{"id":227,"date":"2017-06-30T09:50:52","date_gmt":"2017-06-30T07:50:52","guid":{"rendered":"http:\/\/freitagsworte.de\/?p=227"},"modified":"2017-07-03T16:27:50","modified_gmt":"2017-07-03T14:27:50","slug":"wo-gott-ist-ist-hoffnung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/freitagsworte.de\/index.php\/2017\/06\/30\/wo-gott-ist-ist-hoffnung\/","title":{"rendered":"Wo Gott ist, ist Hoffnung"},"content":{"rendered":"<ol>\n<li>\u201eEin Zeichen davon, dass man sich noch auf seine eigenen Taten verl\u00e4sst, ist, dass sich bei einem Fehltritt die Hoffnung vermindert.\u201c<\/li>\n<\/ol>\n<p>Dies ist der erste Aphorismus in der Sammlung \u201eal-Hikam\u201c des spirituellen Meisters Ibn Ata\u2018illah al-Iskandari.<\/p>\n<p>Nicht umsonst ist dieser \u201egeistreiche Sinnspruch\u201c, wie der Duden den \u201eAphorismus\u201c-Begriff vorschl\u00e4gt, die Einf\u00fchrung zum Werk al-Iskandaris; und nicht umsonst stammt er von einem Geistlichen, einem Sufi, also einem Gottsuchenden, einem, der ungetr\u00fcbt und deutlich erkennt.<!--more--><\/p>\n<p>In diesen Tagen manchmal gar schwerwiegender Entwicklungen, nicht selten auf Grundlage einer politisch-angespannten Atmosph\u00e4re, verliert so manch\u2018 einer schon die Geduld und versucht \u201eSchlechtes mit Schlechtem zu vergelten\u201c, wie uns die ersten Freitagsworte erinnerten: \u201eWut und Auflehnung gegen das Schlechte\u201c, so hei\u00dft es da. Dies ist die eine Seite. Es gibt mindestens noch eine weitere Reaktion von \u00e4hnlichem Kaliber. Und zwar die Reaktion, die sich weniger pl\u00f6tzlich, sondern eher langsam anbahnt und dann scheinbar ganz legitim wirkt: die der Hoffnungslosigkeit.<\/p>\n<p>Hoffnungslos resigniert ist der Mensch, wenn die eigene Ressourceninvestition wieder nicht lohnt, das Projekt wieder diskreditiert wird und sich wieder nicht ausgezahlt haben soll. Man ist v\u00f6llig am Ende und schon auf und dran den Hahn zuzudrehen.<\/p>\n<p>Und was aber, wenn es denn doch klappt, der Einsatz sich auszahlt? Da wo es klappt, ist Hoffnung: Man freut sich dann nat\u00fcrlich wie ein Schneek\u00f6nig, zehrt Kraft aus seiner Anlage und investiert voller Eifer in die n\u00e4chste Unternehmung!<\/p>\n<p>Nur, liebe Gl\u00e4ubige, liegt dieser kaufm\u00e4nnischen Betrachtung doch zumindest aus muslimischer Sicht ein gro\u00dfes Haltungsproblem zugrunde; mehr noch, sie vertragen sich erst gar nicht: denn weder ist die Beziehung des Gl\u00e4ubigen zu seinem Sch\u00f6pfer wie die zwischen einem Bankkunden und der Bank, noch dr\u00fcckt sich die Hoffnung als \u201eWare\u201c in Form eines Bankkontos aus; die muslimische Haltung kennt n\u00e4mlich kein Pendel, das zwischen Hoffnungslosigkeit und Hoffnung hin und her schl\u00e4gt. F\u00fcr den Gl\u00e4ubigen gibt es <em>n u r<\/em> die Hoffnung. Da wo Gott ist, ist Hoffnung! So hei\u00dft es auch in der Offenbarung: \u201e<em>Wer verliert die Hoffnung auf die Barmherzigkeit seines Herrn au\u00dfer den Irregehenden<\/em>?\u201c (15:56).<\/p>\n<p>Den Erfolg und Misserfolg nur an das eigene Handeln zu kn\u00fcpfen, um daraus Kraft zu zehren, l\u00e4sst den Menschen den Ergebnissen entsprechend mal aufrecht gehen, aber auch mal schwanken, unter erschwerten Bedingungen gar fallen. Doch der Gottkennende enth\u00e4lt sich dieser Verkn\u00fcpfung und erkennt Gott allein als den Erfolggew\u00e4hrenden an. Er bezeugt Gott, indem er Ihm die Ihm w\u00fcrdige Stellung zuschreibt. Ganz nach adamitischem Vorbild: Gott vergab dem Propheten Adam, da dieser Gott die Ihm w\u00fcrdige Stellung zusprach. Adam wusste um seines Fehltritts, bereute, hoffte und Gott, der Vergebende, vergab. Iblis, der Widersacher, bereute nicht, kn\u00fcpfte seinen Erfolg und Misserfolg an das eigene Handeln und bat um Aufschub, um seine als rechtens angesehene Hochm\u00fctigkeit auch als rechtens darzulegen: Gott erh\u00f6rte auch hier die Bitte, gew\u00e4hrte ihm den Aufschub, aber vergab ihm nicht.<\/p>\n<p>Also nochmal: \u201eEin Zeichen davon, dass man sich noch auf seine eigenen Taten verl\u00e4sst, ist, dass sich bei einem Fehltritt die Hoffnung vermindert.\u201c<\/p>\n<p>Al-Iskandari erinnert uns hier nun gleich zu Beginn der Sammlung an die erste Erkenntnis eines jeden begonnenen Werks, eines jeden aufgenommenen Weges: das v\u00f6llige Anvertrauen an Gott. Wer sich in allem auf Gott einl\u00e4sst und verl\u00e4sst, verliert die Hoffnungslosigkeit, gewinnt die Hoffnung. Gerade in diesen turbulenten Zeiten sind wir gefragt, nicht nur geduldig zu sein, sondern auch wieder unsere auf Gott bezogene aktive Hoffnungshaltung anzunehmen.<\/p>\n<p><em>Gastbeitrag von <a href=\"http:\/\/freitagsworte.de\/index.php\/kontakt\/\">Sercan Sever.<\/a><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In diesen Tagen manchmal gar schwerwiegender Entwicklungen, nicht selten auf Grundlage politisch-angespannter Atmosph\u00e4re, verliert so manch\u2018 einer schon die Geduld und versucht \u201eSchlechtes mit Schlechtem zu vergelten\u201c, wie uns die ersten Freitagsworte erinnerten: \u201eWut und Auflehnung gegen das Schlechte\u201c, so hei\u00dft es da. Dies ist die eine Seite. Es gibt mindestens noch eine weitere vom selben Kaliber. 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