{"id":1108,"date":"2019-07-05T09:00:30","date_gmt":"2019-07-05T07:00:30","guid":{"rendered":"https:\/\/freitagsworte.de\/?p=1108"},"modified":"2019-07-05T08:59:31","modified_gmt":"2019-07-05T06:59:31","slug":"worauf-es-ankommt-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/freitagsworte.de\/index.php\/2019\/07\/05\/worauf-es-ankommt-2\/","title":{"rendered":"Worauf es ankommt"},"content":{"rendered":"\n<p>Wir Muslime sind eine vielbeachtete Minderheit in Deutschland. Die Besch\u00e4ftigung mit dem Islam hat in unserer Gesellschaft viele Facetten und unterschiedlichste Auspr\u00e4gungen. Manchmal erleben wir als Muslime auch Ablehnung oder gar Anfeindung. Dieser Zustand ist eine Tatsache, vor der wir die Augen nicht verschlie\u00dfen k\u00f6nnen. Sie darf uns aber nicht in Lethargie, Wehklagen und Unt\u00e4tigkeit zur\u00fcckfallen lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Unser Prophet (s.a.s) hat selbst Zeiten der Ablehnung und Anfeindung erfahren. Er hat Unrecht und Gewalt erdulden m\u00fcssen. Im Angesicht all dieser Erfahrungen hat er das Wort Gottes verk\u00fcndet, das uns in Sure 2, 177 daran erinnert: \u201eFromm sind auch die, [\u2026], die in Not und Leid und zur Zeit der Gewalt geduldig sind. Sie sind es, die wahrhaftig sind, und sie sind die Gottesf\u00fcrchtigen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn wir Unrecht und Benachteiligung beklagen, kann die Geduld allein aber nicht der Schl\u00fcssel zur Verbesserung unserer Lebensumst\u00e4nde sein. Denn dazu sind wir als Muslime ja berufen: aktiv zu sein, nicht einfach zu verharren und sich in Selbstmitleid einzurichten, sondern zu handeln. Wie aber soll dieses Handeln konkret aussehen?<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Manch einen unter uns Muslimen f\u00fchrt die Suche nach einer Antwort auf diese Frage in die Verirrung, Schlechtes mit Schlechtem zu vergelten. Er verliert sich in seiner Wut und Auflehnung gegen das Schlechte, das er erfahren hat. Wenn aber \u2013 und davon sind wir als Muslime ja \u00fcberzeugt \u2013 unsere irdische Existenz eine g\u00f6ttliche Pr\u00fcfung darstellt, dann kann unsere Antwort auf die Herausforderung des Unrechts, nicht die Vergeltung mit \u00e4hnlichem oder gar gr\u00f6\u00dferem Unrecht sein! Das kann nicht \u201eder rechte, der gerade Weg\u201c, der \u201esiratel mustakim\u201c sein, den wir bei jedem unserer Gebete als den Weg beschw\u00f6ren, auf den uns Gott f\u00fchren m\u00f6ge.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie soll also unser Handeln nun konkret aussehen? Es gibt einen Moment, von dem wir von Gott erbitten, dass er einem jeden von uns wenigstens einmal in seinem Leben verg\u00f6nnt sein m\u00f6ge: Den Moment, in dem wir das \u201eHaus Gottes\u201c, die Kaaba in Mekka, mit eigenen Augen sehen und die Gnade erfahren, sie in der Tawaf zu umkreisen. Damit erinnern wir nicht nur an die Tradition unseres Propheten (s.a.s.), sondern auch symbolhaft an den Kreislauf alles Irdischen, alles Verg\u00e4nglichen und damit an den Kreislauf der gesamten Sch\u00f6pfung, die uns auf Erden und im Universum umgibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Vers, den wir in diesem vielleicht bedeutsamsten aller rituellen Momente eines muslimischen Lebens am h\u00e4ufigsten rezitieren, zeigt uns, worauf Gott seine Offenbarung konzentriert. Diesen Vers m\u00fcssen wir unbedingt verinnerlichen. Wir m\u00fcssen uns in jedem Moment unserer irdischen Suche nach Gott an diesen Vers erinnern, den wir bei der Tawaf wiederholt rezitieren. Und wir d\u00fcrfen diesen Vers gerade auch im Angesicht des Unrechts und der Ablehnung niemals vergessen \u2013 es ist Sure 2, Vers 201: &nbsp;\u201e[\u2026] Rabbena atina fid dunya haseneten ve fil ahirati haseneten ve kina azaben nar.\u201c \u201eUnser Herr, gib uns das Gute und Sch\u00f6ne auf Erden und gib uns im Jenseits das Gute und Sch\u00f6ne und bewahre uns vor der Pein des Feuers.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>All jene, die glauben, im Wettstreit um das Jenseits sich und anderen hier auf Erden Unrecht und Gewalt antun zu m\u00fcssen, sind jene, die vom Feuer ihres Zorns gepeinigt und verzehrt werden. Nur jene, die ihr Leben f\u00fcr das Gute und Sch\u00f6ne hier im Diesseits aufwenden, die wie es Gott an anderer Stelle im Koran sagt, sich in den Wettstreit um die guten Taten und um die Rechtschaffenheit begeben, k\u00f6nnen darauf hoffen, Gutes und Sch\u00f6nes im Jenseits zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Also kann unsere muslimische Antwort auf Unrecht und Klage nur sein, dass wir umso mehr, umso leidenschaftlicher Gutes und Sch\u00f6nes in die Welt tragen, auf das alle Menschen daran teilhaben m\u00f6gen. Jeder von euch kann heute schon damit beginnen, hier und jetzt, in seiner Gemeinde, in seiner Nachbarschaft, in seiner Heimatstadt. (mk)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir Muslime sind eine vielbeachtete Minderheit in Deutschland. Die Besch\u00e4ftigung mit dem Islam hat in unserer Gesellschaft viele Facetten und unterschiedlichste Auspr\u00e4gungen. Manchmal erleben wir als Muslime auch Ablehnung oder gar Anfeindung. 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