamisch oder unislamisch urteilen – all dies sind Schritte, die uns dem Abgrund des Shirk näher bringen.

Es ist eben nicht so, wie manchmal unwissend über den Islam gesprochen und diskutiert wird: Der Islam habe einen zornigen, eifersüchtigen Allah im Zentrum seiner Glaubensvorstellung, der neben sich niemand anderen mehr dulde.

In Wirklichkeit ist es ganz anders: Allah weiß um seine Schöpfung. Er kennt unsere Machttrunkenheit. Er kennt unseren Stolz und unsere Eitelkeit. Er weiß, dass uns die Ausübung von Autorität hartherzig und ungerecht werden lässt. Er weiß, dass wir in Fragen des Glaubens dazu neigen, uns für vollkommen und andere stets für mit Makeln behaftet zu halten. Denn Frevler sind immer die anderen.

Allah lässt uns durch die Worte Luqmans, die er an seinen Sohn richtet, wissen, dass Shirk ein „großer Frevel, ein großes Unrecht“ ist. (vgl. Sure 31, Vers 13) Es ist bemerkenswert, dass im Original der Offenbarung Shirk mit den Worten „zulmun aziym“ beschrieben wird. Zulmun leitet sich vom Wortstamm Zulmet ab. Es bedeutet so viel wie Dunkelheit oder Finsternis.

Allah betont seine Einzigkeit deshalb in dieser ausschließlichen und alternativlosen und nicht zu relativierenden Weise: Damit auf Erden kein Mensch sich zum Gott seines Nächsten erhebe. Weder in den großen, elementaren Dingen der menschlichen Existenz, noch im kleinen und scheinbar verborgenen Detail des alltäglichen Miteinanders.

Denn es sind diese kleinen, vermeintlich unschuldigen und unbedeutenden Schritte der Selbstgerechtigkeit und der Geringschätzung des Anderen, mit denen wir vom rechten Pfad abkommen und uns immer weiter in Ungerechtigkeit, Hass und Verblendung verirren. Es sind diese Schritte, mit denen wir uns und andere in die Dunkelheit führen. (mk)

Die Scheidung von der Tradition

Die Ehe wird im Islam als Vervollständigung des Glaubens betrachtet, denn mit der Ehe werden Grundbedürfnisse des Menschen nach Partnerschaft, Familie und Fortpflanzung gedeckt. Eine Ehe kann nur in einer glücklichen Partnerschaft funktionieren, wenn das nicht der Fall ist, hat sowohl der Mann als auch die Frau das Recht auf Scheidung (s. Koran 2:229).

Die Stellung einer geschiedenen Frau und die eines geschiedenen Mannes fällt in der kulturellen Vorstellung manch einer muslimischen Gesellschaft jedoch recht unterschiedlich aus. Während es für einen Mann selbstverständlich ist, dass er sich nach der Scheidung möglichst schnell nach einer Ehefrau umschaut, erwartet man von der Frau, dass sie ihr Leben für ihre Kinder opfert. Weiterlesen “Die Scheidung von der Tradition”

Wer das Werk nicht ehrt, ist des Meisters nicht würdig!

Fast eineinhalb Jahre sind seit dem Einzug des Propheten in Medina vergangen. Viele der unterdrückten Muslime aus Mekka haben Zuflucht in der Stadt Jasrib gefunden, als einer der letzten von ihnen kam der Prophet. Sie trafen auf aufopferungsbereite Menschen in dieser Stadt, die später zu Ehren des Propheten Muhammed (Allahs Friede sei mit ihm) nur noch “die Stadt”, Medina, genannt werden sollte. Siebzehn Monate ist er schon in der Stadt und betet mit den Muslimen Richtung, nein, nicht Mekka, noch richtet sich das Gebet Richtung Jerusalem.

Noch gibt es keine Erlaubnis, in Richtung Mekka zu beten, auch wenn der Prophet inbrünstig darauf hofft. Bis sich diese Hoffnung endlich in diesem Monat erfüllt. Weiterlesen “Wer das Werk nicht ehrt, ist des Meisters nicht würdig!”

Der muslimische Imperativ

Traditionen sind uns wichtig. Wir legen wert darauf, dass unsere Gepflogenheiten, Bräuche und überlieferten Vorstellungen befolgt werden. Wir bewahren unsere Handlungs- und Denkmuster, also all jenes, das nicht angeboren ist, als Grundsubstanz unserer Identität.

Für soziale Gruppen in der Situation der Minderheit fungiert die Traditionsbewahrung und -pflege als wichtiger Träger von Identität, ja geradezu als identitätsstiftend. Für Gruppen in der gesellschaftlichen Rolle der Mehrheit vermittelt die Vorstellung von Tradition und ihrer Bewahrung gleichsam die Definition der eigenen Kultur.

Gerade durch die Bewahrung, die Beständigkeit von Denk- und Handlungsmustern transformiert sich eine personelle Gruppe hin zu einer Kultur. In beiden gesellschaftlichen Rollen ist diese Form der Kulturwerdung so wichtig, dass beide stets in der Furcht davor leben, die eigene Kultur könne aufgebrochen, verwässert, also verändert und damit geschwächt werden. Weiterlesen “Der muslimische Imperativ”

Die schwangere Prophetin: Maria

Jedes Jahr um die Wintersonnenwende, wenn die kürzesten Tage des Jahres uns mit Kälte, Nebel und Dunkelheit umhüllen, zünden Christen Kerzen an und Gedenken der Geburt Jesu. Und jedes Jahr um die Weihnachtszeit fragen sich Christen und Muslime im interreligiösen Miteinander, was denn die Stellung Jesu im Islam sei. Die Antwort ist: Jesus ist ein Prophet Allahs, so wie Muhammad (sas) auch. Daraufhin kommt die Frage: Was sagt denn der Koran zu Jesus? Zu seiner Kreuzigung? Zu seiner Auferstehung? Zu seinen Wundern? Das sind berechtigte Fragen. Allah spricht im Koran aber nicht nur zu den Fragen, die wir uns heute stellen. Er hat anderes und mehr zu sagen. Weiterlesen “Die schwangere Prophetin: Maria”

Zwei Seelen in einer Brust

A‘uudhu bi-llahi mina sch-schaitaani r-radjiim. Bi-smi llahi r-rahmani r-rahim. Mit diesen Worten leiten wir Muslime die Rezitation von Koranversen ein. Sei es während des Ritualgebetes fünfmal am Tag, sei es bei Feiertagsgottesdiensten oder wenn wir ganz einfach den Koran zur Hand nehmen und anfangen, darin zu lesen. Weiterlesen “Zwei Seelen in einer Brust”