{"id":1245,"date":"2019-12-20T08:00:00","date_gmt":"2019-12-20T07:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/freitagsworte.de\/?p=1245"},"modified":"2020-04-19T20:56:22","modified_gmt":"2020-04-19T18:56:22","slug":"die-schwangere-prophetin-maria-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/freitagsworte.de\/index.php\/2019\/12\/20\/die-schwangere-prophetin-maria-2\/","title":{"rendered":"Die schwangere Prophetin: Maria"},"content":{"rendered":"\n<p>Jedes Jahr um die Wintersonnenwende, wenn die k\u00fcrzesten Tage des Jahres uns mit K\u00e4lte, Nebel und Dunkelheit umh\u00fcllen, z\u00fcnden Christen Kerzen an und Gedenken der Geburt Jesu. Und jedes Jahr um die Weihnachtszeit fragen sich Christen und Muslime im interreligi\u00f6sen Miteinander, was denn die Stellung Jesu im Islam sei. Die Antwort ist: Jesus ist ein Prophet Allahs, so wie Muhammad (sas) auch. Daraufhin kommt die Frage: Was sagt denn der Koran zu Jesus? Zu seiner Kreuzigung? Zu seiner Auferstehung? Zu seinen Wundern? Das sind berechtigte Fragen. Allah spricht im Koran aber nicht nur zu den Fragen, die wir uns heute stellen. Er hat anderes und mehr zu sagen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn wir den Koran \u2013 ohne vorformulierte Fragen \u2013 lesen, werden wir Folgendes bemerken: Maria (Maryam) erh\u00e4lt im Koran viel mehr Aufmerksamkeit als Jesus. Sie ist die Protagonistin der koranischen Erz\u00e4hlung, nicht Jesus.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><em>Wa-dhkur fi-l-kitaabi Maryama:<\/em>&nbsp;\u201cUnd gedenke im Buch der Maria\u201d (19:16). Mit diesen Worten beginnt die Maria-Erz\u00e4hlung im Koran. Mit ihnen spricht Allah den Propheten Muhammad (sas) an und teilt ihm mit, dass er die Geschichte Marias verk\u00fcnden soll. Ganze 70 Verse beziehen sich auf Maryam, deren Name in 34 Versen erw\u00e4hnt wird. Im Vergleich dazu wird der Name des Gesandten Muhammad nur drei Mal im Koran genannt. Maria ist eine ganze Sure (Sure 19) gewidmet und eine weitere Sure berichtet von ihrer Herkunft aus einer Prophetenfamilie (Sure 3\/\u201dDie Familie Amrams\u201d).<\/p>\n\n\n\n<p>Marias Rolle ist besonders hervorgehoben: Der Geist Allahs stellt sich ihr in Gestalt eines Menschen vor und spricht zu ihr. Dann sagt Allah: \u201cUnd Wir bliesen von Unserem&nbsp;<em>ruh<\/em>&nbsp;(Geist) in sie hinein und machten sie und ihren Sohn zu einem Zeichen f\u00fcr die Welten.\u201d (21:91) Allah hauchte also seinen Atem in Maria ein, damit sie jungfr\u00e4ulich mit Jesus schwanger werden konnte. Dass hei\u00dft, sie wird von alleine, ohne einen Mann ber\u00fchrt zu haben, schwanger. Und so wie bei dieser unber\u00fchrten Empf\u00e4ngnis durchl\u00e4uft Maria alle wichtigen Stationen ihres Lebens ohne einen Mann oder einen m\u00e4nnlichen Begleiter. Sie ist nicht einfach nur die Mutter des Propheten Jesus. Sie ist eine Frau, die aus sich selbst heraus und durch ihre Weiblichkeit existiert und wegen dieser unabh\u00e4ngigen Weiblichkeit von Allah ausgezeichnet wird. Und so kommt es, dass s\u00e4mtliche Stationen in Marias Leben im Koran mit dem Mutterscho\u00df (<em>rahim<\/em>) assoziiert sind, in der sich auf verschiedene Weise Allahs Barmherzigkeit (<em>rahma<\/em>) offenbart.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Motiv finden wir bereits in Marias Herkunft: Marias Herkunft wird nicht auf einen m\u00e4nnlichen Vorfahren, sondern auf die Linie ihrer Mutter zur\u00fcck gef\u00fchrt, womit sie zur Prophetenfamilie von Amram geh\u00f6rt. Die Familie Amrams steht gleichwertig neben der anderen Prophetenlinie, der von Abraham, im Koran. Die Verschr\u00e4nkung der g\u00f6ttlichen Barmherzigkeit mit der Herkunft von Propheten findet sich auch in der Erz\u00e4hlung von Abraham und Zacharias. Und diese Herkunft kommt durch das Geb\u00e4ren von Frauen, d.h. durch den Mutterscho\u00df von Frauen zu stande. So ist auch Jesus eine Barmherzigkeit von Allah (19:21). Auf \u00e4hnliche Weise wird die Abstammung Jesu auf seine Mutter zur\u00fcckgef\u00fchrt, so dass sein Name \u201eJesus, Sohn Marias\u201c ist (<em>dhaalika \u2018Iisaa bnu Maryama<\/em>, 19:34).<\/p>\n\n\n\n<p>Nach Marias Geburt wird sie als M\u00e4dchen in den Tempel der Gottesm\u00e4nner aufgenommen, obwohl dies nur ein m\u00e4nnliches Privileg ist. Hier w\u00e4chst sie unter der Obhut des Zacharias auf, verbringt ihre Zeit aber allein im Gebet.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Erz\u00e4hlung von Marias Empf\u00e4ngnis bleibt Maria selbst nicht sprachlos: Sie zieht sich an einen \u201c\u00f6stlichen Ort\u201d zur\u00fcck, wo sie mit dem Engel, der ihr in Menschengestalt erscheint, einen Dialog f\u00fchrt. So sagt sie: \u201cWie soll mir ein Junge gegeben werden, wo mich doch kein Mensch ber\u00fchrt hat und ich keine Hure bin?\u201d (19:20).<\/p>\n\n\n\n<p>Nach der Empf\u00e4ngnis zieht sich Maria mit dem Kind im Bauch (<em>rahim<\/em>) an einen weiter entfernten Ort zur\u00fcck, wo sie von unter Wehen und Schmerzen sich zu einem Palmstamm begibt. Auch hier spricht Maria in Verzweiflung: \u201cW\u00e4re ich doch zuvor gestorben und ganz und gar in Vergessenheit geraten!\u201d (19:23). Da spricht eine Stimme unter ihr \u2013 es ist nicht klar, ob es das Kind ist oder der Engel \u2013, dass sie den Baum sch\u00fctteln soll, damit sie die reifen, herabfallenden Datteln esse und sich von dem Bach, der sich unter ihr auftut, frisches Wasser trinke. Die Datteln und das Wasser kommen als Barmherzigkeit Allahs in ihrer verzweifelten Situation und best\u00e4rken das starke Bild der Weiblichkeit Marias, da sie f\u00fcr ihre Fruchtbarkeit und gleichzeitig f\u00fcr das Paradies stehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Marias R\u00fcckkehr zu ihrem Volk ist von Triumph gepr\u00e4gt. Auch in diesem Moment ist Maria nicht sprachlos, sondern selbst eine Handelnde und Sprechende. W\u00e4hrend ihr Beschuldigungen \u00fcber Hurerei entgegen geschleuert werden, spricht das Kind Jesus auf ihrem Arm zu den Leuten und verk\u00fcndet, dass er ein Prophet Allahs sei (19:22-33). Damit best\u00e4tigt das Kind, dass Maria keine Hurerei begangen, sondern eine Offenbarung empfangen hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Frucht dieser Offenbarung ist der Mensch Jesus: \u201cDer Messias Jesus, Sohn Marias, ist Allahs Gesandter und Sein Wort, das Er an Maria richtete\u201d (4:171). Damit steht Maria auf Augenh\u00f6he mit dem \u2013 m\u00e4nnlichen Propheten \u2013 Muhammad, der ebenfalls seine Offenbarungen verk\u00fcndet. Maria ist wie Muhammad frei von S\u00fcnden und sie ist von Allah auserw\u00e4hlt worden, eine Offenbarung auszutragen. Der Engel verk\u00fcndet ihr die Botschaft, dass sie den Propheten Jesus austragen wird und anschlie\u00dfend wird sie vom \u201cGeist\u201d (<em>ruh<\/em>) Allahs befruchtet: \u201cWir hauchten von Unserem Geist in sie hinein\u201d (66:12). Die Offenbarung Allahs wird damit als Barmherzigkeit (<em>rahma<\/em>) in ihren Mutterscho\u00df (<em>rahim<\/em>) hineingelegt. Damit ist Maria eine weibliche Prophetin, von der Allah im Koran berichtet. Das Bild der schwangeren Frau, die allein durch sich selbst existiert, verweist auf Allahs Wirken in Seiner Sch\u00f6pfung. (ns)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jedes Jahr um die Wintersonnenwende, wenn die k\u00fcrzesten Tage des Jahres uns mit K\u00e4lte, Nebel und Dunkelheit umh\u00fcllen, z\u00fcnden Christen Kerzen an und Gedenken der Geburt Jesu. Und jedes Jahr um die Weihnachtszeit fragen sich Christen und Muslime im interreligi\u00f6sen Miteinander, was denn die Stellung Jesu im Islam sei. 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