Nicht die Anderen sind arm, nicht wir reich


“Die Armen erben das Land. Der Reiche, der die Bettlerschale übersieht, der Lästerworte redet wider die Armen, ist verroht und verstockt. Auch wenn die reichen viel auf Manieren und Etikette geben, eine feine Seele haben sie nicht.” Mit diesen und anderen drastischen Worten hatte Feridun Zaimoglu den Bachmannpreis in Klagenfurt eröffnet. Worte, gesprochen im Sommer, schon zu der Zeit schneiden sie ins Fleisch, erst recht jetzt an diesen kalten Tagen. Zu häufig begegnen wir Menschen auf der Straße, die die Hand öffnen müssen, um über die Runden zu kommen. Und schroff zurückgewiesen werden.

Die Worte erinnern an eine Mahnung in der Sura Maun:

“Hast du den gesehen, der das (Letzte) Gericht leugnet? Er ist es, der die Waise wegstößt und nicht zur Speisung des Armen anspornt.” (107:1-3)

Es ist nicht die einzige Stelle im Koran, der den Umgang mit Bedürftigen zu einer Frage des rechten Glaubens erklärt. Dabei wird nicht dazu aufgerufen, ihnen einfach nur etwas von dem Eigenen abzugeben. Nein, der Bedürftige hat einen Anspruch auf diese Unterstützung.

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Ein Zimmer zu wenig…

„Ganz gleich, wen ich frage“, schrieb einmal der türkische Dichter Özdemir Asaf (1923-1981), „jeder ist der Ansicht, dass sein Haus ein Zimmer zu wenig habe“.

Nehmen wir diese Aussage doch zum Anlass und horchen kurz in uns hinein. Verfallen nicht auch wir hin und wieder diesem Glauben? Dem Glauben nämlich, dass für das finale Glück in unserem Leben eine größere Wohnung, mehr Geld, ein teureres Auto, das neuste Smartphone, dieser oder jener Gegenstand fehle? Ist es nicht so, dass wir bereits von Kindesbeinen an lernen, Glück und eine höhere Lebensqualität seien vor allem durch mehr Besitz zu erlangen?

Nichts anderes gaukelt uns schließlich die Werbung vor, der wir tagtäglich ausgesetzt sind. Ein richtiges und gutes Leben ist demnach nur durch den Erwerb bestimmter Güter möglich. „Wohnst du noch oder lebst du schon?“ dröhnt es uns etwa vorwurfsvoll und gefühlt an jeder Straßenecke entgegen. „Entdecke das Leben“, werden wir andernorts aufgefordert. Eine Parfümeriekette verheißt uns ein „schöneres“, ein Jeanshersteller ein „erfolgreiches“ Leben. Die Botschaft ist klar: sich mehr Besitz anzueignen – wichtiger noch: mehr zu haben als andere –, erhöht augenscheinlich unseren Wert. Das Aufkommen immer neuer Bedürfnisse und ein uferloser Konsum sind die Folge.

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Die Würde des Menschen

Ein Gastbeitrag von Aziz Dziri

Was bedeutet es als Gläubige und Gläubiger durch den Alltag zu gehen, Allah zu gedenken und dem Vorbild Mohammeds zu folgen? Gerade im heiligen Monat Ramadan versuchen wir uns von unseren Lastern zu befreien und uns von unserer Schokoladenseite zu zeigen. In meiner Lebenswelt bedeutet dies oftmals die Auseinandersetzung mit Armut und Würde.

In einem Hadith heißt es beispielsweise sinngemäß, dass der Prophet – Friede und Segen sei mit ihm – niemandem je eine Bitte abschlug (Sahih Muslim, 13, Nr. 1745). An anderer Stelle heißt es, dass eine gute Tat bereits eine ‘Sadaqa’ [freiwillige Abgabe/Wahrhaftigkeit] sei, es muss nicht zwingend etwas Materielles sein (Sahih Muslim, 13, Nr. 1677). Diese Aussprüche begleiten mich, wenn ich durch meine Heimat Berlin fahre und den vielen Menschen begegne, die in der U-Bahn oder der Fußgängerzone um einen Obolus bitten. Ich versuche jedes Mal mich zu überwinden etwas zu geben und wenn es nur einen Moment meiner ungeteilten Aufmerksamkeit bedeutet. An anderer Stelle habe ich schon oft mit Freundinnen und Freunden diskutiert, ob man denn bedingungslos oder eben nur bedingt spenden soll. „Wenn die das Geld, dass ich ihnen gebe, sowieso nur für Alkohol und Zigaretten ausgeben, helfe ich denen ja auch nicht!“ heißt es dann zum Beispiel.

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Nicht wir sind reich, nicht die anderen arm

“Die Armen erben das Land. Der Reiche, der die Bettlerschale übersieht, der Lästerworte redet wider die Armen, ist verroht und verstockt. Auch wenn die reichen viel auf Manieren und Etikette geben, eine feine Seele haben sie nicht.” Mit diesen und anderen drastischen Worten eröffnete im Juli Feridun Zaimoglu den Bachmannpreis in Klagenfurt. Worte, gesprochen im Sommer, schon zu der Zeit schneiden sie ins Fleisch, erst recht jetzt an diesen kalten Tagen. Zu häufig begegnen wir Menschen auf der Straße, die die Hand öffnen müssen, um über die Runden zu kommen. Und schroff zurückgewiesen werden.

Die Worte erinnern an eine Mahnung in der Sura Maun:

“Hast du den gesehen, der das (Letzte) Gericht leugnet? Er ist es, der die Waise wegstößt und nicht zur Speisung des Armen anspornt.” (107:1-3)

Es ist nicht die einzige Stelle im Koran, der den Umgang mit Bedürftigen zu einer Frage des rechten Glaubens erklärt. Dabei wird nicht dazu aufgerufen, ihnen einfach nur etwas von dem Eigenen abzugeben. Nein, der Bedürftige hat einen Anspruch auf diese Unterstützung.

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