Mut zum Frieden

Religion ist Verantwortung. Religion macht verantwortlich. Der Islam in seiner religionspraktischen Ausprägung weist ein beständiges Gleichgewicht von Individualität und Kollektivität aus. Religiöse Praxis hat stets eine höchstpersönliche Dimension und gleichzeitig eine gemeinschaftliche Bedeutung.

Wir verrichten das Ritualgebet, um uns fünfmal am Tag in Demut und Ergebenheit vor unserem Schöpfer zu üben. Gleichzeitig vereint uns das Ritualgebet, wenn es in einer Moschee verrichtet wird, mit anderen Menschen zu einem gemeinschaftlichen Erlebnis.

Wir fasten und verspüren dabei eine sehr persönliche Veränderung. Wir erleben Verzicht, Genügsamkeit und Bescheidenheit. Wir spüren Dankbarkeit für Dinge, die uns im Alltag als selbstverständlich erscheinen. Gleichzeitig werden wir aufmerksamer für die Bedürftigkeit anderer Menschen und entdecken die Freude, die wir durch das Teilen materieller Dinge bei anderen und bei uns hervorrufen können. Wir werden uns dessen bewusst, dass uns Übermaß und Reichtum gleichzeitig auch eine Verantwortung für andere Menschen auferlegt. Weiterlesen “Mut zum Frieden”

Frevler sind immer die anderen

Der Weg in die Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert. Dieser Sinnspruch ist in vielen Kulturen, in vielen unterschiedlichen Sprachen bekannt. Wir Muslime sind davon überzeugt, dass der Vorsatz, die Absicht, die unserem Handeln zu Grunde liegt, das Entscheidende ist. Wir nehmen häufig an, das Resultat unseres Handelns oder unserer Untätigkeit sei nicht so bedeutsam, wie die Absicht, die unserem Tun oder Unterlassen zu Grunde liegt. In diesem Denken liegt zugleich große Einsicht und tiefer Irrtum.

Einsicht insoweit, dass wir natürlich in Allahs Hand sind und die Ereignisse um uns allein seinem Willen folgen.

Aber zugleich auch tiefer Irrtum, wenn wir annehmen, es käme nicht auf unser konkretes Verhalten, nicht auf unsere Mühe im alltäglichen Tun an und nur unsere innere Haltung, unsere Motive und stillen Absichten seien genug. Ein tiefer Irrtum auch dann, wenn wir annehmen, wir könnten unsere vermeintlich so gefestigten guten Absichten zum Maßstab für das Verhalten anderer Menschen machen. Weiterlesen “Frevler sind immer die anderen”

Die Scheidung von der Tradition

Die Ehe wird im Islam als Vervollständigung des Glaubens betrachtet, denn mit der Ehe werden Grundbedürfnisse des Menschen nach Partnerschaft, Familie und Fortpflanzung gedeckt. Eine Ehe kann nur in einer glücklichen Partnerschaft funktionieren, wenn das nicht der Fall ist, hat sowohl der Mann als auch die Frau das Recht auf Scheidung (s. Koran 2:229).

Die Stellung einer geschiedenen Frau und die eines geschiedenen Mannes fällt in der kulturellen Vorstellung manch einer muslimischen Gesellschaft jedoch recht unterschiedlich aus. Während es für einen Mann selbstverständlich ist, dass er sich nach der Scheidung möglichst schnell nach einer Ehefrau umschaut, erwartet man von der Frau, dass sie ihr Leben für ihre Kinder opfert. Weiterlesen “Die Scheidung von der Tradition”

Wer das Werk nicht ehrt, ist des Meisters nicht würdig!

Fast eineinhalb Jahre sind seit dem Einzug des Propheten in Medina vergangen. Viele der unterdrückten Muslime aus Mekka haben Zuflucht in der Stadt Jasrib gefunden, als einer der letzten von ihnen kam der Prophet. Sie trafen auf aufopferungsbereite Menschen in dieser Stadt, die später zu Ehren des Propheten Muhammed (Allahs Friede sei mit ihm) nur noch “die Stadt”, Medina, genannt werden sollte. Siebzehn Monate ist er schon in der Stadt und betet mit den Muslimen Richtung, nein, nicht Mekka, noch richtet sich das Gebet Richtung Jerusalem.

Noch gibt es keine Erlaubnis, in Richtung Mekka zu beten, auch wenn der Prophet inbrünstig darauf hofft. Bis sich diese Hoffnung endlich in diesem Monat erfüllt. Weiterlesen “Wer das Werk nicht ehrt, ist des Meisters nicht würdig!”