Hauptsache Halal-Stempel?

Im edlen Koran teilt uns der Allmächtige mit: „So eßt von dem, womit Allah euch versorgt hat, welches erlaubt ist und gut. Und seid dankbar für das Wohlgefallen Allahs, wenn ihr Ihm allein dient!“ (Sure 16, 114) Ebenso wie es heißt „Die Erschaffung der Himmel und Erde ist größer als die Erschaffung der Menschheit, aber die meisten Menschen wissen es nicht“ (Sure 40, 57).

Für mich als ökologisch bewusst lebendem Gläubigen bedeuten unsere Speisegebote daher mehr, als nur auf Schweinefleisch und Alkohol zu verzichten, sondern meine Lebensweise in Einklang mit der Natur und den verfügbaren Ressourcen zu bringen.
Dazu gehört, unsere Erde zu schützen und alles was ihr schadet, möglichst zu vermeiden, weshalb für mich zu Erlaubtem und Gutem auch Verzicht auf Produkte bedeutet, die diesem Ziel widersprechen.

Darunter fallen für mich beispielsweise Plastikflaschen, Palmöl und andere Produkte, welche die Natur, die Lebensräume der Tiere und Pflanzen und damit unsere Ressourcen zerstören. Wir sind als Sachwalter der Schöpfung dafür verantwortlich sie zu schützen und damit auch verantwortlich, dies unseren Geschwistern nahe zu bringen. Der Prophet Muhammad war der Inbegriff eines Sachwalters. Er ermutigte schon damals zum Schutz von Tieren und Pflanzen. Leider ist dieses Bewusstsein bei unseren Geschwistern und in vielen islamischen Ländern noch weniger vorhanden wie in der nichtislamischen Gesellschaft, wovon Müllberge von Plastik in den Meeren und Städten zeugen, die Rodung von Lebensflächen von Tieren wie dem Orang-Utan zur Palmölgewinnung in Indonesien.

Laut einem neuesten Bericht der Weltnaturschutzunion IUCN sind derzeit knapp 30 Prozent der untersuchten knapp 97000 Tierarten vom Aussterben bedroht, was zeigt, dass hier dringend Handlungsbedarf besteht. Wir sollten uns nicht darauf verlassen, dass unsere auf Konsum und Gewinnmaximierung bedachte Industrie hieran etwas ändert, ebenso wenig wie die Politik, deren Einfluss oftmals begrenzt ist, sondern müssen als Verbraucher hier bewusster werden und uns auf die Ursprünge unseres Glaubens zurückorientieren.

Massentierhaltung ist hier beispielsweise ein großes Thema. Alle Rechtsschulen sind sich einig, dass Tiere nur zur Gewinnung als Lebensmittel getötet werden dürfen und zwar im Falle von Landtieren geschächtet. Des Weiteren darf ein Tier nicht vor einem anderen Tier getötet werden, ebenso ist das Quälen von Tieren verboten. Jedes Tier muss eine angemessene Umgebung zum Leben besitzen, und die Ernährung muss ebenso islamkonform sein. Mästung von nichtfleischfressenden Tieren mit Tiermehl beispielsweise widerspricht der natürlichen Nahrungsaufnahme dieser Tiere und ist somit ebenfalls nicht konform nach Ansicht der Rechtsschulen. Massentierhaltung ist also im Sinne unserer Religion nicht erlaubt, was in der alltäglichen Praxis leider oft nicht beachtet wird. Denn solange ein „Halal-Stempel“ existiert, ist für viele Geschwister alles gut.

Diese Halal-Zertifikate allerdings sagen gar nichts aus. In Deutschland kann theoretisch Jeder Produkte als Halal zertifizieren und sich für diese Zertifizierung bezahlen lassen. So kommt es dann zustande, dass auf fast allen abgepackten Produkten ein Stempel zu finden ist, ohne dass dies nachweisbar ist. Wie kann es nämlich sein, dass aus Fleischabfällen hergestellte Wurst als halal gilt? Mit chemischen Produkten hergestellte Nahrungsmittel? Produkte in Plastikverpackungen?

Jeder Mensch ist nur sich selbst und dem Allmächtigen gegenüber für seine Handlungen verantwortlich, weshalb dieser Text natürlich nur als Empfehlung gelten kann, seine Art und Weise zu leben, zu konsumieren und sich zu ernähren zu überdenken.

In der heutigen Gesellschaft ist es leider nicht mehr und noch nicht möglich, auf alle schädlichen Produkte für Mensch und Natur zu verzichten. Ein Umdenken bei jedem persönlich kann aber dazu führen, denn wir beeinflussen durch unser Konsumverhalten in jeglicher Hinsicht das Angebot. Wenn es für schädliche Produkte keinen Markt mehr gibt, für „halale“ Alternativen jedoch schon, reguliert sich das von allein. Solange es uns Konsumenten jedoch egal ist, was wir konsumieren und nur die „Billig-ist-gut“-Mentalität zählt, brauchen wir uns über die Zerstörung der Welt nicht zu wundern.
Lasst uns unsere Natur und unsere Gesundheit erhalten. Fangen wir schon bei Kleinigkeiten an, in dem wir zum Beispiel auf Plastikflaschen verzichten, ob Zuhause oder in den Moscheen. Damit können wir wenigstens einen kleinen Beitrag für den Erhalt der Schöpfung leisten.

Ein Gastbeitrag von Dislo Benjamin Harter.