Der Löwe, der sich selbst angriff

Es vergeht wohl kaum ein Tag, ohne dass wir uns über einen anderen Menschen aufregen. Sei es zu Hause, in der Familie, im Straßenverkehr, an der Kasse im Supermarkt oder auch in den sozialen Medien, immer wieder gibt es Situationen, in denen wir Anstoß nehmen am Verhalten unserer Mitmenschen. Wir entrüsten uns dann über die Ignoranz dieser Leute, über ihre Rücksichtslosigkeit, über ihre Eitelkeit und ihre mangelnde Einsicht. Zuweilen prangern wir sie sogar öffentlich an, indem wir unseresgleichen auf diese Fehlverhalten aufmerksam machen und Bestätigung für unsere Erregtheit suchen.

Weiterlesen “Der Löwe, der sich selbst angriff”

Mehr als nur ein Virus

Was wir seit mehr als drei Wochen erleben, erschüttert unsere Wahrnehmung von Selbstverständlichkeiten. Wir hatten routinierte Tagesabläufe, alltägliche Gewissheiten, Pläne, wie unsere nächsten Wochen, Monate oder Jahre aussehen sollten.

All diese Vorstellungen von Normalität und Sicherheit sind nun als das erkennbar, was sie seit jeher gewesen sind – das Ergebnis unserer Verdrängung. Wir sind in Zeiten des Wohlstandes und der Zufriedenheit blind für die Natur unserer Umwelt und die Natur unseres Seins: Unser Reichtum ist auf Kosten und zum Nachteil anderer Menschen angehäuft. Und wir sind vergänglich.

Weiterlesen “Mehr als nur ein Virus”

Solidarität ist das Gebot der Stunde

Das Coronavirus bestimmt nun auch unseren Alltag. Zunächst waren wir nur Beobachter. Wir dachten, dass uns diese Gefahr nicht treffen würde, als in China bereits Millionen Menschen in Mitleidenschaft gezogen wurden. Wir Menschen realisieren eine Gefahr erst, wenn wir unmittelbar davon betroffen sind. All das, was für uns normal und alltäglich ist, gerät jetzt plötzlich ins Wanken.

Das Virus, die Krise, die Reaktionen, sie verändern uns auf ungeahnte Weise. Unser Blick auf das Leben, unsere Wahrnehmung von Normalität, unsere gewohnten Reflexe, alles versagt. Viele Weichen in unseren Köpfen werden wir neu stellen, viele Pfade verlassen und neu anlegen müssen. Es gibt Vieles, worüber wir nach den Erfahrungen und dem Umgang mit dem Coronavirus reflektieren müssen, auch innerhalb unserer muslimischen Community.

Weiterlesen “Solidarität ist das Gebot der Stunde”

Es gibt nichts Gutes, außer man tut es

Ständig sind wir konfrontiert mit medialen und politischen Debatten über uns Muslime. Gesellschaftliche Debatten – so anstrengend sie oft auch sein mögen – sind trotzdem wichtig. Wir als deutsche Muslime, denen die Zukunft dieser unseren Gesellschaft am Herzen liegt, müssen auf allen Ebenen auch unserer Verantwortung gerecht werden, in dem auch wir als Muslime unseren Beitrag für die Bewältigung gesellschaftlicher Herausforderungen leisten.

Das ist nicht immer einfach, weil man mit den unterschiedlichsten Sichtweisen und Meinungen konfrontiert ist. Dass dies nicht so einfach ist und manche Muslime auch belastet, merkt man daran, dass manche Muslime frustriert sind und das Gefühl haben, dass man nicht weiterkommt. Das ist menschlich nachvollziehbar, aber ich möchte hier den Fokus auf eine andere Facette lenken. Denn ganz schnell entwickelt sich daraus ein Geist des Ressentiments, wo man immer häufiger die eigene Legitimation aus der Ablehnung anderer zieht. Die gute Tat und die Erlangung Allahs Zufriedenheit wird ersetzt durch die Selbsteinordnung in der Gruppe der Unterdrückten.

Weiterlesen “Es gibt nichts Gutes, außer man tut es”

Achtsamkeit statt Hysterie

Seit Wochen beschäftigt der Ausbruch des Coronavirus die Schlagzeilen und Gespräche. Kaum ein Tag vergeht, ohne dass nicht neue Zahlen über Erkrankte und abgesperrte Städte und Regionen auf der Welt genannt werden. Ja, es sind keine einfachen Informationen und wir machen uns berechtigterweise Sorgen um unsere Gesundheit und die unserer Nächsten. Für viele Menschen bedeutet das, dass man achtsamer ist als sonst.

Man wäscht sich noch öfter die Hände, versucht nicht zu lange an dicht besuchten Orten zu bleiben und bleibt vor allem ruhig und gelassen. Eigentlich kein großer Unterschied zum Verhalten bei einer bekannten Grippewelle im Winter.

Leider zeigt der Umgang mit dem Coronavirus auch, wie bei einigen Mitmenschen der Kompass für besonnenes und rücksichtsvolles Verhalten aus dem Ruder laufen kann.

Weiterlesen “Achtsamkeit statt Hysterie”

Hanau

Die Angehörigen der Opfer von Hanau werden den Rest ihres Lebens ohne ihre Liebsten verbringen müssen. Auf die Frage nach dem „Warum?“ werden sie keine Antwort finden, die ihnen Trost verschafft.

Denn die Antwort auf die Frage nach dem „Warum?“ der Anschläge von Hanau ist so simpel wie unerträglich. In unserer Gesellschaft gibt es in weiten Teilen die Überzeugung, dass bestimmte Gruppen von Menschen, anderen Gruppen von Menschen überlegen seien. Das ist der Nährboden, auf dem dieser erste Keim der Überlegenheitsvorstellung heranwächst bis er letztlich Früchte der Verachtung, der Entmenschlichung, des Hasses und schließlich der Tötungsrechtfertigung trägt.

Weiterlesen “Hanau”

Meinungsvielfalt nur wenn es uns passt?

Die nicht enden wollenden Debatten über die islamische Glaubenspraxis und Muslime geht nicht spurlos an uns Muslimen vorbei. Wie sollte dies auch, denn natürlich berührt uns Muslime die Infragestellung unserer Glaubensgrundlagen. Im sogenannten Islamdiskurs haben wir es nicht selten mit Panikmachern zu tun, die unsere Glaubenspraxis und Glaubensinhalte als feindliche Ideologie darstellen wollen. Wir Muslime weisen dann aus Reflex auf Andalusien, den indischen Subkontinent oder andere wichtige historische Kapitel hin, in denen Muslime Hochkulturen geschaffen haben, die einen wichtigen Beitrag für Wissenschaft, Philosophie und Kunst geleistet haben.

Weiterlesen “Meinungsvielfalt nur wenn es uns passt?”

Mit jeder Schwierigkeit kommt Erleichterung

Diskriminierung, Ausgrenzung, schwierige Lebensbedingungen – es gibt viele Gründe und Anlässe, um als Mensch die Hoffnung zu verlieren oder zu verzweifeln. Berufliche oder gesundheitliche Rückschläge, familiäre Probleme, niemand hat eine Sicherheit dafür, von solchen Schicksalsschlägen verschont zu bleiben. Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, mit solchen Schwierigkeiten umzugehen. Jeder Mensch wird sicherlich unterschiedlich reagieren. Hoffnungslosigkeit ist dabei eine Reaktionsform, die für den Betroffenen besonders zerstörerisch sein kann.

Sowohl die Propheten von denen der Koran berichtet, als auch unser Prophet Mohammed (Allahs Friede sei mit ihm) waren nur zu gut vertraut mit Schwierigkeiten, Angriffen und Rückschlägen. Der Verlust der Hoffnung war jedoch keine Alternative für sie. Ihre Botschaft war es vielmehr, Hoffnung aufrecht zu erhalten, selbst in den schwierigsten Momenten ihrer Gemeinschaft Stärke zu vermitteln.

Weiterlesen “Mit jeder Schwierigkeit kommt Erleichterung”

Todesfuge

Paul Celan (1920 – 1970) wurde in Czernowitz (Rumänien) in einer deutschsprachigen jüdischen Familie geboren.
Seine Eltern wurden 1942 in einem Konzentrationslager ermordet.
Paul Celan überlebte ein Arbeitslager, kehrte nach der Befreiung durch die Rote Armee 1944 in seine Heimatstadt zurück. Der 24-Jährige Dichter verfasste nach dieser traumatischen Erfahrung sein berühmtes Gedicht “Todesfuge”, ein Gedicht im Gedenken an die Opfer der nationalsozialistischen Vernichtungslager.

Am 27. Januar 2020 ist der 75. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz und der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus.

Weiterlesen “Todesfuge”

Der Wert der Ruhe

In unserer lauten Gegenwart ist einer der großen Vorzüge der gelebten Religion, dem Menschen Orte und Zeiten der Ruhe zu gewähren. Gezwungenermaßen kommt der gestresste Karrieremensch fünfmal am Tag im Gebet zur Ruhe. Doch der äußere ‚Zwang’ des Pflichtrituals erweist sich dem Betenden schnell als innere Gnade, und das nicht nur im Sinne einer Verschnaufpause, in der man seine aufgezehrten Energiereserven regeneriert. Die Ruhe selbst ist ein Schlüssel zu einer starken Beziehung zu unsrem Herrn und einem lebendigen Glauben, der über die äußeren Schichten des Intellekts hinausgeht und in den Kern unsres Wesens einsinkt.

Weiterlesen “Der Wert der Ruhe”