Gott verbindet alle Menschen miteinander

Die ersten von Gott herabgesandten Verse sind ein wundersames Beispiel für die sprachliche Komplexität und die poetische Schönheit des Koran. Diese Verse dokumentieren, welche unterschiedlichen Bedeutungsebenen und Auslegungsmöglichkeiten selbst in kürzesten Versen oder gar nur in einzelnen Worten des Koran enthalten sind. All dies ist eine nimmer endende Herausforderung an uns Menschen, uns die göttliche Offenbarung auch immer wieder aufs Neue anzueignen.

In diesen ersten Versen der 96. Sure, welche den Titel „Al Alaq“ trägt, heißt es: „Lies im Namen deines Herrn, Der erschuf! Er erschuf den Menschen aus einem Blutklumpen.“ Welch immenser Schatz in diesen zwei scheinbar schlichten Sätzen verborgen ist, mag uns im ersten Moment entgehen.

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Freiheit ist das Einzige, was zählt

„Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“ Mit diesen beiden Sätzen beginnt unser Grundgesetz. Was bedeutet „Die Würde des Menschen“? Die Rechtswissenschaft meidet es, den Begriff präzise zu definieren, weil damit die Gefahr bestünde, den Begriff der „Würde“ in unzulässiger Weise einzuschränken. Vielmehr definiert sie negativ, wann von einem Verstoß gegen die Würde des Menschen auszugehen ist. Ein solcher Verstoß liegt immer dann vor, wenn der Mensch nicht mehr als selbstbestimmtes, freies Subjekt handeln kann, sondern wenn der Staat oder ein anderer Mensch über ihn als Objekt verfügt, ihn quasi als Gegenstand, als Sache behandelt. Denn der Mensch als von Gott erschaffenes Wesen, darf niemals zu einem Gegenstand herabgewürdigt werden, über den andere willkürlich verfügen.

Dieser Gedanke der Unverfügbarkeit des Menschen und seiner Freiheit, als selbstbestimmtes Subjekt handeln zu können, begegnet uns im Grundgesetz als Verpflichtung des Staates gegenüber seinen Bürgern. Im Wort Gottes, das uns im Koran offenbart wurde, begegnet uns der gleiche Gedanke in noch stärkerer und umfassenderer Form, nämlich als direkte Ansprache und Verantwortung eines jeden Menschen. In der 90. Sure mit dem Titel „Beled“ beschreibt Gott, wie und mit welcher Verantwortung er den Menschen erschaffen hat. In den Versen 90, 8 ff. heißt es: Weiterlesen „Freiheit ist das Einzige, was zählt“

Fake-News oder wenn einer mit einer Nachricht kommt…

Information, Nachrichten, Berichte, Meldungen, wir sind von Daten jeglicher Art umgeben. Und die Menge an Information wird immer mehr, mit ihr umzugehen immer schwieriger. Dabei sind es mittlerweile nicht einmal nur die sozialen Medien, die uns mit Informations- und Datenschnipseln überhäufen. Auch in den etablierten Medien wie Zeitung, Radio und Fernsehen werden die Inhalte kurzlebiger, der schnelle Wechsel immer präsenter.

Hier geht es aber nicht um eine Medienschelte. Hier geht es um die Frage: Wie gehen wir mit diesen Informationen um? Welche Information geben wir an unser Umfeld weiter, welche teilen wir, welche bestimmt unser Leben? Gibt es dabei Kriterien, an denen wir uns orientieren können? Medienwissenschaftlich kann man sicherlich vieles anführen, aber ein Kriterium, das wird uns von sehr prominenter Seite mit auf den Weg gegeben: die Skepsis. So heißt es in der Sura Hudschurat (49), Vers 6:

“O ihr, die ihr glaubt! Wenn ein Unzuverlässiger mit einer Nachricht zu euch kommt, so klärt die Sache auf, damit ihr niemand unabsichtlich verletzt und euer Verhalten hernach bereuen müsst.” Weiterlesen „Fake-News oder wenn einer mit einer Nachricht kommt…“

Mit den eigenen Widersprüchlichkeiten leben

Wenn heutzutage Muslime zusammenkommen und sich über ihre gegenwärtige Situation in der Welt unterhalten, bleibt eines in der Regel nicht ausgespart: das Klagen über die mangelnde Einheit der Umma. Fast schon gebetsmühlenartig wird immer wieder beanstandet, wie unfähig doch die eigenen Glaubensgeschwister seien, selbst in wesentlichen Fragen einen gemeinsamen Nenner zu finden oder anderen gegenüber geschlossen aufzutreten.

Ob eine Gemeinschaft, in der jeder einhellig dieselbe Meinung vertritt, überhaupt möglich oder gar wünschenswert ist, sei einmal dahingestellt. Bezeichnend ist aber, dass dieses Streben nach Einheit im gemeinschaftlichen Sinne häufig seine Entsprechung auch im Bewusstsein vieler einzelner Muslime findet – nämlich in Gestalt eines unbeirrbaren Strebens nach Eindeutigkeit im Glauben. Weiterlesen „Mit den eigenen Widersprüchlichkeiten leben“

Was guckst du?

Es ist überliefert, dass unser Prophet (s.a.s.) während einer Freitagspredigt zu seiner Gemeinde über die Tekbir, also den Ausruf „Allahu Akbar“ („Gott ist groß“), sprach und sie mit folgenden Worten ermahnte: „[…] Warum ruft ihr die Tekbir mit lauter Stimme? Ihr betet nicht zu einem Tauben oder einem Verirrten. Im Gegenteil: Ihr betet zu As-Semi, zu dem, der alles hört. Und zu Al-Basir, zu dem, der alles sieht. Der, zu dem ihr betet, ist euch näher als der Hals des Tieres, auf dem ihr reitet. […] Soll ich dich ein Wort aus den Schätzen des Paradieses lehren? Dieses Wort lautet „La havle vela kuvvete illa billah!“ (Die Stärke und die Kraft sind allein Gottes)

Der Islam ist eine Religion der Aufrichtigkeit, eine Religion der Feinheit und der Schönheit. Er ist nicht die Religion des groben Wortes oder der groben Tat. Selbst als die Gemeinde unseres Propheten (s.a.s.) in Mekka angefeindet wurde und den Islam nur unter großen Widrigkeiten ausüben konnte, hat sie nicht durch lautes Schreien oder ähnliche Aufdringlichkeiten versucht, andere Menschen einzuschüchtern. Weiterlesen „Was guckst du?“

Anerkennung unter Muslimen

Wir Muslime in Deutschland thematisieren in regelmäßigen Abständen die mangelnde gesellschaftliche und politische Anerkennung in diesem Land, in dem viele von uns geboren und aufgewachsen sind. Unsere öffentlichen Äußerungen sind oft davon geprägt, diese mangelnde Anerkennung zu benennen und einzufordern. Das hat natürlich auch seine Berechtigung, denn gerade in diesen Zeiten, in denen populistische Strömungen Aufwind haben, sind Forderungen nach Einschränkungen der muslimischen Lebensweise sehr beliebt.

Eine Auseinandersetzung mit diesem Thema ist unabdingbar und muss geführt werden. Aber ein viel zu selten angesprochenes Thema ist die Anerkennung unter uns Muslimen selbst. Wir beschwören und fordern immer wieder die Einheit unter uns Muslimen, unterstreichen bei jeder Gelegenheit die Brüderlichkeit bis hin zum – manchmal – inflationären Gebrauch des Wortes „Akhi“ oder „Bruder“ bzw. „Schwester“. Weiterlesen „Anerkennung unter Muslimen“

Flüchtlinge in der Gemeinde

Die Gefährten des Propheten (s.a.s) kannten das Phänomen der Flucht nur zu gut. Drei Mal mussten die ersten Muslime in Mekka vor der Unterdrückung durch ihre eigenen Stammesbrüder fliehen. Zwei Mal brachen kleinere Gruppen von Muslimen in das christliche Abessinien auf. Es war der christliche König Nedschaschi, der ihnen dort Zuflucht gewährte. Und schließlich verließ fast die gesamte Gemeinde Mekka in Richtung des damaligen Yasrib. Als einer der Letzten brach der Prophet selbst auf.

Seine Flucht aus Mekka und seine Auswanderung nach Medina haben für uns eine so große Bedeutung, dass dieses Datum zum Beginn der muslimischen Kalenderrechnung wurde. Nach und nach kamen hunderte Muslime als Glaubensflüchtlinge in diese Stadt. Eine staatliche Fürsorge gab es nicht, auch keine Zeltlager und Sammelunterkünfte. Aber es hatte seinen Grund, dass diese Stadt später ehrenvoll nur noch als “die” Stadt des Propheten gelobt werden sollte, als Medina. Weiterlesen „Flüchtlinge in der Gemeinde“

Worauf es ankommt

Wir Muslime sind eine vielbeachtete Minderheit in Deutschland. Die Beschäftigung mit dem Islam hat in unserer Gesellschaft viele Facetten und unterschiedlichste Ausprägungen. Manchmal erleben wir als Muslime auch Ablehnung oder gar Anfeindung. Dieser Zustand ist eine Tatsache, vor der wir die Augen nicht verschließen können. Sie darf uns aber nicht in Lethargie, Wehklagen und Untätigkeit zurückfallen lassen.

Unser Prophet (s.a.s) hat selbst Zeiten der Ablehnung und Anfeindung erfahren. Er hat Unrecht und Gewalt erdulden müssen. Im Angesicht all dieser Erfahrungen hat er das Wort Gottes verkündet, das uns in Sure 2, 177 daran erinnert: „Fromm sind auch die, […], die in Not und Leid und zur Zeit der Gewalt geduldig sind. Sie sind es, die wahrhaftig sind, und sie sind die Gottesfürchtigen.“

Wenn wir Unrecht und Benachteiligung beklagen, kann die Geduld allein aber nicht der Schlüssel zur Verbesserung unserer Lebensumstände sein. Denn dazu sind wir als Muslime ja berufen: aktiv zu sein, nicht einfach zu verharren und sich in Selbstmitleid einzurichten, sondern zu handeln. Weiterlesen „Worauf es ankommt“