Ramadan – Die gemeinsame Basis

Allah hat den Koran für die Menschen als Wegweisung, als eine lebendige Botschaft auf unseren Propheten Muhammad hinabgesandt. Der Koran ist eine lebendige Schrift, die uns Hoffnung gibt, unsere Sinne aktiviert und uns Liebe und Barmherzigkeit erfahren lässt. Er enthält Botschaften, die durch die Rezitation und die Praxis belebt werden sollen.

Im Alltag geht diese Lebendigkeit leider oft verloren. Der Koran dient dann nur als Dekorationsmittel, mit dem wir unsere Wohnzimmerschränke schmücken oder mit dessen Schrift wir unsere Handys oder Facebook-Pinnwände verzieren. Dabei enthält er Botschaften, die wir im Herzen spüren sollten. Wir sollten den Koran lesen und über seine Verse reflektieren, damit wir sie im Alltag umsetzen können. Dabei geht es nicht um die normative Ebene, die in unserer Zeit zunehmend die essentiellen Aspekte unseres Glaubens überschattet. Es ist nicht immer alles „halal“ oder „haram“. Weiterlesen “Ramadan – Die gemeinsame Basis”

Wohin ihr euch hinwendet, dort ist das Antlitz Allahs

Allah ist das Positivste, das man sich vorstellen kann. Er ist frei von jeglichem Makel oder Nichtexistenz. In Ihm löst sich alles auf. Wenn wir sagen, dass der Islam die Hingabe zu Allah bedeutet, dann ist auch damit eine Beziehung zur Positivität in ihrem absoluten Sinne gemeint. Diese göttliche Positivität drückt sich dadurch aus, dass überall und in jedem Augenblick die Eigenschaften und Handlungen Allahs sich aufs Neue manifestieren. Muslim zu sein bedeutet u.a., aus dieser Perspektive ein Bewusstsein für diese Eigenschaften Allahs zu entwickeln.

Der auserkorene Prophet lehrt uns, dass das Göttliche in unserem Leben sich so zeigt, wie wir halt über Allah denken. In einem Hadith lesen wir, dass Allah sagt: „Ich bin so wie mein Diener über mich denkt, so soll er über mich gut denken“. Negative Gedanken über Allah zu haben, sind im Endeffekt nur negative Gedanken über die eigene Welt und sich selbst. Nicht selten unterliegen wir in unserem Alltag der Illusion, dass es Räume, Menschen oder Momente gibt, die irgendwie leer sind, leer von der Göttlichkeit und leer von Sinn. Weiterlesen “Wohin ihr euch hinwendet, dort ist das Antlitz Allahs”

Ohne Sünde bleibt der Glaube ungeprüft

Ohne Sünde bleibt der Glaube ungeprüft. Erst wenn man die Finsternis gesehen hat, weiß man das Licht zu schätzen.“ Ich erinnere mich noch gut an den Gesichtsausdruck eines guten, frommen Freundes, als ich diesen Satz zwischen Shisha und Schwarztee hingeknallt hatte. Ein ehrlicher Satz inmitten eines fruchtbaren Gesprächs über Sünde und Vergebung.

Zwei Muslime, die unterschiedlicher nicht sein konnten, sprachen offen miteinander, ob man Sünden verbieten sollte, um Muslime vor Schaden zu bewahren. An dieser Stelle sollte ich erwähnen, dass ich weder Skeptiker noch Liberaler bin. Vernunft und eine gute Portion Intuition sind meine Weggefährten, wenn es um Schnittbereiche zwischen Religion und Gesellschaft geht. Weiterlesen “Ohne Sünde bleibt der Glaube ungeprüft”

Seelen-Nahrung

Nehmen wir unsere Mitmenschen tatsächlich wahr? Die Menschen um uns herum, sind wir uns ihrer Existenz vollends bewusst? Morgens wenn wir beim Frühstücken unseren Kaffee schlürfen und unserem Ehepartner gegenübersitzen, sehen wir dann in ihren, in seinen Augen, wie es ihr oder ihm geht? Motiviert uns der Blickkontakt und das Wechseln ein paar netter Worte den Alltag mit Leichtigkeit zu bewältigen? Sind wir im Kopf schon bei der Arbeit, wenn unsere Kinder uns eine Frage stellen? Ach, sie stellen so viele Fragen. Sehen wir die Enttäuschung in ihren Gesichtern, wenn sie uns dabei ertappen, wie wir ihnen nicht antworten können, weil wir ihnen nicht zugehört haben? Weiterlesen “Seelen-Nahrung”

Wo Gott ist, ist Hoffnung

  1. „Ein Zeichen davon, dass man sich noch auf seine eigenen Taten verlässt, ist, dass sich bei einem Fehltritt die Hoffnung vermindert.“

Dies ist der erste Aphorismus in der Sammlung „al-Hikam“ des spirituellen Meisters Ibn Ata‘illah al-Iskandari.

Nicht umsonst ist dieser „geistreiche Sinnspruch“, wie der Duden den „Aphorismus“-Begriff vorschlägt, die Einführung zum Werk al-Iskandaris; und nicht umsonst stammt er von einem Geistlichen, einem Sufi, also einem Gottsuchenden, einem, der ungetrübt und deutlich erkennt. Weiterlesen “Wo Gott ist, ist Hoffnung”

Brüder im Tin

Wir alle kennen den berühmten Hadîs unseres Propheten, Friede sei mit ihm, in dem es sinngemäß heißt: “Wer das, was er für sich liebt, nicht auch seinem Bruder wünscht, der hat nicht die höheren Stufen des Iman (Glauben).” Wir haben ihn sehr oft gehört, geben ihn häufig wieder und nicken jedes Mal zustimmend. Wir verstehen unter diesem Hadîs zunächst, dass man auch seinem muslimischen Bruder das wünschen soll, was man für sich selber liebt. Doch dieser Hadîs hat eine weitere Dimension, die wir oft außer Acht lassen.

Der große Hadîsgelehrte Imam Nawawi erklärt in seinem Kommentar zu diesem Hadîs den Begriff „Bruder“ auf zwei verschiedene Weisen. Imam Nawawi weist darauf hin, dass mit „Bruder“ einerseits „Brüderlichkeit im Din“, also im Islam, gemeint ist. Für seinen Bruder im Islam wünscht man eben alles, was man auch für sich selber liebt.

Aber zusätzlich zur Brüderlichkeit im Din gibt es nach Imam Nawawi auch die „Brüderlichkeit im Tin“. “Tin” steht für Lehm oder Erde. Mit der “Brüderlichkeit im Tin” verweist Imam Nawawi auf die Brüderlichkeit als Menschen, denn in Sure 15, Vers 26 heißt es im Koran: „Und wahrlich, wir haben den Menschen erschaffen aus trockenem, getöntem Lehm, aus schwarzem, zu Gestalt gebildetem Schlamm.“ Weiterlesen “Brüder im Tin”