{"id":693,"date":"2018-07-27T09:50:06","date_gmt":"2018-07-27T07:50:06","guid":{"rendered":"http:\/\/freitagsworte.de\/?p=693"},"modified":"2018-07-25T09:45:41","modified_gmt":"2018-07-25T07:45:41","slug":"die-goetzendiener","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/freitagsworte.de\/index.php\/2018\/07\/27\/die-goetzendiener\/","title":{"rendered":"Die G\u00f6tzendiener"},"content":{"rendered":"<p>Das, was wir Gott nennen, ist ein Konstrukt und eine Imagination von uns. Damit ist allerdings nicht gemeint, dass Gott nicht existiert, sondern vielmehr, dass egal, was wir Menschen uns unter dem Begriff \u201eGott\u201c oder \u201eSch\u00f6pfer\u201c vorstellen, diese Vorstellung stets ein Produkt des eigenen Selbst bleibt. Sie sagt eher mehr \u00fcber uns selbst als \u00fcber Gott aus. Zu Ende gedacht bedeutet das, dass unser Lobpreis nichts anderes als ein unbewusstes Eigenlob ist und dass die eigene \u201eGottesvorstellung\u201c eine Skizze von uns ist. Aber nat\u00fcrlich gibt keiner dies zu. Unser Verhalten gegen\u00fcber anderen Gottesvorstellungen verr\u00e4t uns allerdings. Dass die Menschen die Glaubensvorstellungen anderer ablehnen oder kritisieren, ist ein Hinweis darauf, dass wir unser Selbst als Ma\u00dfstab nehmen.<!--more--><\/p>\n<p>Diejenigen, die Gott in einer Glaubensvorstellung festlegen wollen, leben in der Illusion, dass auf Gott nur ein einziger richtiger Glaubenssatz zutr\u00e4fe. Aus diesem Grund sind sie auch jene, \u00a0die sich gegenseitig Verleugnung (<em>kufr<\/em>) vorwerfen und sich gegenseitig verfluchen. Den Grund, der dazu fu\u0308hrt, gab es seit Jahrhunderten und er besteht auch in unserer Zeit, n\u00e4mlich die exklusivistische Rationalit\u00e4t, welche nicht in der Lage ist, die g\u00f6ttliche Vielf\u00e4ltigkeit zu erkennen.<\/p>\n<p>Gott l\u00e4sst Sich nicht in einer bestimmten Definition oder in einer einzigen Vorstellung eingrenzen. Er w\u00e4re ja nicht absolut, wenn dies m\u00f6glich w\u00e4re. Nicht ohne Grund sagen wir mehrmals am Tag, dass Gott gr\u00f6\u00dfer ist. Er ist gr\u00f6\u00dfer als Alles, was wir uns vorstellen k\u00f6nnen und erhabener als Alles, was wir glauben.<\/p>\n<p>Ferner brauchen die Menschen die Imagination. Wir brauchen ein imaginiertes Bild von Gott. Das ist eine Erkenntnis, die nicht von atheistischen Religionswissenschaftlern stammt, sondern etwas, was die Sufis seit immer best\u00e4tigten. Falsch ist nicht die eigene Imagination, sondern eher, zu denken, dass die eigene Vorstellung die einzig richtige sei.<\/p>\n<p>Der Auserkorene, <em>sallallahu alayhi wa-sallam<\/em>, sagte: \u201e<em>Diene Gott, als ob du Ihn siehst<\/em>\u201c, und danach sagte er: \u201e<em>und wenn du Ihn nicht siehst, dann sieht Er dich.<\/em>\u201c Die beiden S\u00e4tze sprechen unsere Imagination an. Der Auserkorene spricht im ersten Satz von einem <em>als ob<\/em>. Es ist, als wu\u0308rde er sagen \u201e<em>diene Allah und stelle dir vor, dass du Ihn siehst<\/em>\u201c. Denn nicht jeder Mensch ist in der Lage, Gott zu abstrahieren. Das ist aber kein Problem. Denn die Sph\u00e4re der Imagination erm\u00f6glicht jedem, einen Anteil am Verst\u00e4ndnis der g\u00f6ttlichen Botschaft zu haben. Wenn man hingegen die Un\u00e4hnlichkeit Gottes sowie die Unsichtbarkeit Seines Wesens begreift, dann ist man in diesem Fall durch das zweite Gebot angesprochen und zwar, dass man wissen soll, dass Gott uns sieht. Auch hier ist die Imagination ein Erkenntnismittel. Der einzige Unterschied zwischen den zwei Geboten liegt darin, dass die Imagination im zweiten Gebot subtiler ist. Denn in dem Moment, in dem wir uns vorstellen, dass Gott uns von au\u00dfen sieht, haben wir Ihn von unserem Wesen getrennt. Und genau diese Trennung ist eine Art Begrenzung und Limitierung, wobei man trotzdem wei\u00df, dass nichts wie Seinesgleichen ist. Man hat somit nicht die Sph\u00e4re der Imagination verlassen.<\/p>\n<p>Die Imagination wird allerdings in unserer Zeit als etwas wahrgenommen, was der Illusion gleicht. Die Imagination und der Verstand sollen eher Hand in Hand gehen. Die Imagination erm\u00f6glicht jedem von uns seine Glaubensvorstellung zu haben und der Verstand seinerseits relativiert das Imaginierte. Schlie\u00dft man jedoch die Kraft der Imagination aus und denkt man, dass Gott nur rational zu beschreiben und zu erkennen ist, dann mutiert der Verstand zu einem Tempel, in dem ein G\u00f6tze ruht, den man dann f\u00e4lschlicherweise Gott nennt. (ag)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das, was wir Gott nennen, ist ein Konstrukt und eine Imagination von uns. Damit ist allerdings nicht gemeint, dass Gott nicht existiert, sondern vielmehr, dass egal, was wir Menschen uns unter dem Begriff \u201eGott\u201c oder \u201eSch\u00f6pfer\u201c vorstellen, diese Vorstellung stets ein Produkt des eigenen Selbst bleibt. 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