{"id":1826,"date":"2022-02-25T08:30:00","date_gmt":"2022-02-25T07:30:00","guid":{"rendered":"https:\/\/freitagsworte.de\/?p=1826"},"modified":"2022-02-24T19:45:16","modified_gmt":"2022-02-24T18:45:16","slug":"freiheit-ist-das-einzige-was-zaehlt-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/freitagsworte.de\/index.php\/2022\/02\/25\/freiheit-ist-das-einzige-was-zaehlt-2\/","title":{"rendered":"Freiheit ist das Einzige, was z\u00e4hlt"},"content":{"rendered":"\n<p>&#8220;Die W\u00fcrde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu sch\u00fctzen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.\u201c Mit diesen beiden S\u00e4tzen beginnt unser Grundgesetz. Was bedeutet \u201eDie W\u00fcrde des Menschen\u201c? Die Rechtswissenschaft meidet es, den Begriff pr\u00e4zise zu definieren, weil damit die Gefahr best\u00fcnde, den Begriff der \u201eW\u00fcrde\u201c in unzul\u00e4ssiger Weise einzuschr\u00e4nken. Vielmehr definiert sie negativ, wann von einem Versto\u00df gegen die W\u00fcrde des Menschen auszugehen ist. Ein solcher Versto\u00df liegt immer dann vor, wenn der Mensch nicht mehr als selbstbestimmtes, freies Subjekt handeln kann, sondern wenn der Staat oder ein anderer Mensch \u00fcber ihn als Objekt verf\u00fcgt, ihn quasi als Gegenstand, als Sache behandelt. Denn der Mensch als von Gott erschaffenes Wesen, darf niemals zu einem Gegenstand herabgew\u00fcrdigt werden, \u00fcber den andere willk\u00fcrlich verf\u00fcgen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Dieser Gedanke der Unverf\u00fcgbarkeit des Menschen und seiner Freiheit, als selbstbestimmtes Subjekt handeln zu k\u00f6nnen, begegnet uns im Grundgesetz als Verpflichtung des Staates gegen\u00fcber seinen B\u00fcrgern. Im Wort Gottes, das uns im Koran offenbart wurde, begegnet uns der gleiche Gedanke in noch st\u00e4rkerer und umfassenderer Form, n\u00e4mlich als direkte Ansprache und Verantwortung eines jeden Menschen. In der 90. Sure mit dem Titel \u201eBeled\u201c beschreibt Gott, wie und mit welcher Verantwortung er den Menschen erschaffen hat. In den Versen 90, 8 ff. hei\u00dft es:<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eHaben wir ihm nicht zwei Augen gemacht, eine Zunge und zwei Lippen, und ihm beide Wege gewiesen? W\u00fcrde er doch den steilen Weg hinaufst\u00fcrmen! Woher sollst du wissen, was der steile Weg ist? Es ist die Befreiung eines Sklaven oder, am Tag der Hungersnot, die Speisung einer verwandten Waise oder eines Bed\u00fcrftigen, der im Staub liegt. Und dass man au\u00dferdem zu denen geh\u00f6rt, die glauben, einander die Geduld nahelegen und einander die Barmherzigkeit nahelegen. Das sind die von der rechten Seite. Die aber, die unsere Zeichen verleugnen, sind die von der ungl\u00fcckseligen Seite. \u00dcber ihnen liegt ein Feuer zugeschlagen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Der Mensch, der mit seinen Augen die Not und Unfreiheit anderer erkennt, darf nicht unt\u00e4tig bleiben. Er darf sich nicht nur darauf verlassen, dass der Staat jeden Einzelnen sch\u00fctzt und vor Unfreiheit bewahrt. Er muss sich selbst&nbsp;um seinen N\u00e4chsten k\u00fcmmern. Er hat eine Zunge und Lippen, mit denen er auf die Missst\u00e4nde hinweisen kann. Aber auch das ist nicht genug. Der Mensch soll den steilen, den steinigen, den m\u00fchsamen Weg hinaufst\u00fcrmen. Nicht blo\u00df sich langsam auf den Weg machen. Nein, er soll ihn hinaufst\u00fcrmen! Nur wie soll er erkennen, welcher Weg das ist?<\/p>\n\n\n\n<p>Gott beschreibt das in der beeindruckenden Sch\u00f6nheit der Sprache des Koran mit der Formulierung \u201efekku rekabetin\u201c. Diese Formulierung ist in der Zeit der Offenbarung als Aufforderung zur Befreiung eines Sklaven verstanden worden und wird in seiner w\u00f6rtlichen Bedeutung auch heute noch so ausgelegt. Damit wird der Mensch ganz konkret dazu aufgefordert, den Zustand zu beenden, dass ein Mensch \u00fcber den anderen wie eine Sache, wie ein Besitzgegenstand verf\u00fcgt. Niemand soll unfrei leben, der Besitz eines anderen sein. Aber die Formulierung geht \u00fcber dieses konkrete Bild hinaus. Gottes Wort ist pr\u00e4chtiger und vielschichtiger. \u201efekku rekabetin\u201c hei\u00dft auch, die \u201eKetten vom Hals entfernen\u201c, \u201edenjenigen befreien, dessen Freiheit in Ketten liegt\u201c, den \u201eUnfreien losbinden\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Das hei\u00dft, Gott hat den Menschen zur individuellen Freiheit erschaffen. Er hat Adam so frei erschaffen, dass er sogar gegen das Gebot Gottes versto\u00dfen kann. Ein so erschaffener Mensch darf niemals Gegenstand der Willk\u00fcr eines anderen sein. Und es ist unsere Verantwortung, \u00fcberall dort einzuschreiten, also den steilen Weg hinaufzust\u00fcrmen, wo diese Freiheit, diese W\u00fcrde des Menschen verletzt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Und auch die existenzielle Not, der Hunger, die Hilflosigkeit des Menschen macht ihn unfrei und zum Objekt der willk\u00fcrlichen Gnade eines anderen. Auch diesen Zustand m\u00fcssen wir \u00fcberwinden. Wir m\u00fcssen uns immer dort f\u00fcr andere Menschen einsetzen, wo sie es f\u00fcr sich nicht mehr k\u00f6nnen. Wir m\u00fcssen jeden Menschen in die Lage versetzen, frei \u00fcber sich selbst bestimmen, f\u00fcr sich selbst sorgen&nbsp;zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn wir vor dieser Verantwortung unsere Augen und Lippen verschlie\u00dfen und nicht gem\u00e4\u00df dieser Verantwortung handeln, wird \u2013 so k\u00fcnden es diese Verse \u2013 \u00fcber uns ein Feuer zugeschlagen. Im Koran hei\u00dft es, das Feuer werde \u201emu\u2019sadetun\u201c sein, also fest verschlossen, eng umschlossen, von allen Seiten eingeschlossen. Das hei\u00dft, wenn wir der Not und der Unfreiheit unseres N\u00e4chsten gegen\u00fcber gleichg\u00fcltig bleiben und sie nicht zu lindern, nicht zu beheben suchen, so werden auch wir unfrei sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Die W\u00fcrde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu sch\u00fctzen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.\u201c Mit diesen beiden S\u00e4tzen beginnt unser Grundgesetz. Was bedeutet \u201eDie W\u00fcrde des Menschen\u201c? Die Rechtswissenschaft meidet es, den Begriff pr\u00e4zise zu definieren, weil damit die Gefahr best\u00fcnde, den Begriff der \u201eW\u00fcrde\u201c in unzul\u00e4ssiger Weise einzuschr\u00e4nken. 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