{"id":1526,"date":"2020-12-10T21:43:45","date_gmt":"2020-12-10T20:43:45","guid":{"rendered":"https:\/\/freitagsworte.de\/?p=1526"},"modified":"2020-12-10T23:15:01","modified_gmt":"2020-12-10T22:15:01","slug":"chanukka-sameach","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/freitagsworte.de\/index.php\/2020\/12\/10\/chanukka-sameach\/","title":{"rendered":"Chanukka sameach!"},"content":{"rendered":"\n<p>\u201eBaruch Atah Adonaj, Elohejnu Melech ha&#8217;Olam, schehechejanu, vekijemanu vehigianu laSman haseh.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eGepriesen seist Du, Ewiger, unser Gott, K\u00f6nig der Welt, der Du uns hast Leben und Erhaltung gegeben und uns hast diese Zeit erreichen lassen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Dies ist einer der drei Segensspr\u00fcche, mit dem das erste Licht des Chanukka-Leuchters entz\u00fcndet wird. Unsere j\u00fcdischen Geschwister begehen in den kommenden Tagen das j\u00e4hrliche Chanukka-Fest im Gedenken an die Wiedereinweihung des zweiten Tempels in Jerusalem.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Nach dem milit\u00e4rischen Sieg \u00fcber die Seleukiden sollte der traditionelle j\u00fcdische Tempeldienst wieder eingef\u00fchrt werden. Hierzu war es wichtig, dass das Licht der Menora niemals erlischt. Nach dem Krieg mit den Seleukiden war aber nur noch f\u00fcr einen Tag ausreichendes geweihtes \u00d6l f\u00fcr das Licht der Menora \u00fcbrig &#8211; und es h\u00e4tte acht Tage gedauert, neues geweihtes \u00d6l herzustellen. Durch ein g\u00f6ttliches Wunder brannte das Licht jedoch diese acht Tage lang. In Erinnerung an dieses Wunder, wird acht Tage lang jeweils ein Licht des Chanukka-Leuchters entz\u00fcndet.<\/p>\n\n\n\n<p>Chanukka ist damit ein Fest der Hoffnung. Es ist ein h\u00e4usliches Fest. Aber es ist auch ein Fest, das \u00f6ffentlich wahrnehmbar sein soll. Der Chanukka-Leuchter wird so aufgestellt, das sein Licht offen sichtbar ist: Die Erinnerung an das Wunder, das Licht der Hoffnung sollen f\u00fcr alle sichtbar sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Und auch wenn der Tempel sp\u00e4ter durch die R\u00f6mer zerst\u00f6rt wurde, feiern bis zum heutigen Tag J\u00fcdinnen und Juden weltweit die Erinnerung an dieses Wunder und damit die Hoffnung und die Zuversicht in Gott.<\/p>\n\n\n\n<p>Das f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit bestimmte Licht der Hoffnung wirkt dabei \u00fcber den j\u00fcdischen Gottesdienst hinaus als ein Licht der Hoffnung f\u00fcr alle. Als ein Licht, das allen Mut zuspricht, die Hoffnung nicht zu verlieren und damit auch im eigenen Handeln ein Licht f\u00fcr andere zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Gerade f\u00fcr uns Muslime ist diese Bedeutung des Chanukka-Festes ein wertvolles Zeichen und eine beachtenswerte Botschaft. Gerade in diesen Zeiten, in denen wir uns immer lauter und fast nur noch \u00fcber erlittenes Unrecht, tats\u00e4chliche oder vermeintliche Ungerechtigkeit, \u00fcber Ungleichbehandlung und Ablehnung beklagen. In denen wir viel zu leichtfertig unser Leben in dieser Gesellschaft nur als Last und B\u00fcrde empfinden. In denen wir uns nicht als Teil, sondern als Fremde in dieser Gesellschaft wahrnehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Gerade in solchen Zeiten ist die Erinnerung an Hoffnung und an die Zuversicht in Gott &#8211; uns Muslimen vermittelt und ins Ged\u00e4chtnis gerufen durch das acht Tage lang entz\u00fcndete Licht einer anderen Glaubensgemeinschaft &#8211; ein intensiver Ausdruck des besonderen Wertes einer vielf\u00e4ltigen, einer pluralistischen Gesellschaft.<\/p>\n\n\n\n<p>Und gleichzeitig auch eine Erinnerung an die koranische Botschaft, dass Gott uns in dieser Vielfalt erschaffen hat, damit wir voneinander lernen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und auch f\u00fcr alle anderen glaubenden oder nicht glaubenden Menschen in unserer Gesellschaft ist die vorgelebte j\u00fcdische Tradition der Hoffnung, das festliche Feiern der Hoffnung eine gro\u00dfe St\u00fctze in diesen schwierigen, uns alle auf verschiedenste Weise belastenden Zeiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Hoffnung. Ich zwinge mich dazu, dass sie mich auch in jenen Momenten nicht verl\u00e4sst, in denen ich unsere muslimischen Gemeinschaften vor dem Hintergrund dieses aktuellen Anlasses betrachte. Kaum einer unserer Verb\u00e4nde kann sich dazu durchringen, hier mit einer \u00f6ffentlichen Gru\u00dfbotschaft unsere j\u00fcdischen Geschwistergemeinden aufrichtig zu umarmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenige, die zu Chanukka Gl\u00fcckw\u00fcnsche aussprechen, vermitteln den Eindruck, dass es eher dazu dienen soll, die antisemitischen Facetten der eigenen institutionellen Geschichte und Gegenwart zu \u00fcbert\u00fcnchen. Einen glaubw\u00fcrdigen Chanukka-Gru\u00df ohne Aufarbeitung der eigenen, internen antisemitischen Belastungen kann es aber nicht geben. Diese Voraussetzung wird dann auch prompt von der eigenen Basis best\u00e4tigt: Ein verbandlicher Chanukka-Gru\u00df wird im Internet mit Ausf\u00e4llen kommentiert, f\u00fcr die man sich als Muslim sch\u00e4men muss.<\/p>\n\n\n\n<p>Solange Muslime meinen, sich stattdessen f\u00fcr Chanukka-Gr\u00fc\u00dfe ihrer Organisationen sch\u00e4men zu m\u00fcssen, solange haben wir unsere eigene g\u00f6ttliche Offenbarung nicht begriffen; solange ist &#8211; wie es der Koran formuliert &#8211; der Glaube nicht in unsere Herzen gedrungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn wir erwarten, dass Islam auch f\u00fcr andere Frieden bedeuten soll, d\u00fcrfen wir Muslime uns nicht im Zustand eines Dauerkonflikts mit Andersgl\u00e4ubigen oder der Gesellschaft, in der wir leben, begreifen.<br>Wenn wir erwarten, dass Islam auch f\u00fcr andere Liebe bedeuten soll, muss diese Liebe \u00fcber die Eigenliebe hinausgehen und in liebevoller F\u00fcrsorge alle Menschen in dieser Gesellschaft umarmen.<br>Wenn wir erwarten, dass der Islam und mit ihm wir Muslime nicht mehr als Fremde in dieser Gesellschaft wahrgenommen werden, m\u00fcssen wir alles Wertvolle, das es in dieser Gesellschaft gibt, als eigenen Wert achten und bewahren. Und selbst dort, wo dies an religi\u00f6se Grenzen st\u00f6\u00dft, m\u00fcssen wir das Andere um seiner Sch\u00f6nheit willen achten &#8211; n\u00e4mlich f\u00fcr seine Sch\u00f6nheit, die es f\u00fcr den Anderen entfaltet.<\/p>\n\n\n\n<p>Nur so kann auch die Sch\u00f6nheit unseres Glaubens f\u00fcr andere Menschen sichtbar werden. Und f\u00fcr diese Sichtbarkeit brauchen wir Licht und Hoffnung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eBaruch Atah Adonaj, Elohejnu Melech ha&#8217;Olam, schehechejanu, vekijemanu vehigianu laSman haseh.\u201c \u201eGepriesen seist Du, Ewiger, unser Gott, K\u00f6nig der Welt, der Du uns hast Leben und Erhaltung gegeben und uns hast diese Zeit erreichen lassen.\u201c Dies ist einer der drei Segensspr\u00fcche, mit dem das erste Licht des Chanukka-Leuchters entz\u00fcndet wird. 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