Seelen-Nahrung

Nehmen wir unsere Mitmenschen tatsächlich wahr? Die Menschen um uns herum, sind wir uns ihrer Existenz vollends bewusst? Morgens wenn wir beim Frühstücken unseren Kaffee schlürfen und unserem Ehepartner gegenübersitzen, sehen wir dann in ihren, in seinen Augen, wie es ihr oder ihm geht? Motiviert uns der Blickkontakt und das Wechseln ein paar netter Worte den Alltag mit Leichtigkeit zu bewältigen? Sind wir im Kopf schon bei der Arbeit, wenn unsere Kinder uns eine Frage stellen? Ach, sie stellen so viele Fragen. Sehen wir die Enttäuschung in ihren Gesichtern, wenn sie uns dabei ertappen, wie wir ihnen nicht antworten können, weil wir ihnen nicht zugehört haben? Weiterlesen „Seelen-Nahrung“

Wo Gott ist, ist Hoffnung

  1. „Ein Zeichen davon, dass man sich noch auf seine eigenen Taten verlässt, ist, dass sich bei einem Fehltritt die Hoffnung vermindert.“

Dies ist der erste Aphorismus in der Sammlung „al-Hikam“ des spirituellen Meisters Ibn Ata‘illah al-Iskandari.

Nicht umsonst ist dieser „geistreiche Sinnspruch“, wie der Duden den „Aphorismus“-Begriff vorschlägt, die Einführung zum Werk al-Iskandaris; und nicht umsonst stammt er von einem Geistlichen, einem Sufi, also einem Gottsuchenden, einem, der ungetrübt und deutlich erkennt. Weiterlesen „Wo Gott ist, ist Hoffnung“

Brüder im Tin

Wir alle kennen den berühmten Hadîs unseres Propheten, Friede sei mit ihm, in dem es sinngemäß heißt: „Wer das, was er für sich liebt, nicht auch seinem Bruder wünscht, der hat nicht die höheren Stufen des Iman (Glauben).“ Wir haben ihn sehr oft gehört, geben ihn häufig wieder und nicken jedes Mal zustimmend. Wir verstehen unter diesem Hadîs zunächst, dass man auch seinem muslimischen Bruder das wünschen soll, was man für sich selber liebt. Doch dieser Hadîs hat eine weitere Dimension, die wir oft außer Acht lassen.

Der große Hadîsgelehrte Imam Nawawi erklärt in seinem Kommentar zu diesem Hadîs den Begriff „Bruder“ auf zwei verschiedene Weisen. Imam Nawawi weist darauf hin, dass mit „Bruder“ einerseits „Brüderlichkeit im Din“, also im Islam, gemeint ist. Für seinen Bruder im Islam wünscht man eben alles, was man auch für sich selber liebt.

Aber zusätzlich zur Brüderlichkeit im Din gibt es nach Imam Nawawi auch die „Brüderlichkeit im Tin“. „Tin“ steht für Lehm oder Erde. Mit der „Brüderlichkeit im Tin“ verweist Imam Nawawi auf die Brüderlichkeit als Menschen, denn in Sure 15, Vers 26 heißt es im Koran: „Und wahrlich, wir haben den Menschen erschaffen aus trockenem, getöntem Lehm, aus schwarzem, zu Gestalt gebildetem Schlamm.“ Weiterlesen „Brüder im Tin“