{"id":1504,"date":"2020-11-06T07:50:12","date_gmt":"2020-11-06T06:50:12","guid":{"rendered":"https:\/\/freitagsworte.de\/?p=1504"},"modified":"2020-11-06T07:50:14","modified_gmt":"2020-11-06T06:50:14","slug":"bismi-llahi-r-rahmani-r-rahim","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/freitagsworte.de\/index.php\/2020\/11\/06\/bismi-llahi-r-rahmani-r-rahim\/","title":{"rendered":"Bismi \u2019llahi \u2019r-rahmani \u2019r-rahim"},"content":{"rendered":"\n<p>Paris. Nizza. Wien. Wieder und wieder erleben wir die Gewalt von T\u00e4tern, die f\u00fcr sich beanspruchen, im Einklang mit unserem Glauben zu handeln.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie wollen im Namen unseres Glaubens Kr\u00e4nkungen vergelten. Sich r\u00e4chen. Oder Strafen vollstrecken.<\/p>\n\n\n\n<p>Die T\u00e4ter f\u00fchlen sich als Opfer. Sie erheben sich zum Ankl\u00e4ger. Und sie richten \u00fcber andere.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Gef\u00fchl der Nachsicht ist ihnen fremd. Die Bedeutung des Erbarmens ist ihnen unbekannt. Die M\u00f6glichkeit der Vergebung ist ihnen ferner als die M\u00f6glichkeit, einem anderen Menschen das Leben zu nehmen. <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Sie wollen im Namen des Islam handeln. Jedes Gebet, jede Mahlzeit, jede weltliche Handlung beginnen wir mit den Worten: \u201eBismi \u2019llahi \u2019r-rahmani \u2019r-rahim\u201c &#8211; \u201eMit dem Namen des Gn\u00e4digen, des Allbarmherzigen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Ob die T\u00e4ter auch diese Worte gesprochen haben, als sie zu morden begannen?<\/p>\n\n\n\n<p>Wir umkreisen die Kaaba in Mekka mit den Worten: \u201eRabbena atina fi\u2019d-dunya haseneten ve fi\u2019lahirati haseneten ve gina azabe\u2019n-nar\u201c &#8211; \u201e Mein Herr! Gib uns im Diesseits das Sch\u00f6ne und Gute und gibt uns auch im Jenseits das Gute und Sch\u00f6ne und bewahre uns vor der Pein des Feuers.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die T\u00e4ter haben jede Aussicht auf das Sch\u00f6ne und Gute aufgegeben und brennen darauf, ein alles verzehrendes Feuer zu sein. Oder vielleicht noch schlimmer: Das Feuer gilt ihnen als das Sch\u00f6ne und Gute.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir erleben die T\u00e4ter fern von allem, was uns unser Glaube bedeutet. Wir werden w\u00fctend, wenn man von uns verlangt, uns von diesen Taten und den T\u00e4tern zu distanzieren. Wir haben doch gar keine N\u00e4he zu ihnen!<\/p>\n\n\n\n<p>Aber die T\u00e4ter erzeugen diese N\u00e4he. Sie stellen sich sinnbildlich neben uns und sagen: \u201eIch handele auch f\u00fcr Dich!\u201c &#8211; \u201eIch verteidige auch Deinen Glauben!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Ja, Terror hat keine Religion. Aber Terroristen haben eine und sie berufen sich darauf.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt keine Gemeinsamkeit zwischen uns Muslimen und den T\u00e4tern. Davon sind wir \u00fcberzeugt. Deshalb verfluchen und beschimpfen wir sie. Wir sprechen ihnen ab, Muslime zu sein. Wir sprechen ihnen ab, Menschen zu sein. Wir machen deutlich: \u201eMit euch haben wir nichts gemeinsam!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Wir merken dabei nicht, dass die T\u00e4ter \u00e4hnlich denken und glauben: Sie morden, weil ihre Opfer keine Muslime sind oder weil sie &#8211; vermeintlich &#8211; Muslimen Schaden zuf\u00fcgen. Sie morden, weil sie in ihren Opfern keine Menschen erblicken, deren Leben gleichwertig ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt Muslime unter uns, die auf der Stra\u00dfe gegen die Respektlosigkeit gegen\u00fcber unserem Propheten (S.A.S.) demonstrieren. Dabei sind die Opfer von Wien noch nichtmal begraben. Ist ein solches Verhalten das Gute und Sch\u00f6ne, um das wir Allah im Schatten der Kaaba bitten?<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt Muslime unter uns, die wollen nicht eine einzige Minute schweigen, nicht einen Augenblick R\u00fccksicht auf das Gedenken an einen ermordeten Lehrer nehmen. Es gibt Muslime unter uns, die denken, er habe den Tod verdient. Ein Lehrer, der aus R\u00fccksicht auf die Gef\u00fchle seiner muslimischen Sch\u00fcler es ihnen freigestellt hat, sich die Karikaturen nicht anzusehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn es Muslime unter uns gibt, denen jedwede R\u00fccksicht gleichg\u00fcltig geworden ist, die keine Nachsicht mehr \u00fcben wollen, die in ihrem Denken und F\u00fchlen und Reden erbarmungslos geworden sind, k\u00f6nnen wir dann noch sagen, dass wir nichts, rein gar nichts mit den T\u00e4tern gemeinsam haben?<\/p>\n\n\n\n<p>Die Gewalt beginnt nicht mit dem Messer oder dem Schnellfeuergewehr in der Hand &#8211; sie endet dort. Die Gewalt beginnt viel fr\u00fcher. Sie beginnt mit einer bestimmten Art zu denken und zu glauben. Sie beginnt damit, dass wir anfangen, zwischen dem Wert, den wir uns beimessen und dem Wert, den wir anderen beimessen, zu unterscheiden. Die Gewalt beginnt damit, dass wir anfangen, \u00fcber andere mit einem \u201eEs sind nur\u2026\u201c zu denken.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Frauen reichen auch Nebenr\u00e4ume in der Moschee. F\u00fcr Menschen, die anders leben oder anders lieben, als wir das f\u00fcr erlaubt halten, d\u00fcrfen wir Ekel und Verachtung empfinden. Es ist sch\u00f6n, wenn Nichtmuslime uns zum Ramadan gratulieren, aber der Weihnachtsgru\u00df eines Muslim ist verwerflich. Niemand darf unsere religi\u00f6sen Gef\u00fchle verletzen. Aber \u201eJude!\u201c gilt manchen Muslimen unter uns als Schimpfwort.<\/p>\n\n\n\n<p>Ja, kein anst\u00e4ndiger Muslim akzeptiert es, dass andere Menschen umgebracht werden. Aber warum empfinden wir es nicht als unanst\u00e4ndig, wenn wir andere Menschen abwerten? Oder es dulden, dass sie abgewertet werden?<\/p>\n\n\n\n<p>Die Gewalt beginnt nicht mit einem Koranvers. Die Gewalt beginnt mit unserem Schweigen zu der Abwertung anderer Menschen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist nicht die Absicht, zu t\u00f6ten, die uns mit den T\u00e4tern verbindet. Es ist nicht der Islam, der uns mit den T\u00e4tern verbindet.<\/p>\n\n\n\n<p>Was uns mit den T\u00e4tern verbindet, ist die Bereitschaft, andere Menschen abzuwerten oder ihrer Abwertung nicht zu widersprechen. Egal, wie winzig diese Gemeinsamkeit auch sein mag. Solange wir sie dulden, tragen wir als Muslime eine Verantwortung. Nicht die Verantwortung f\u00fcr einen Mord. Aber die Verantwortung, uns zu \u00e4ndern.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht, weil andere das von uns erwarten. Sondern, weil Allah das von uns erwartet: \u201eAllah \u00e4ndert nicht den Zustand eines Volkes, bis sie das \u00e4ndern, was in ihnen selbst ist.\u201c (Sure 13, Vers 11)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Paris. Nizza. Wien. 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