Kein liberaler Muslim

Vor einigen Freitagsworten haben wir gemeinsam darüber nachgedacht, warum es keine „konservativen“ Muslime geben kann. Am heutigen Freitag wollen wir näher beleuchten, welche Verirrungen sich hinter der Formulierung „liberaler Muslim“ verbergen.

Bereits die Realität unserer gesellschaftlichen Diskussion über vermeintlich „konservative“ und „liberale“ Muslime verdeutlicht mit der ihr innewohnenden destruktiven Spannung, dass in dieser konstruierten Spaltung von Muslimen bereits der Keim gegenseitiger Anfeindung und damit wenig Segen für unser Zusammenleben liegt. Dem Begriff des Liberalismus entsprechend betonen Personen, die sich explizit als „liberale Muslime“ verstanden wissen wollen, ihre  Glaubensauffassung wurzele in dem Verständnis von Freiheit.

Häufig genug muss aber die Abgrenzung, die Distanzierung, die Zurückweisung anderer Muslime, nämlich jener, die als „konservativ“ markiert werden, dafür herhalten, ein vermeintlich freiheitliches Islamverständnis darzulegen. Das ist nicht sehr überzeugend. Weiterlesen „Kein liberaler Muslim“

Moses lieben und Juden hassen?

Als muslimische Gemeinschaft sprechen wir gern über unsere religiösen Tugenden, über den Islam als Rechtleitung für unser Leben. Selten sprechen wir aber über die Verirrungen, denen wir erliegen. Solche Verirrungen sind menschlich. Sie sind Ausdruck unserer Unvollkommenheit.

Aber wir dürfen sie nicht hinnehmen, wir dürfen sie nicht leugnen oder verharmlosen. Denn dann laufen wir Gefahr, dass Verirrungen nicht mehr als solche erkannt werden, ja sogar als ihr Gegenteil, nämlich als authentische muslimische Haltung missverstanden und über Generationen hinweg aufrechterhalten werden. Weiterlesen „Moses lieben und Juden hassen?“

Das Opferfest

Auch dieses Jahr feiern wir wieder das islamische Opferfest. Wir sind in Gedanken bei unseren Glaubensgeschwistern in Mekka, die ihre Pilgerreise mit dem Ritus der Schlachtung eines Opfertieres beenden. So wie sie sind auch wir hier in Deutschland dazu berufen, dieses hohe Fest unseres Glaubens mit der Schlachtung eines Opfertieres zu begehen.

Alljährlich ist dieses Opferritual aber auch Anlass zu mannigfaltigen Diskussionen und Kontroversen. Und damit einmal mehr ein Hinweis für uns Muslime, dass wir unseren Glauben nicht in der richtigen und verständlichen Weise zu vermitteln in der Lage sind. Dabei ist gerade das Opferfest wie kein anderer Anlass dazu geeignet, die Essenz des Islam, die Kernaussagen des Islam verständlich zu machen.

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Aufrichtigkeit ist keine Teilzeitbeschäftigung

„Sprecht: Wir glauben an Gott und an das, was zu uns herabgesandt wurde, und an das, was herabgesandt wurde zu Abraham, Ismael, Isaak, Jakob und den Stämmen, und an das, was Mose und Jesus zugekommen ist, und an das, was den anderen Propheten von ihrem Herrn zugekommen ist. Wir machen bei keinem von ihnen einen Unterschied. Und wir sind Ihm ergeben.“ So steht es in Sure 2, Vers 136 des Koran.

Der letzte Satz dieses Verses lautet im arabischen Original „ve nahmu lehu muslimune“. Das heißt, die aufrichtige Haltung, Gott gegenüber ergeben zu sein, sich mit seinem Antlitz Gott zugewandt zu haben, wird als „muslimune“, also als „muslimische“ Eigenschaft beschrieben. Muslimische Frömmigkeit wird somit als eine authentische, eine aufrichtige und wahrhaftig empfundene Ergebenheit beschrieben, die sich in der Haltung des Menschen, in seinem Wesen und seinem Verhalten, manifestiert.

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Kein konservativer Muslim

Die öffentliche Diskussion über den Islam in unserem Land ist von einer Sprache geprägt, die hinterfragt werden muss: Häufig ist die Rede von „konservativen“ und „liberalen“ Muslimen. Aber die Formulierung „konservativer Muslim“ ist – wenn man die Offenbarung des Koran ernst nimmt – ein Oxymoron, also eine in sich gegensätzliche Beschreibung. Traditionen, althergebrachte Regeln und überlieferte Ansichten sind beim Blick in den Koran mit großer Vorsicht, ja geradezu mit fundamentaler Skepsis zu behandeln.

In verschiedenen Versen wird auf diesen Aspekt hingewiesen. So heißt es in Sure 2, Vers 170 und Sure 5, Vers 104 und leicht abgewandelt in Sure 31, Vers 21 über jene, die von der Rechtleitung der Offenbarung abkommen: „Und wenn ihnen gesagt wird: ‚Folgt dem, was Gott herabgesandt hat‘, sagen sie: ‚Wir folgen lieber dem, was wir bei unseren Vätern vorgefunden haben.‘ Was denn, auch wenn ihre Väter nichts verstanden haben und der Rechtleitung nicht gefolgt sind?“.

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